Buchtipp: Kesseltreiben von Leenders / Bay / Leenders - Kleinkariertes Dorfleben toll aufs Korn genommen, aber ich vermisse Helmut Toppe!

Das ist doch mal wieder ein Thema, wobei dem aufgeklärten Niederrheiner das Herz aufgeht: Dorfklüngel und -klatsch vom feinsten wurden bei dem Klever Krimi ausgiebig unter die Lupe genommen und die Folgen engstirnigen Denkens und Handelns super dargestellt. Gerade diese Seite unseres schönen Niederrheins geht nämlich auch mir persönlich manchmal gehörig auf den Senkel. Die Beurteilung anderer Leute, was sie anziehen, wie sie sich verhalten - und wehe dem, der sich nicht dorfregelkonform verhält! Die Selbstdarstellung fängt nicht selten bei der wunderschönen Gestaltung des Vorgartens an und endet zumeist im Vollrausch beim mindestens dreitägigen Schützenfest. Ich sag mal so, Leute, die sich von dem Geschwätz der anderen „was anziehen“ und nicht locker-lächelnd darüber stehen, machen sich ihr Leben nur unnötig schwer. Aber dieser Menschenschlag stirbt hier wohl nie ganz aus …

So auch bei diesem Fall des KK 11: Der junge Anwalt Sebastian Finkensieper aus Düsseldorf wird im malerischen Spargeldörfchen Kessel erschossen. Bald kristallisiert sich eine heiße Spur zu Sabine Maas heraus, einer ehemaligen Kesseler Einwohnerin. Bei der Befragung einiger herrlich garstiger Dörfler stellt sich ganz fix heraus, dass die Dame einen gewissen Ruf genoss: Mit jungen 18 Jahren in den berühmt-berüchtigten Siebzigern beide Eltern verloren, dadurch einen Knacks bekommen und scheinbar offen für freie Liebe und Mitglied der AKW-Gruppe gegen den Schnellen Brüter in Kalkar, hat sie auf dem elterlichen Gehöft mit ein paar Freunden in einer Kommune gelebt. Sowas war den ach so ehrbaren Dorfbewohnern natürlich ein Dorn im Auge … Aber warum musste 30 Jahre später der junge Anwalt sterben? Was verbindet Großstadtpflanze Sebastian Finkensieper mit Landei Sabine Maas?

All diese Fragen beschäftigen auch das Ermittlerteam, das sich seit dem Fall „Die Burg“ gehörig verändert hat. Helmut Toppe und Astrid Steendijk fehlen mir ganz gehörig! Der eine nun Chef des ganzen Ladens und kaum noch Zeit fürs alte Team. Die andere hat die elterliche Firma übernommen und ihren Job bei der Klever Kripo endgültig an den Nagel gehängt. Die neuen Protagonisten Penny Small, ihres Zeichens Freundin von Peter Cox, und Bernie Schnittges aus Krefeld, sind sympathisch gezeichnet - bleiben aber noch recht blass. Ok, Bernie ist scheinbar wegen einer unglücklichen Liebe an den Niederrhein gewechselt - aber wo bleibt die Leidenschaft, die wir aus Toppes wechselvollem Leben kennen und lieben? Gerade die ganz privaten Geschichten der Kommissare reizten den Leser so sehr an den vergangenen Storys. Auch van Appeldorn, der neue Leiter der Klever Mordkommission, hat noch nicht zu seiner alten Form gefunden. Herzerfrischend und „top“ in diesem Roman: Der gute alte Chaot Jupp Ackermann!

Text und Foto: Christiane Bienemann

Autor:

Christiane Bienemann aus Kleve

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