Die hl. Familie in der Nicolaikirche zu Kalkar (Sakramentskapelle).

Eher selten findet man eine Darstellung des sterbenden Josef.
Seit frühesten Zeiten nimmt man an, Josef sei im Kreise seiner Lieben gestorben. Daher gilt der hl. Josef als Patron eines guten Todes.
„Gut“, das heißt, nicht ein plötzlicher, schmerzloser Tod der überrascht, sondern ein Abschied, wo wirklich noch das gesagt werden kann was gesagt werden muss. Es ist zwar nicht ein Abschied auf ewig, aber zur Stärkung für diejenigen die gehen und für die die zurückbleiben muss noch genug Zeit sein. Zeit um Streitigkeiten aus der Welt zu schaffen, und um Verzeihung zu bitten. Wenn alles gesagt ist, dann darf der Tod kommen.

Dieses schöne Relief in Holz geschnitzt ist zu finden in der Nicolaikirche zu Kalkar. Es kann nicht alt sein, dieser Teil eines ehemaligen Seitenaltars, vielleicht um 1900.

Frei von aller Exaltiertheit der Christusdarstellungen jener Epoche, schaut hier Jesus bedachtsam nach seinem Vater, hält ihm mit links die linke Hand und segnet ihn mit der rechten. Die beiden Händen die von Herzen kommen berühren sich nicht allzu fest: die Lebenskraft Josefs nimmt ab. Bald wird Jesus die Hand seines Nährvaters nehmen und auf die bereits ruhende Hand legen. Vielleicht wird er die Hände falten, und sie in jene Geste zurechtlegen die zu allen Zeiten das Zeichen des sichschließenden Kreises ist. Es sind wunderbare, schwingende Bewegungen in einem Moment, wo die Zeit kurz anhält.

In anderen Darstellungen hält die hl. Maria die freie Hand ihres Ehemannes. Hier berührt die Gottesmutter ihren Ehemann nicht. Sie überlässt die Sterbebegleitung in diesem Moment völlig ihrem Sohn. Er war länger nicht zuhause und ist gerufen worden, oder hat das nahe Ende Josefs geahnt, wie manche Kinder dies ahnen. Mit ihrem Mann hat Maria alles besprochen, jetzt will sie die wenigen Minuten die Vater und Sohn noch bleiben nicht stören.

Es kostet sie Mühe und sie faltet ihre Hände nicht ergeben, sondern krampfhaft und erbittet Kraft.

Der Künstler hat mit der abseits knienden Gottesmutter ein neues Thema angefangen. Mutter und Sohn werden mit einander weitergehen. Man spricht immer von der Erlösung die durch Christus allein gebracht wurde, aber wie kann man sein Leiden lose sehen von dem seiner Mutter unterm Kreuz.

Wäre es unnötiges Beiwerk, auch sie wäre auf ihrem Totenbett von ihrem Sohn gesegnet worden. Dass sie ihn überlebt hat eine besondere Bedeutung. Kein Beiwerk, sondern Teil des Erlösungswerks.

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Autor:

Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau

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