LVR-Verbund HPH unterstützt bei Vorbereitung auf die Kommunalwahl
Wahlrecht für alle - endlich selbst mitentscheiden

Angelika F. und Petra P. geben gut informiert ihre Stimme zur Kommunalwahl ab.
  • Angelika F. und Petra P. geben gut informiert ihre Stimme zur Kommunalwahl ab.
  • Foto: LVR-Verbund HPH
  • hochgeladen von Yvonne de Mür

Was ist eine Partei? Was macht der Bürgermeister? Und wie läuft überhaupt eine Wahl ab? Fragen über Fragen. Kein Wunder, dass Petra P. und Angelika F. manchmal der Kopf schwirrt. Aber am Ende wissen sie Bescheid. Welche Parteien es gibt, die sich zur Wahl stellen, dass Bürgermeister oder Bürgermeisterin der Chef bzw. die Chefin vom Ganzen sind und "dass ich am Wahltag ins Rathaus gehe, um mein Kreuz zu machen", wie Petra P. es ausdrückt. Und Angelika F. kennt sich ohnehin aus: "Bei einer Wahl wirft man einen Zettel in eine Kiste, und auf dem Zettel ist mein Bild drauf." So war es bei der jüngsten Beiratswahl, bei der die 66-Jährige erfolgreich kandidiert hat. Die beiden Frauen, die im Wohnverbund des LVR-Verbund Heilpädagogischer Hilfen (HPH) in Grieth leben, sind zwei von rund 85.000 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Deutschland. Seit 2019 dürfen sie endlich wählen. Zum Beispiel bei der Kommunalwahl am 13. September.

LVR-Mitarbeiterin Heike Sent hat Petra P. und Angelika F. und andere Frauen und Männer in LVR-Wohnverbünden in Emmerich, Kalkar und Rees mit dem Thema Wahl vertraut gemacht. In kleinen Schritten und mit Themen, die die Menschen kennen. Wie den Alltag in ihrem LVR-Wohnverbund. "Hier gibt es Regeln für das Zusammenleben. Auch das ist ein politischer Prozess." Nächster Schritt: "Wir haben gefragt, was für jeden selbst wichtig ist und was sich jede und jeder für seinen Wohnort wünscht." Zum Beispiel ein Café vor Ort zu haben oder Einkaufsmöglichkeiten, auch bessere Busverbindungen wären schön. Dinge, die ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin umsetzten könnte. In Kalkar gibt's eine Bürgermeisterin, Petra P. und Angelika F. wissen, wer das ist. Warum nicht einmal mit der Frau plaudern? "Bei Kaffee und Bienenstich", sagt Petra P. Und natürlich in dem Café, das unbedingt bleiben muss.

Normalerweise arbeitet Heike Sent in einem Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) des LVR-Verbund und hätte mit ihren Kollegen Workshops zum Thema Kommunalwahl organisiert. Aber Corona hat dieser Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die LVR-HPZ sind geschlossen, also machte sich Heike Sent auf den Weg in verschiedene LVR-Wohnverbünde. Um sich vorzubereiten, hatte sie mit Hilfe einer Broschüre der Landeszentrale für politische Bildung kleine Hefter erstellt, um Politik in einfacher Sprache zu erklären. Arbeitszettel für die Bewohnerinnen und Bewohner gab's auch. Motto der Aktion: Ich bin wichtig - ich kann mitbestimmen.

Nicht jeder Mensch mit geistiger und mehrfacher Behinderung kann lesen und schreiben. Heike Sent zeichnete Piktogramme, erklärte die Parteien anhand der Farben. Das ist ihr bei der Vorbereitung aufgefallen: Die Wahlzettel, die bei der Kommunalwahl ausgegeben werden, sind nicht barrierefrei. "Farben wären gut, noch besser wären zusätzlich Bilder der Kandidatinnen und Kandidaten." Der Wahltag rückt näher. Wer wählen geht und wer nicht, entscheiden die Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Bei einem potenziellen Wähler ist sich Heike Sent sicher, dass sie Interesse wecken konnte. Er saß in einer Diskussionsrunde dabei, obwohl ihm das Thema zuerst mehr oder weniger egal war. Aber auf seiner Wunschliste ganz oben steht schnelleres Internet. "Als wir darüber sprachen, dass es bestimmt Politiker und Politikerinnen gibt, die sich dafür einsetzen, war sein Interesse geweckt." Er will sich jetzt die Parteien und ihre Aussagen genau anschauen und wählen gehen: "Wenn es jemanden gibt, der sich für sein Anliegen stark macht, hat er gesagt."

Autor:

Yvonne de Mür aus Kleve

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