Kleve geht immer den gleichen Weg – gegen die Eltern, gegen die Kinder...

Noch ein Beitrag zum Thema „interkommunale Schulpolitik“ á la Kleve. Wer die letzten 2 Jahre und die Diskussionen aufmerksam verfolgt hat, der dürfte sich vollends veralbert und ins Mittelalter zurück versetzt fühlen dürfen. Seit 2 Jahren wurde, mit immer neuen Eltern beleidigenden Taktiken und Vorwänden, die Frage einer Gesamtschule in Kleve auf die unerträglich lange Bank geschoben, bis heute nicht im Rat der Stadt Kleve beschlossen. Zu guter letzt mussten im Herbst 2010 die Nachbarkommunen Bedburg-Hau und Kranenburg als Vorwand für die Nicht-Behandlung eines Antrages auf Errichtung einer Gesamtschule herhalten, man beschwor die „interkommunale Regelung“ als einzig gangbaren Weg, brav stimmten auch SPD und FDP (neben der Schwarz-dunkelgrünen Koalition) für eine Verschiebung...

Bis dato war die Despektierung des Elternwillens und der Despotismus der Klever Verwaltung so groß, dass selbst die Bezirksregierung sich einschaltete und eine Frist zur gesetzeskonformen Regelung jenseits einer lehensherrlichen „Lex Cliviae“ setzte, genannt „Vereinbarung“ auf dass es den Klever allmächtigen Fürsten nicht das Gesicht verlieren lasse...

Doch statt Volkes Wille und Kindes Wohl im Sinn zu haben, erfand man neue Taktiken: Des Kaisers neue Kleider in Form des Schildes „Gemeinschaftsschule“. Wie’s um die Frage der Gesamtschule in Wahrheit bestellt ist, konnte man aus des Herolds und Schatzmeisters Munde, W. Haas am 16.05.2011 erfahren: „In Frage einer Gesamtschule in Kleve werden wir genau so vorgehen wie bisher...“ – Hat man des Fürsten Wort „ Solange ich Fürst bin, wird’s keine Gesamtschule in Kleve geben“ und die Verlautbarung seines Bildungsministers „ Es wird eine Lösung geben, das wirf auf keinen Fall eine Gesamtschule sein“ noch im Ohr – fürchtet man wie ernst es gemeint war. Das letzte Stück Sand in die Augen der Eltern und Kinder kann man hier erlesen, Ratssitzung am 08.06.2011:
http://www.kleve.de/www/sitzungsdienst.nsf/HTML/A34D0BEF25218601C125789C00535A55/$FILE/interkommunale%20Schulentwicklung.pdf

Hierzu nur mal ein paar wenige Anmerkungen:
1) Im gesamten Papier ist nicht einmal das Wort Gesamtschule genannt – was nur ein weiteres, deutliches Zeichen sein kann, dass diese definitiv, gemäß der Fürsten Vorgabe, nicht in Betracht kommt. Es geht ausschliesslich um „Gemeinschaftsschulen“.
2) Welche, inhaltliche, Art von „Gemeinschaftsschule“ das sein soll, ist auch klar und aus Punkt 4) ersichtlich: „Sekundarstufe 1...“ – d.h. ohne Oberstufe...(Ist zwar nicht gesetzeskonform – aber was heißt das schon in Kleve, was gelten hier schon für Gesetzte?)...Das am 16.05.2011 von Dr. Garbe vorgestellte Konzept schloss eine eigene Oberstufe für Gemeinschaftsschulen aus, Wechsel zum Gymnasium geht nicht – also alles beim alten...
3) Es bleibt, nach den Richtlinien für eine Gemeinschaftsschule, den Schulen ab Schuljahr 7 selbst überlassen, wie sie ihre Schule ausrichten – da in Kleve es nur 3-4 Leute geben darf, die wissen dürfen was Schulen wollen ist dies auch klar...
4) Somit ist zu befürchten, dass die „Gemeinschaftsschule á la Kleve“ nur eine formale Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule sein soll, bildungs-und kindgerechte Konzepte weiterhin völlig fehlen...
5) Der angebliche Zwang einer „interkommunale Regelung“ diente als Vorwand eine Gesamtschule in 2011 nicht zu errichten - nun aber heißt es: „Unabhängig davon, ob eine interkommunale Regelung zustande kommt, soll alternativ ein Konzept nur für Kleve erarbeitet werden.! Aha – Gemeinschaftsschule á la Kleve geht dann also auch ohne die gestern noch so zwingende „interkommunale Regelung“?!
6) In 2 Jahren sieht sich die Klever Verwaltung weder in der Lage einen Entscheidungs-Beschluss zur Gesamtschule in den Rat einzubringen, etwas konstruktives in Fragen Gebäude etc. zu erarbeiten – aber von einer auf die nächste Ratssitzung kann und will man umfangreich Grundsätzliches zur Errichtung von der Gemeinschaftsschule á la Kleve erarbeiten?! Im Zeitfenster von 2 Ratssitzungen kann und will man einen tragfähigen Antrag hierzu gestellt haben?! Das wundert doch sehr...

Abgesehen davon, dass mal wieder mit viel Sandwerferei dem Volk etwas verkauft werden soll, was so wohl nicht gemeint sein dürfte ( Sachbezogene Bildungspolitik), stellt sich die Frage ob die Klever Verwaltung entweder so unwissend oder so berechnend ist, dass dieser „große Wurf“ eher Schaumschlägerei sein dürfte: In ganz NRW ist mit ca. 50 Gemeinschaftsschulen ( dann aber echte) für das Schuljahr 2012/2013 geplant. Bereits heute gibt es dafür ca. 100 Anfragen und interessierte Kommunen. 6 (auch im Südkreis gibt es diesbezügliche Diskussionen und Vorschläge) davon dann im Kreis Kleve...? Das wird nicht klappen! Und das müsste auch eine Klever Verwaltung wissen – so kann man aber beruhigt, wie bisher, weiter machen und sich auf höhere Gewalt, Landespolitik berufen...
Sollte eine Gesamtschule von der Bezirksregierung angewiesen werden, darf man gespannt sein ob der Klever Fürst aller Fürsten seine Drohung wahr macht und dagegen vor dem Verwaltungsgericht klagt. Kommt sie aber – dann findet die Waschung des Pontius Pilatus statt, wenn Bedburg-Hau und Kranenburg mit ihren Schulstandorten den Bach herunter gehen...

Am Ende ist es so, wie es da gewisse Herren seit 2 Jahren lenken ohne Verantwortung zu tragen: Nichts wird sich unter’m Strich verbessern. Selbst wenn eine Gesamtschule, dann erzwungener maßen, kommt – ihre Errichtung wird verbunden werden mit Schaden für Bedburg-Hau und Kranenburg, weiße Hemdchen werden in fürstliche Wäschereine gestärkt. An langfristiger und erfolgreicher kommunaler Schulplanung ist man, zumindest in Kleve, scheinbar nicht interessiert. Hier herrscht Unwillen ( CDU) über Klientel-Verrat ( Grüne) bis hin zu Unfähigkeit (SPD und FDP, die sich vorführen lassen) – somit haken wir das ab und tigern zur Hochschule um und die große, heile Klever Bildungswelt vorgaukeln zu lassen...

Kleines Schmankerl noch am Rande: Die Gesamtschulinitiative hat man offenbar auch „geschafft“ – erst durch Ignoranz, dann durch Missachtung. Während man in 2009 und 2010 diese mied wie der Teufel das Weihwasser, war in 2011 Veralberung bis zum im Sande verlaufen angesagt:
- Am 17. Februar 11 erklärte die Verwaltung noch etwas von „offenen Dialogen“ und „Prozessbeteiligten“ – wozu aber weder Eltern noch Initiative de facto zählten und vor mehr oder weniger festgezurrten Fürstenerlassen gestellt werden...
- Am 12.05.11 schrieb die Klever Verwaltung: „Zeitnah nach dem Schulauschuss wird der Vorstand der Elterninitiative zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen.“ – wo man dann wiederum mit den Erlassen und Ergebnissen konfrontiert werden oder aber abschwören dürfte; denn wann „zeitnah“ erreicht ist, unterliegt wohl mal wieder der Definition von einigen wenigen und erst recht nach unabänderlichen Wegbegehungen...

Autor:

Jens-Uwe Habedank aus Kleve

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