Frühlingseinzug

Unscheinbar, doch bei genauerem Hinsehen nicht ganz unauffällig: Die gelben, aufgeblühten Kätzchen der Haselnuss (Corylus avellana), jetzt überall zu sehen. (Lünen, Stadtmitte)
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  • Unscheinbar, doch bei genauerem Hinsehen nicht ganz unauffällig: Die gelben, aufgeblühten Kätzchen der Haselnuss (Corylus avellana), jetzt überall zu sehen. (Lünen, Stadtmitte)
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Endlich - alle haben darauf gewartet: Sonnenschein, steigende Temperaturen... Der Frühling ist da! Und nicht nur die Menschen warten: Die frühen Frühjahrsblüher sind da oder kommen in den nächsten Tagen.

Besonders auffällig sind jetzt Schneeglöckchen und Krokusse. Dabei blüht schon länger der Haselnussstrauch - aber er ist eben nicht so auffällig. Im Gegensatz zur Haselnuss (Corylus avellana) sind Schneeglöckchen und Krokus bei uns nicht heimisch, werden aber seit langer Zeit als Zierpflanzen in Gärten und Parks gehalten. Und je länger eine Pflanzenart in Kultur ist, desto eher und zahlreicher die Verwilderungen und Etablierungen bei uns. Besonders das Gewöhnliche Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) ist eine nicht ungewohnte Erscheinung in der freien Landschaft, mehr noch in den Siedlungen, wo es sich auch außerhalb der Anpflanzungen ausgebreitet hat. Vor allem in Parks und auf Friedhöfen sieht man das Schneeglöckchen so reichlich, wie es gar nicht nur angepflanzt sein kann. Aber die Verlockung ist bei Vielen groß (wenn auch verboten), Schneeglöckchen irgendwohin zu setzen, so dass es gar nicht so einfach festzustellen ist, wie es im Einzelnen an einen Ort gekommen ist. Mit Gartenabfällen werden Zwiebeln aus den Gärten verschleppt, ebenso durch Aufbringen von Bodenmaterial, in dem Zwiebeln vorhanden sind. Und schließlich verbringen Maulwürfe und Wühlmäuse Zwiebeln, oft schon innerhalb eines Gartens, in dem die Schneeglöckchen ursprünglich angepflanzt wurden.

Krokusse sind außerhalb der Siedlungs- und Friedhofsrasen dagegen viel seltener. In die freie Landschaft gelangen sie gelegentlich durch Zwiebelverschleppungen. Ab und zu kann man sie an Bachufern feststellen (auch an kanalisierten Fließgewässern), wobei die Zwiebeln offenbar auch durch das fließende Wasser transportiert werden. Massenhaft kann man in einigen Parks, auf vielen Friedhöfen und in Gartenrasen jetzt vielfach einen Krokus sehen, der sich zusätzlich über Samen regelmäßiger vermehrt - den Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus). Er ist an solchen Stellen fest eingebürgert und kann zudem immer mehr an Siedlungsrändern in Gebüschen und an Straßenrändern beobachtet werden. Die Samen werden von Ameisen ausgebreitet - wie übrigens auch Schneeglöckchen ausgebreitet werden, zusätzlich zur Vermehrung über Brutzwiebeln.
Beobachtungen von nicht angepflanzten Vorkommen des Elfen-Krokus interessieren mich sehr, weil man so die weitere Ausbreitung verfolgen kann.

Von den Blausternen ist ausgerechnet der am wenigsten blau gefärbte der früheste: Der Kaukasische Blaustern (Othocallis mischtschenkoana). Er wird ziemlich selten gepflanzt und verwildert noch seltener, meist in Nähe der Pflanzungen. Charakteristisch sind die weißlichen Blütenblätter mit hellblauem Mittelnerv.

Bei genauem Hinsehen entdeckt man aber schon viel mehr, z. B. die schildartigen Blätter des Scharbockskrautes (Ranunculus ficaria), das auch bald zu blühen beginnt. Oder die Jungpflanzen des Hain-Ehrenpreises (Veronica sublobata), die bald in zahllosen Parks, auf Friedhöfen, in Wäldern und Gebüschen unscheinbar winzig, aber doch in einem wunderschönen Lila zu blühen beginnen. Dann sieht man ebenso die ersten blühenden Pflanzen des Huflattichs (Tussilago farfara). Und schließlich gibt es viele Friedhofswege, aber ebenfalls viele Industriebrachen, Verkehrsinseln, Bahngelände oder Pflasterritzen, in denen Arten des unscheinbaren Hungerblümchens (Gattung Draba) aufgeblüht sind. Das Gänseblümchen (Bellis perennis) ist zwar ein Ganzjahresblüher, erreicht aber im Frühjahr seine höchste Dichte an blühenden Pflanzen und kommt auch wieder mit seinen "Miniorakeln" zum Vorschein, sobald die Sonne scheint.

Autor:

Götz Loos aus Kamen

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