Das Iserlohner "Eishockey-Dreigestirn"

Wolfgang Brück, Jochen vieler und Thomas Aumer (v. l.) kehrten für dieses Foto in den Gasthof "Zum Schälk" zurück.
  • Wolfgang Brück, Jochen vieler und Thomas Aumer (v. l.) kehrten für dieses Foto in den Gasthof "Zum Schälk" zurück.
  • hochgeladen von Rainer Tüttelmann

„Ich habe sechs Jahre meines Lebens dem Eishockey als Vorsitzender des Iserlohner EC geschenkt. Es waren aber sechs Jahre, die mir Riesenspaß bereitet haben.“

Jochen Vieler lehnt sich während des Gesprächs mehrfach zurück, um im gleichen Augenblick mit noch größerer Intensität über die ersten Jahre des Iserlohner EC zu reden. Es scheint, dass das gesamte Geschehen für Jochen Vieler noch sehr präsent ist.
Angefangen hatte eigentlich alles 1993 mit einer Sitzplatz-Dauerkarte neben Peter Strauß, einem engagierten Funktionär im Nachwuchsbereich und als Berufssoldat ein Mann mit klarer Ansprache. „Er hat mich gefragt, ob ich mir ein Engagement im Eishockey-Bereich vorstellen könne.“
Das konnte Jochen Vieler durchaus. Im alten ECD nach der Weifenbach-Ära war Jochen Vieler kommissarisch zweiter Vorsitzender. „Damals habe ich Thomas Aumer aus Neumarkt an den Seilersee geholt.“

"Der ECD war beerdigt und Thomas Aumer da"

Viel Zeit zum Luftholen existierte Anfang 1994 nicht. Vieler: „Der ECD wurde beerdigt und Thomas Aumer war da.“ Mit Folgen für Jochen Vieler: „Plötzlich stand ich unter Druck. Thomas Aumer rief mich mindestens zweimal am Tag an und hat mich bearbeitet.“ Irgendwann ist Jochen Vieler dann „eingeknickt“.
Er hat verschiedene Personen angerufen, aber zugleich deutlich gemacht, „dass ich das Ganze nur mit einem Rechtsanwalt an meiner Seite mache.“
Im alten Oestricher Sportfreunde-Vereinsheim in der Schledde kam es dann zu einem kurzen, denkwürdigen Treffen zwischen Jochen Vieler und Wolfgang Brück, der damals für die Sportfreunde Oestrich Fußball gespielt war. „Wir haben ein Dreier-Treffen vereinbart.“

Die IEC-Gründungsversammlung am 25. April 1994

Jochen Vieler, Wolfgang Brück und Thomas Aumer zurrten in der Gaststätte „Zum Schälk“ die Vereinsgründung fest. „Wir haben umgehend eine Gründungsversammlung einberufen. Diese besiegelte am 25. April 1994 die Gründung des Iserlohner EC. Gründungsmitglieder waren Elke und Georg Böhm, Jochen Vieler, Wolfgang Brück, Gerd Kraatz, Rüdiger Schäfer, Christian Will, Jürgen Klimmek, Thomas Aumer und Peter Strauß.
Noch aber gab es viel Arbeit zu erledigen. Eine erste Hürde wurde am 13. Juni 1994 genommen, als sich der Nachwuchs des ECD auflöste und dem IEC beitrat. Ein eigener Nachwuchsvorstand wurde vorsichtshalber installiert. Jürgen Schwerter, Klaus Potthoff, Franz Brozé und Bernd Schnieder waren die Nachwuchs-Bosse.
Erster Trainer des IEC war Peter Gailer. Erst ein Gespräch mit dem NRW-Topfunktionär Wolfgang Sorge brachte Klarheit, in welcher Liga begonnen werden konnte. Jochen Vieler: „Wieder war die Gaststätte ‚Zum Schälk‘ unser Ort, wo diese wichtigen Dinge besprochen wurden. Hier haben wir auch die Einzelheiten mit Wolfgang Sorge besiegelt.“

"Keine finanziellen Kapriolen"

Eishockey konnte in Iserlohn also unter neuen Voraussetzungen weitergehen. „Ich habe ganz klar die Marschrichtung ausgegeben, dass mit mir keine finanziellen Kapriolen zu machen sind. Ich habe dem Nachwuchs eine Hilfe in Höhe von 30 Prozent seines Etats zugesagt und das eingehalten.“
Moderate Eintrittspreise und ein nicht enden wollender Fan-Zuspruch motivierte die Verantwortlichen zusätzlich.
Nach drei Jahren (1997) nahm Jochen Vieler mit dem in Timmendorf trainierenden Greg Poss Kontakt auf. „Wir haben uns im Autobahn-Restaurant Dammer Berge getroffen und alles fixiert“, erinnert sich Vieler, der fast alle Spiele des Iserlohner EC gesehen hat.
Geblieben sind Freundschaften und vor allem tolle Erinnerungen an einen funktionierenden Eishockeyverein. „Ich hatte aber auch wirklich gute Mitstreiter. Das muss ich mal sagen.“ Den gesunden Verein übergab er nach sechs Jahren. „Ich wollte eigentlich nur drei Jahren machen, habe mich aber dann noch einmal überzeugen lassen. Kurz vor dem Ende meines sechsten Amtsjahres habe ich dann Wolfgang Brück über meine Entscheidung informiert, nicht mehr zu kandidieren.“

Der Mann mit dem Igel in der Tasche

Dass er in seinen sechs Jahren als Vorsitzender auch immer wieder als „Mann mit dem Igel in der Tasche“ bezeichnet wurde, nimmt er mit der erforderlichen Distanz lächelnd zur Kenntnis. „Wir haben gutes Eishockey erlebt und keine Schulden gemacht.“ Hätte es vor 14 Jahren nicht eine klare vertragliche Bindung mit der Iserlohner Brauerei gegeben, wäre schon damals ein Sponsorenwechsel erfolgt. „Ich bin Egbert Preußners 1994 dankbar gewesen, dass er als Brauerei-Chef seine Unterstützung für den neuen Eishockey-Verein zugesagt hat. Ich hätte aber schon sehr bald lukrativere Verträge mit der Krombacher, aber auch der Veltins-Brauerei abschließen können.“ Das war aufgrund der vertraglichen Situation zwischen der Iserlohner Brauerei und der Stadt Iserlohn als Halleneigentümerin nicht möglich. „Dankbar bin ich aber auch dem damaligigen POCO-Geschäftsführer Wolfgang Henning, der dem Iserlohner EC als zweiter Sponsor zur Verfügung stand. Vergessen darf ich aber auch nicht Möbel Sonneborn und der Familie Hollweg, die uns etwas später auch als Hauptsponsor tatkräftig geholfen haben.“
Und noch etwas ist ihm wichtig: „Wir haben mit dem Kämmerer der Stadt Iserlohn, Harald Drees, immer gute und ergebnisorientierte Gespräche geführt. Das gilt auch für Drees-Vorgänger Dr. Peter Paul Ahrens und dem Ex-Bürgermeister Klaus Müller. Die führenden Leute in der Verwaltung hatten immer ein offenes Ohr für mich und die Belange des IEC.“

Geschäftsführer eines Mineralölunternehmens

In den letzten Jahren kommt Jochen Vieler nur noch ganz selten zum Eishockey. „Ich bin Geschäftsführer eines Iserlohner Mineralölunternehmens, das NRW-weit tätig ist. Zudem bin ich im Bundesverband freier Tankstellen tätig. Aufgrund dieser Tätigkeiten bin ich leider wenig in Iserlohn, aber viel in anderen Städten unterwegs. Wenn ich dann mal Freizeit habe, genieße ich die mit meiner Familie.“
Natürlich interessiert ihn nach wie vor, wie die Roosters spielen. „Die Liebe ist nicht mehr so intensiv, aber die Verbundenheit ist immer noch vorhanden. Hut ab vor der Mannschaftsleistung in diesem Jahr.“

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