Wo kommst du her?

Das wurde ja schon fast jeder Mal gefragt, und oft ist das auch ganz einfach mit Dortmund, Unna, München, Hamburg oder Nürnberg erklärt. Oder man hört es an der Sprache,dass es z.B. Berlin ist. In meinem speziellen Fall wird das aber nicht so einfach verstanden. Oder kennt einer Düdinghausen? Hier im Kreis gibt’s ja noch Lüdinghausen und alle meinen ich hätte undeutlich gesprochen. Also Düdinghausen liegt im Sauerland hat nach meiner Schätzung keine 500 Einwohner, und die meisten davon kenne ich. Aber selbst da komm ich ja gar nicht richtig her sondern da bin ich 19 Jahre aufgewachsen. Mein Geburtsort ist Salzkotten, und wenn’s nicht in meinem Pass stehen würde, würde ich einfach mal behaupten da war ich noch nie …! Es liegt wohl bei Paderborn.
Na ja, wie dem auch sei bis ich von der Grundschule zu weiterführenden Schule wechselte, wusste ich da von noch nichts. Bis dahin dachte ich dass ich wie so viele in Düdinghausen geboren bin. Das war damals so üblich dass zuhause entbunden wurde. Mittlerweile machen da ja alle ein riesen Zauber um Hausgeburt.
Nachdem ich, ich war damals sehr ängstlich und ehr schüchtern, dann den ersten Tag in der neuen „großen“ Schule gut überstanden hatte war ja alles O.K.! Oder ?
Zur Kontrolle wurden all unsere Daten vorgelesen damit die Schule weiß ob alles Aktuell ist. Hätte ja jemand umgezogen sein können. Jetzt denken sicher jeder und der Datenschutz?
Ich will doch nicht dass jeder weiß wo ich wohne. Ach herrje an so was dachte doch keiner in den sechziger oder siebziger Jahren. Da wusste doch sowieso die Hälfte aus der Klasse wo ich wohne.
Im fünften Schuljahr erzählt man ja noch so einiges aus der Schule, was später immer weniger wird. Kurz vorm Einschlafen fiel mir dann noch ein was ich vergessen hatte. „Mama …?? Ich bin doch in Düdinghausen geboren …oder? Mama fragte wieso willst du das denn wissen?“ "Ach das wurde in der Schule abgefragt." Für mich wäre das Thema damit fast beendet gewesen. Doch meiner Mama fiel alles aus dem Gesicht. Ich wusste gar nicht was los war. Sie druckste so rum … und dann kam es raus. „Du bist in Salzkotten geboren“.
Ich schnallte gar nichts mehr. Wo ist den das? Hab ich noch nie was von gehört.
So … dann war’s um die Fassung meiner Mama geschehen, Papa wurde auch herbei gerufen …also es war ernst!!!
Weißt du Marion …wir haben dich ganz lieb … na ja das hatte ich auch nicht anders erwartet und in all den Jahren so erlebt. Hähhh… was sollte das … ich wusste immer noch nicht was los ist. Na ja dann bin ich halt wo anders geboren. Vielleicht ja in einem Urlaub, ganz spontan oder so. Aber das war es nicht.
Mama sagte Papa und ich konnten keine Kinder bekommen und haben dich adoptiert!
Wums!! Das saß!!! Oh jehh.. Wieso denn ich? ….
Das kannte ich nur aus dem Fehrnsehn oder das Kinder die schon größer waren in Familien kamen. Aber die wussten das. Und schlimm war das ja nun auch nicht. Also wieso so viele Jahre da ein Geheimnis draus gemacht wurde. Da stimmt doch was nicht. Das hätte ich doch gemerkt.
Obwohl meine Eltern beteuerten dass sie mich genauso lieb hätten war die Nacht für mich gelaufen. Ich heulte stundenlang in mein Kissen. Nicht nur weil ich ja nicht das „echte „ Kind meiner Eltern war sondern mindestens genau so viel aus Wut das sie mir das verschwiegen hatten.
Nun hatte ich also ein großes Geheimnis. Dachte ich zumindest. In Wirklichkeit wussten es natürlich alle Einwohner wovon ich ja mit ganz vielen sogar Verwandt war.
Ööööhm …ach nee das stimmt ja nun auch nicht …auch die hatten mir nix gesagt und mich auch nicht erkennen lassen das ich ja gar nicht zu ihnen gehörte.
Als Kind hatte ich da ja so meine Schwierigkeiten mit, mit wem sollte ich darüber reden? Mama fing an zu weinen und sagte nur wir haben dich doch lieb. Aber das reicht einem Kind halt nicht.
Später als Jugendliche als ich in der Schule alles Mögliche gelernt hatte (bis auf Rechtschreibung das lerne ich wohl nie) konnte ich das besser begreifen. Und war mir doch egal.
Ich schmunzelte sogar darüber das während meiner Ausbildung meine Arbeitskollegin zu meiner Mutter sagte: “Marion sieht ihnen ja sehr ähnlich“.
Was ein „scheiß Spruch“. Ich grinste nur, und Mama sagte wie immer gar nichts.
Also Mama ist immer gut zu mir gewesen, aber das kann auch etwas nerven. Sie ist eigentlich zu gut für die Welt, das ist manchmal ein Problem. Aber ähnlich sehen wir uns überhaupt gar nicht. Außer das jeder von uns einen Kopf einen Körper zwei Arme und zwei Beine haben ist nichts ähnlich. Weder vom Aussehen noch vom Charakter.
Meine erste Fahrt wenn ich mal ein Auto hätte sollte nach Salzkotten sein. Erst mal heraus bekommen was das auf sich hatte. Das war fest vorgenommen. Als ich aber nun 18 war mit neuem Auto von Papa und Mama ausstaffiert, hatte ich aber gar keine Zeit für „So was“ das kann man ja später noch. Die freie Zeit wurde lieber mit dem ersten Freund verbracht, dem wurde zwar gesagt bin adoptiert und in Salzkotten geboren. Aber das war’s auch schon. Mittlerweile ist diese "Junge Mann" von damals seit 25 Jahren mein Ehemann. Und wir haben es immer noch nicht geschafft mal nach Salzkotten zu fahren. Obwohl wir schon mal auf der Heimreise aus dem Urlaub 6 Km nah dran wahren. Da sieht man wie die Wichtigkeitsgrade in seinem Leben sich ändern.

Irgendwann mit mitte dreißig, das Internet war auch schon bis zu mir vorgedrungen wollte ich nun doch mal mehr von mir erfahren.
Ich hab also die Geburtsurkunde rausgeholt den Namen meiner „Gebärmutter“ im Telefonbuch eingegeben , doch da kam schon mal nichts bei raus.
Kein wunder die hat bestimmt ein anderen Namen.
Aber so schnell gibt man ja nun nicht auf.
Also Nachname in ganz Deutschland gesucht.
Ups über 150-mal, immer noch besser wie Müller, Meier, Schulze zu suchen.
Also fangen wir doch mal mit den nahen Telefonnummern an, Telefonflatrate hatten wir damals noch nicht … heute fast unvorstellbar,oder?
So sprach ich dann mit allen möglichen Leuten die sogar gar nicht sofort auflegten sondern das ganz interessant fanden. Aber näher kam ich der Sache auch nicht bis mir jemand sagte, wir hatten da mal weitläufige Verwandtschaft aus Neheim.
Also wurde die Sucherei eingegrenzt. Also ich muss schon sagen es gibt auch sehr hilfsbereite nette Leute. Wie z.B. den Herrn vom Amt der mir nachdem er meiner Geschichte gelauscht hatte und in seinem Registern nichts fand , noch eine uralte Datei auskramte …ob die schon im PC oder noch in einem Pappkarton war hab ich nie erfragt .
Der gab mir dann eine Telefonnummer von einem Herrn der damals schon in dem Haus gewohnt hatte wo auch meine leibliche Mutter gewohnt hat.
So .…da könnte ja was bei raus kommen, vielleicht wohin sie gezogen ist, oder ein neuen Nachnahmen erfahren….das währe noch besser.
Ich also noch mal die Telefontasten gedrückt und nach ein paar Minuten hatte ich einen älteren Herrn dran. Wieder mein Spruch ich such meine leibliche Mutter, die 1966 hier gemeldet war …..Pause…Pause… immer noch Pause. Dann fragte er weiter beziehungsweise ich erfuhr in null Komma nix das meine Mutter die Tochter seiner damaligen Frau ist.
Wums. Das saß! Ich hatte also meinen „ Opa“ am Telefon.
Von dem bekam ich dann die Telefonnummer meiner Mutter.
Also wählte ich zum letzten Mal wildfremde Leute an.
Es nahm jemand ab sagte ein Namen, ich stellte mich vor. „Hallo ich bin Marion und glaube ...du ?--- ähm...sie? sind meine leibliche Mutter. "Ich sagte wo und wann ich geboren bin.
Das vergisst auch jemand der ein Kind abgibt nicht.
Stille .... lautes atmen ... keiner sagt was. Auch ich, die mittlerweile ganz und gar nicht mehr die schüchterne kleine Marion aus der Schulzeit ist, sag erstmal nix!!
Dann die Frage meiner „Mutter“ und jetzt willst du mich kennen lernen?
Bis dahin hatte ich noch gar nicht so weit gedacht.
„Ähmmm…. weiß nicht…. ja vielleicht.“ Besser wir telefonieren Ende der Woche noch mal …oder?“ meinte meine Mutter.
Dann ging’s schnell wir telefonierten und machten ein Treffen aus
Blinde Date in Schwerte sie kam mit der Bahn und ich holte sie am Bahnhof ab.
Ums kurz zu machen wir lernten uns kennen, ich erfuhr das ich eine Halbschwester habe, und sie den Namen meines „Erzeugers nicht mehr weiß!
Na prima ! Da war ich aber anders erzogen. Man weiß von allen Bekannten den Namen, Geschweige denn wenn es „solche „ bekannte sind.
Das einzige was ich von meinem Vater weiß ist die Aussage meine Mutter
„ Das ist so lange her ich glaube der kam aus Marokko. „
So nun war mir klar wieso ich nun etwas anders geraten bin als all die blonden dünnen Frauen in meiner Familie.
Vom Vater die Hautfarbe und von der Mutter die Anlage das die ich etwas breiter geraten bin, wovon ich mir das meiste natürlich selber angefuttert habe.
Als Kind hab ich mich im Freibad unterm Handtuch versteckt damit ich nicht noch brauner wurde. Ich fiel da auf. Es gab da keine wie mich. Im Nachbarort gab es eine Türkische Familie aber das war’s auch schon.
Hier in Kamen fühle ich mich wohl, ich falle nicht durch meine manchmal etwas dunklere Haut auf, und wenn dann nur das ich beneidet werde.
Manche fragen dann „ Wo kommst du her?“ oder wieso bist du so schön braun?

Meine Antwort die ich gerne mit einem grinsenden Gesicht gebe ist:
„Von vielem Schokolade essen.“ Das muss mir erst mal einer beweisen das das nicht stimmt, denn dass ich die gerne und ganz viel futtere wissen alle ..... und man sieht’s ja auch :-))

Autor:

Marion Völlmecke aus Kamen

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