FabLab Kamp-Lintfort entwickelt schnell zu fertigende Visiere zum Schutz vor Ansteckung
Gemeinsam gegen Corona

Professor Nebe mit dem im FabLab Kamp-Lintfort produzierten Visier.
  • Professor Nebe mit dem im FabLab Kamp-Lintfort produzierten Visier.
  • Foto: Christian Spieß
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Die Hochschule Rhein-Waal hat ein Verfahren zur Herstellung von Visieren insbesondere für medizinische Einrichtungen entwickelt, die sich schnell in großen Stückzahlen produzieren lassen. Damit kann die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus durch eine Tröpfcheninfektion reduziert werden. Auch Privatpersonen sollen sich das Visier mittels 3D-Drucker anfertigen können.

Eine persönliche Schutzausrüstung ist zum jetzigen Zeitpunkt Mangelware. Auf dieses Problem hat das FabLab Kamp-Lintfort der Hochschule Rhein-Waal reagiert. In enger Abstimmung mit dem St. Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort und auf Basis der Rückmeldungen des medizinischen Personals wurde nach einer praktikablen Lösung gesucht. Gefertigt werden sollen Visiere, die nicht nur den notwendigen Schutz, sondern auch einen hohen Tragekomfort bieten. Entscheidend ist gleichfalls, dass sich diese leicht desinfizieren lassen und zudem schnell und in großer Stückzahl zu produzieren sind.

Kurze Produktion

Für Professor Dr. Karsten Nebe, Direktor des FabLab, war klar: „Die Herstellung mittels 3D-Druck ist zu langsam, um dem unmittelbaren Bedarf gerecht zu werden, daher mussten alternative Lösungen gefunden werden“. So hat das Team des FabLab verschiedene Designs entwickelt. Diese wurden im Sinne eines nutzerzentrierten Ansatzes in mehreren Durchläufen mit den Anwendern im Krankenhaus getestet. Das finale Design war schnell ermittelt und entspricht den notwendigen Anforderungen. Die Herstellung des Visiers erfolgt nun mittels Laserschneider, wodurch die Produktionszeit auf wenige Minuten pro Stück gesenkt werden konnte. Darüber hinaus existiert eine 3D-Druck Variante, da die Verfügbarkeit von 3D-Druckern verbreiteter ist als die von Laserschneidern. Das Design wird dafür Open-Source für jeden bereitgestellt: https://fablab.hochschule-rhein-waal.de/visier
„Natürlich haben wir beobachtet, was die Community der Maker und die FabLabs weltweit tun, um zu helfen. 3D-gedruckte Lösungen, etwa solcher Visiere, waren schnell und in zahlreichen Varianten im Netz verfügbar“, so Nebe. „Es ist beeindruckend, wie intensiv sich die Community hier eingebracht hat und wie viele sich beteiligen, um solche Lösungen kostenlos herstellen. Auch wir haben hier unterstützt und produziert, um den ersten dringenden Bedarf zu decken.“ Nebe erklärt: „Uns war es wichtig, gleichzeitig zweierlei Anforderungen gerecht zu werden: Erstens galt es, ein Design zu entwickeln, das bestmöglich den Anforderungen der Nutzer entspricht, also natürlich in erster Linie schützt, aber gleichzeitig auch über einen langen Zeitraum bequem zu tragen ist. Zweitens soll es eine schnelle Fertigung in höheren Stückzahlen ermöglichen, um den akuten Bedarf zu decken“. So konnte dank sehr intensiven Austauschs innerhalb einer Woche eine Lösung entwickelt werden, die in der aktuellen Lage entscheidend helfen kann.
Die Visiere sind für medizinische und pflegerische Einrichtungen gedacht, die Angestellte, Patienten und Bewohner schützen wollen, beispielsweise Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder ambulante Pflegedienste.

Offene Wissenschaft

Der Fokus des FabLabs liegt aufgrund der Standorte der Hochschule, zunächst auf Einrichtungen aus den Kreisen Wesel und Kleve. Die Hochschule hofft aber, dass andere Kreise und Regionen diesen Ansatz aufgreifen und ähnlich verfahren. Um zu prüfen ob es ein FabLab mit entsprechender Ausstattung in der näheren Umgebung gibt, sei auf folgenden Link verwiesen: https://fablabs.io
„Die Hochschule Rhein-Waal hat ein Verfahren entwickelt und bringt dieses nunmehr entsprechend ihres Transferauftrages in die Region und darüber hinaus ein“, betont Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen. „Dies zeigt, wie offen und grenzüberschreitend die Wissenschaft in der aktuellen Krise nicht nur im Bio-medizinischen Bereich bei der Erforschung des Virus und der Impfstoffentwicklung zusammenarbeitet.“
Die Hochschule wird nun im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Potential nutzen, um so viele Masken wie möglich zu produzieren.

Logistik aufbauen

Das Berufskolleg für Technik in Moers hat ebenfalls die Bereitschaft signalisiert, in die Produktion einzusteigen. Weitere FabLabs der Region und vermutlich auch weltweit werden folgen. Da die Hochschule nicht dauerhaft die Aufgabe der Produktion übernehmen kann, wäre es wünschenswert, wenn sich schnellstmöglich lokale Unternehmen mit einbringen und gegebenenfalls auch mit alternativen Fertigungsverfahren (etwa Spritzguss, Stanzen, etc.) die Produktion (teilweise) übernehmen. Sollten sich Unternehmen bereiterklären, die Fertigung zu unterstützen (auch mit der Lieferung von Materialien), so bitten wir diese, sich per Email an den DRK Kreisverband Niederrhein zu wenden. Die Details und Kontaktadresse finden sich hier: https://fablab.hochschule-rhein-waal.de/visier
Durch Abstimmung in einem kurzfristig gebildeten Arbeitskreis, der sich aus dem DRK Kreisverband Niederrhein e.V., dem St. Bernhard-Hospital und der Hochschule Rhein-Waal zusammensetzt, wurde bereits eine Organisationsstruktur entwickelt, die sich um den Vertrieb, die Logistik, die Produktion, die Reinigung beziehungsweise Desinfektion der keimarmen Verpackung sowie die Verteilung kümmert.
Das Design und die Anleitung zur Herstellung, wie auch die Bedarfsanmeldung für Einrichtungen in den Kreisen Wesel und Kleve finden sich unter https://fablab.hochschule-rhein-waal.de/visier
Anzumerken ist: Bei dem Visier handelt es sich explizit nicht um ein medizinisches Produkt.

Autor:

Lokalkompass Moers aus Moers

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