Coronavirus
Ein Traditionsbetrieb muss die Krisenzeit meistern

Im Moment sind die Friseursessel leer - aber es kommen wieder bessere Zeiten, da ist sich Brit Schweers sicher.
  • Im Moment sind die Friseursessel leer - aber es kommen wieder bessere Zeiten, da ist sich Brit Schweers sicher.
  • Foto: Tim Tripp
  • hochgeladen von Petra Zellhofer-Trausch

Kleve. Nachgefragt: Wie meistert ein Familienbetrieb die Coronakrise? Tradition ist gerade in diesen Zeiten mehr als nur ein Wort – und ein Friseursalon immer schon mehr als nur ein Ort des Handwerks. Er ist zudem ein Ort der sozialen Kontakte. Seit 1952 findet man bei Schweers Haarmoden genau dies: Einen Familienbetrieb mit dem Anspruch, handwerkliches Geschick mit Wohlfühlen zu verbinden.
Und so kommen gerade auch ältere Kunden schon seit Jahren zu Heinz-Theo, seiner Frau Christa und seit 2011 auch zu Tochter Brit und ihrem Team.
Die dritte Generation ist mehr als bereit, diese Atmosphäre in Ehren zu halten und in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Das Coronavirus ist jedoch auch für einen gestandenen Familienbetrieb eine existentielle Herausforderung und für die vielen Menschen, die gerne und regelmäßig kommen, eine völlig neue Situation. Ein Grund, auch stellvertretend nachzufragen, wie diese gemeistert werden kann – mit verschlossenen Türen. Wir haben mit Brit Schweers gesprochen:
Die erste Aussage ist so unerwartet wie erstaunlich: „Wir waren froh! Froh, dass uns die wachsende Sorge um unsere Mitarbeiter und Kunden abgenommen wurde“, so Brit Schweers. „Die Situation wurde immer schwieriger und unübersichtlicher. Wir hatten keinen Mundschutz, durften keine Augenbrauen und Wimpern mehr färben, Kinder durften gar nicht mehr kommen. Andere Kunden aber schon. Wir haben viele ältere Kunden – wie sollten wir diese schützen?“, berichtet sie von den Sorgen zu Anfang der Krise. Mittlerweile bleibt die Salontüre verschlossen und mit Soforthilfe und Kurzarbeit ist man sich sicher, diese Zeit zu überstehen. Natürlich wird auch hier eine Überbrückung aus Reserven notwendig, aber die Familie ist überzeugt: „Die Gesundheit steht im Vordergrund – die unserer Mitarbeiter und der Kunden. Es wird weitergehen!“ Intensiv trainiert Brit Schweers momentan die Auszubildende am Puppenkopf – denn in der Theorie gibt es anschließend schon genug nachzuholen. Um ältere Stammkunden kümmert sich Christa Schweers zur Zeit auch schon telefonisch – „Mal eben fragen, wie es geht!“ Das ist in diesen schweren Zeiten schon soviel wert.
Schweers Haarmoden ist ein Salon ohne Terminvergabe. Dies funktioniert seit jeher reibungslos. Was aber, wenn die Krise überstanden ist und die Menschen Schlange stehen? Brit sieht dies als weniger problematisch, wünscht sich aber, dass die Kunden ein bisschen Verständnis und Geduld mitbringen, damit der Ansturm bewältigt werden kann.
Einig ist sich Familie Schweers allerdings in einer Sache, die ihnen besonders am Herzen liegt: "Unseren Mitarbeitern wollen wir heute Danke sagen. Danke für die bedingungslose Unterstützung, das 100-prozentige ‚Hinter uns stehen’ in allen Belangen und Schwierigkeiten. Die Aussage, 'bei uns geht es nur um unseren Job, bei euch um eure Existenz' - das ist keine Selbstverständlichkeit."
Es bleibt zu hoffen, dass Handwerke wie diese in ihrer gesamten Vielfalt die Krise gut überstehen und erhalten bleiben. Es ist eben nie nur ein Haarschnitt!

Autor:

Petra Zellhofer-Trausch aus Kleve

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