Wiederholt sich die Schleusen-Geschichte?
„Dieses Unternehmen könne in seinen Folgen für Cleve eine Lebensfrage genannt werden“

Schon vor rund 200 Jahren wurde über eine Investition in einen Schleusen-Neubau in Brienen debattiert. Zwar war die Wahl der Worte damals etwas anders als die heutige, aber die Strategie war nahezu die selbe, wie heute. Auch damals gab es eine Ausarbeitung einer technischen Lösung, eine Kostenaufstellung und eine Wertschöpfungs- bzw. Ertrags-Prognose für die Investition in eine Schleuse. Und schon damals war die Motivation beinahe die gleiche wie gegenwärtig: Nämlich die Schifffahrt auf dem Spoykanal, die in der Zwischenzeit bedeutungslos wurde, mit dem Neubau einer Schleuse wieder zu ertüchtigen.

In einem historischen Werk aus dem Jahre 1846, dessen Deckseite das Titelbild zeigt, verfasste Gustav von Velsen dazu die folgenden Zeilen:

... Durch die furchtbare Ueberschwemmung und den Eisgang im Januar 1809, wodurch mehre bedeutende Durchbrüche in den Cleverhammschen und Duyffeltschen Deichen erfolgten, und einige Dörfer in der Niederung, namentlich Brienen, fast ganz zu Grunde gerichtet wurden, ist auch die KammerSchleuse an der Spoy gänzlich zerstört und später (ungeachtet der 300,000 Franken Unterstützung!) nur mangelhaft und als blosse Durchlass - Schleuse wieder hergestellt worden, so dass dieselbe seit der Zeit zu einer regelmässigen Schifffahrt, wie früher, nicht mehr hat benutzt werden können. Der Spoykanal wurde dadurch und durch die Untiefen, die in dem Fahrwasser vom Rhein bis zur Schleuse entstanden waren, seitdem für die Schifffahrt und den Handel fast bedeutungslos, und wäre in dieser Beziehung wohl auf lange Zeit in Vergessenheit gekommen, wenn sich nicht dann und wann noch ein Kohlen-Nachen, dem ein günstiger Wasserstand des Rheines die Ladung zugeführt, hindurchgezwängt hätte. So wurde es seit 1809 und so ist es nochim Jahre 1843; aber eine grosse Aenderung steht bevor,-- eine Anlage, die für Cleve von der grössten Wichtigkeit ist, in den Folgen eine Lebensfrage genannt werden kann. Schon im Februar 1836 wurde von dem, für das Wohl der Stadt Cleve so sehr thätigen Herrn Bürgermeister Ondereyck, die Schiffbarmachung des Spoykanals wieder in Anregung gebracht, und, nach erfolgter höherer Genehmigung, ein Sachverständiger mit der Ortsbesichtigung und der Anfertigung eines desfallsigen Planes und Kosten-Anschlags beauftragt. Im Oktober 1840 wurden dem Stadtrathe die sämmtlichen betreffenden Plane und Kosten-Anschläge vorgelegt, und wurde von dem Bürgermeister eine Uebersicht und Berechnung des Nutzens, welchen die Ausführung dieses wichtigen Unternehmens gewähren dürfte, wobei jedoch auch der dagegen zu erhebenden Bedenklichkeiten gedacht war, mitgetheilt. Nach einem Beschlusse des Stadtrathes gelangten darauf die sämmtlichen Verhandlungen, mit dem Antrage, den Planen und Kostenanschlägen an die Königliche Regierung zu Düsseldorf. Der weitere Verlauf der Verhandlungen zeigte bald, dass eine Verwirklichung des Planes in Aussicht stehe und wurden dieselben, seit der Finanz-Minister Herr von Bodelschwingh, in seiner entscheidenden Stellung, dieser Angelegenheit seine besondere Fürsorge zuwandte, bald auf eine so günstige Weise zu Ende geführt, dass, welche Folgen auch die Ausführung nach sich ziche, der Stadt Cleve nur Vortheile, - und hoffentlich! sehr bedeutende, - daraus erwachsen können; ...

Dieser kleine geschichtliche Rückblick lässt zugleich auch eine Bestätigung über die Sinnhaftigkeit des Ansinnens unseres Schleusen- und Spoykanal-Fördervereins Stadt . Land . Fluss ... Schluss? e.V. zu, dass neben der Machbarkeitsstudie 2.0 auch eine Wertschöpfungs- bzw. Ertragsprognose (früher genannt als "Uebersicht und Berechnung des Nutzens") zweckdienlich sei. Nachdem unser Verein dieses Ansinnen bei der Stadt Kleve beworben hatte, wurde am 1. Dezember 2021 die Vergabe eines sogenannten Handlungskonzepts angekündigt und durch den Bürgermeister der Stadt Kleve weitere Gespräche mit dem Vereinsvorstand in diesem Zusammenhang in Aussicht gestellt.

Autor:

Helmuth Plecker aus Kleve

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