Das Psychiatrie-Museum der LVR-Klinik Bedburg-Hau

Uwe Horschig
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Am dritten Juli 1912 wurde die „Rheinische Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bedburg“ als achte Anstalt der Rheinprovinz eröffnet. Schon 1825 begann die Versorgung der Geisteskranken in der ehemaligen Provinz Rheinland mit der Errichtung der ersten Irrenanstalt in Siegburg, bis dahin war der Exorzismus die gängigste Heilungsmethode von Geisteskranken.

Nur Frischerkrankte galten damals als heilbar, alle anderen waren Pflegefälle, die durch eine Arbeitstherapie ruhig gestellt wurden. Etwa 65 % der Patienten befanden sich 1912 in so einer Therapie, 1928 waren es bis zu 80%. Tobsüchtige mussten in einem Laufrad bis zur völligen Erschöpfung laufen, der Elektroheilkrampf sollte gegen Schizophrenie helfen. „Die Patienten fielen damals schon in Ohnmacht, wenn sie das Gerät nur sahen“, erzählt Uwe Horschig, der Interessierte durch das Klinikmuseum führt. Er gestaltete das Museum 1995 und informiert seither Gruppen über die Geschichte der Klinik. Es gab auch noch andere Heilungsansätze, zum Beispiel das Dauerbad. So wurden 1912 etwa 200 Badewannen angeschafft, wenn schönes Wetter war wurden die Wannen sogar nach draußen getragen und dann saßen die Patienten Stundenlang, manchmal sogar tagelang im lauwarmen Wasser.

Während des ersten Weltkrieges wurde ein Militärlazarett in der Klinik eingerichtet, viele der knapp 1900 Patienten der Klinik starben an Unterernährung oder Tuberkulose. Bis 1939 wurde die Zahl der Planbetten von den ursprünglichen 2.200 auf 3.500 erhöht. Aber erst in den 70gern erreichte die Belegung der Klinik ihren Höhepunkt. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges 1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen, woraufhin in Bedburg-Hau zahlreiche Patienten sterilisiert wurden. Nur Patienten die für immer in einer Heilanstalt untergebracht werden sollten oder Patienten die auf Grund ihres Alters als nicht mehr fortpflanzungsfähig galten, kamen davon. Um Platz für ein Wehrmachtslazarett zu schaffen wurden 1939 die ersten 356 Patienten verlegt. 1940 begann dann eine Massendeportation von 1632 Patienten um Platz für ein Marinelazarett zu schaffen. Von diesen Patienten wurden 792 nach Grafeneck, Zwiefalten oder Brandenburg deportiert und dort ermordet. Der Bischof von Münster brachte Euthanasie in einer Predigt im August 1941 zur Sprache und stellte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Daraufhin ordnete Hitler die Einstellung der Krankentötungen an was aber nicht lange anhielt. Schon Anfang des nächsten Jahres wurde damit begonnen, neue Tötungseinrichtungen zu bauen. Unter anderem Meseritz-Obrawalde, wo schätzungsweise 18.000 Patienten ermordet wurden.

Einige Künstler haben sich mit der Thematik des Museums beschäftigt und haben im Museum Kunstwerke installiert. Zum Beispiel hat Ulrike Oeter eine Installation mit Namen „Aenne’s letzte reise“ zum Gedenken an Aenne Lehnkering geschaffen. In einem Gedenkbuch erhalten 621 ermoderte Männer und Frauen ihre Namen zurück.

Autor:

Ann-Mareike Kellinghusen aus Kleve

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