Liebe in Kriegszeiten

Die Autorin Monika Benndorf

Das autobiografische Buch von Monika Benndorf „Von der Geschichte befreit- Bevrijd uit de geschiedenis“ erzählt ihre vom Krieg geprägte Lebensgeschichte nach der Suche ihres Vaters.

„Es wurde Frühling. Der Soldat führte seine Verlobte in das verbotene Sperrgebiet, und zwischen blühendem Wiesenschaumkraut erlebten meine Eltern an der Waal ihre Liebe in Kriegszeiten.“ (Benndorf, Monika: Von der Geschichte befreit. Goch. 2014. S.8).

Als Tochter eines Deutschen Wehrmachtoffiziers und einer Niederländerin wurde Monika Benndorf 1944 in Amsterdam geboren. „Nach fünf Jahren Besatzung waren ungefähr 30.000 Babys von Deutschen Soldaten und Niederländischen Müttern geboren“, erzählt Benndorf. Die Hochzeit wurde ihren Eltern verweigert und wenig später wurde ihr Vater, Paul Benndorf, nach Frankreich beordert. In ihrem Zuhause in Tiel wurde die Frage nach ihrem Vater von ihrer gesamten Familie „tot geschwiegen“, erzählt sie. Und so kam es, dass sie erst im Alter von 14 Jahren herausfand, wer ihr Vater wirklich war. Sie erinnert sich an eine Geschichte, wo sie als 10 Jährige in Holland auf den Markt ging und an einem Stand ein Mann sie auf den Schoß nahm. Er gab ihr ein Aschenbecher und sagte: Für deinen Vater. Dann rief jemand in der Menge etwas, und der Mann ließ sie daraufhin wie ein Sack Kartoffeln fallen. Sie lief nach Hause und erzählte die Geschehnisse vom Markt. Daraufhin sagte ihre Großmutter: Du darfst nie wieder jemanden sagen, dein Vater ist tot.
Als 31 Jährige schließlich stellte sie ihre Mutter zur Rede und erfuhr Geburtsdatum und Wohnort des Vaters während des Krieges. Darauf hin teilte ihr das Einwohnermeldeamt die Telefonnummer mit und als sie dort anrief, erfuhr sie von der Witwe ihre Vaters, dass er schon 9 Jahre Tod war. Das muss ein tiefer Schmerz gewesen sein. Aber sie erfuhr auch, dass ihr Vater sie mehrmals versucht hatte zu kontaktieren und aufzusuchen. „Ich erinnere mich, dass eines Tages ein Mann vor der Tür stand und mit meiner Großmutter sprach. Sie war dabei sehr feindselig, deshalb bin ich nicht hin gegangen. Da muss ich zwei oder drei Jahre alt gewesen sein, “ so Benndorf.
Im Jahr 2005 wirkte sie an einer Dokumentation im TV Gelderland mit und las darin Briefe vor, ihre eigenen, die sie an ihre toten Eltern schrieb um die Geschehnisse zu verarbeiten. Und im Jahr 2009 hielt sie einen Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Liebe in Kriegszeiten“, in dem sie darüber sprach, wie schwer es für sie war sich selbst als Tochter eines Deutschen Soldaten zu akzeptieren und von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Lange Zeit war das ein Tabu gewesen. Die Besucher waren sehr beeindruckt. Wiel Lenders, der Direktor des Befreiungsmuseums Groesbeek schlug ihr vor, ein Buch zu schreiben. Der Verleger Franz Engelen vom Gocher Pagina Verlag war nach einem treffen mit ihr Überzeugt: „Das muss ein Buch werden, die Zeit dafür ist gekommen.“ Der Verein Haus der Begegnung- Beth HaMifgash e.V. hat eine Reihe von Lesungen mit Musik organisiert. Der Vorsitzende Ron Manheim erklärt: „Die Schicksalsgefährtinnen von Monika Benndorfs Mutter wurden mit kahlgeschorenem kopf über die Straße gejagt. Es lehrt uns heute den Umgang mit Vorurteilen und Diskriminierung“. Der Förderer Euregio Rhein-Waal will im diesem und nächsten Jahr solche Projekte besonders unterstützen zur Geschichtsbewältigung und Erinnerung an das Kriegsende des zweiten Weltkriegs vor 70 Jahre. Das Buch ist im Pagina Verlag erhältlich für 14,95 €.

Termine:
07.09 11:15 Uhr im Kulturforum Franziskanerkloster in Kempen, 4 € Eintritt/ ermäßigt 3,50 € Tageskasse
14.09 11:30 Uhr im Forum Euregio Rhein-Waal in Kleve, Eintritt frei
15.09 14:30 Nationaal Bevrijdingsmuseum 1944-1945 Groesbeek, freier Eintritt 04.10 14 Uhr im Mart 12- Euregionaal Onderduikmuseum Aalten, freier Eintritt 28.10 19 Uhr, VHS Goch Langenbergzentrum, vorherige Anmeldung erforderlich unter Tel. 0 28 23/ 97 31-13 oder 16
30.10 19 Uhr VHS Krefeld,8 € Einrtitt

Autor:

Ann-Mareike Kellinghusen aus Kleve

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