Geldmangel trotz Arbeit: 27 Prozent der Hartz-IV-Empfänger im Kreis haben einen Job

Knapp 7.500 Menschen im Kreis Unna müssen ihren Verdienst mit Arbeitslosengeld II aufstocken.
  • Knapp 7.500 Menschen im Kreis Unna müssen ihren Verdienst mit Arbeitslosengeld II aufstocken.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Martina Abel

7.454 Personen im Kreis Unna sind auf Arbeitslosengeld II
angewiesen, obwohl sie erwerbstätig sind. Rund 40 Prozent dieser so
genannten Aufstocker sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, allerdings
mit einem geringen Entgelt. Das Bruttoeinkommen der meisten
abhängig beschäftigten Arbeitslosengeld II-Empfänger liegt nämlich
unter 450 Euro, lediglich 11 Prozent verdient mehr als 1.200 Euro im
Monat.

Dies sind die regionalen Daten einer bundesweiten Auswertung des Institutes
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Nürnberger Bundesagentur für
Arbeit. Die Verfasser der Studie betonen: „Zunächst ist festzuhalten, dass
Aufstocker bereits in Beschäftigung und damit sowohl näher am Arbeitsmarkt
als auch an einer eigenständigen Existenzsicherung sind als Personen, die
ausschließlich Grundsicherung beziehen.“ Die Untersuchung zeigt aber
auch, dass Aufstocker häufig für mehrere Jahre auf ergänzende Hartz-IVLeistungen
angewiesen bleiben. Rund 60 Prozent der Aufstocker aus dem
Jahre 2010 erhielten auch im Jahr danach Arbeitslosengeld II.

Die Analyse lässt aber immerhin eine leichte Tendenz zur Aufwärtsmobilität
erkennen: Es gab mehr Aufstiege als Abstiege. Die Zahl der Hartz-IVEmpfänger,
die durch einen Job wenigstens zu Aufstockern wurden, war
größer als die Zahl der Aufstocker, die ihren Job verloren. Zugleich war die
Zahl der Aufstocker, die den Hartz-IV-Bezug vollständig überwinden konnten,
größer als die Zahl der Erwerbstätigen, die neu auf ergänzende Hartz-
IV-Leistungen angewiesen waren.

Warum muss aufgestockt werden?

Vor allem fehlende berufliche Qualifikationen und schwere gesundheitliche
Einschränkungen hindern am Verlassen des Leistungsbezuges. Zudem haben
die Arbeitsmarktforscher in ihrer Studie festgestellt, dass geringfügige
und befristete Beschäftigungsverhältnisse, Zeitarbeit oder niedrig entlohnte Tätigkeiten nur selten den Weg in eine ungeförderte Beschäftigung bahnen.
Da die Mehrzahl der Aufstocker keiner vollzeitnahen Beschäftigung nachgehe, sei die Ausweitung ihres Arbeitsumfangs eine zentrale Stellschraube, so die Studie. Die Erfahrungen der Arbeitsvermittler im Kreis Unna sind aber vom Realismus geprägt: „Nicht alle Aufstocker kommen für eine vollzeitnahe Beschäftigung in Betracht - sei es, weil sie Kinder oder ältere Personen selbst betreuen müssen oder weil sie aus gesundheitlichen Gründen dazu gar nicht in der Lage sind.“

Autor:

Martina Abel aus Kamen

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