Sparkasse schließt Filialen - Neue Strukturen in der Kundenberatung / besonders Dörfer sind betroffen

Die Sparkasse Rhein-Maas muss auf die veränderte Nachfrage reagieren. Das erläuterten (von links): Rudi van Zoggel, Gregor Reinen und Ludger Braam vom Vorstand der Sparkasse Rhein-Maas. Foto: Peters
  • Die Sparkasse Rhein-Maas muss auf die veränderte Nachfrage reagieren. Das erläuterten (von links): Rudi van Zoggel, Gregor Reinen und Ludger Braam vom Vorstand der Sparkasse Rhein-Maas. Foto: Peters
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Im Schnitt geht jeder Kunde nur ein bis zwei Mal pro Jahr in eine Sparkassen-Filiale. Denn der Trend geht auch im Bankgeschäft auf die Online-Ebene. Immer mehr Kunden nutzen das Online-Banking. Auf diesen Trend reagiert nun die Sparkasse Rhein-Maas. Mit einschneidenden Änderungen für Privatkunden und Filialschließungen. Besonders die Dörfer sind betroffen.

Kleve. Es ist gar nicht so lange her, da ging es der Geschäftsstelle der Sparkasse in Rindern an den Kragen. Denn am 31. März 2016 schloß die Filiale vor Ort. Damit reagierte man bereits auf das veränderte Kundenverhalten. Die Zweigstelle in Rindern rechnete sich einfach nicht. Schon damals war der Ruf laut, vor Ort wenigstens einen Geldautomaten an alter Stelle zu belassen. Doch beim Hagebaumarkt -nur zwei Kilometer entfernt- war bereits ein Geldautomat installiert. "Einen weiteren an die alte Stelle zu setzen, wäre einfach unwirtschaftlich gewesen", so Rudi van Zoggel, Vorstandsvorsitzender.
Nun müssen die Privatkunden mit weiteren Einschnitten rechnen. Denn ab 2018 werden unter anderem die SB-Stellen Bedburg-Hau (Baumannshof), Kalkar (Wissel), Kleve (Lindenallee) und Kranenburg (Nütterden) aufgegeben- und damit ist nur das Klever Gebiet beschrieben.

SB-Stelle in Wissel entfällt unter anderem

Das bedeutet vor allem für Sparkassen-Kunden aus Wissel eine weitere Anreise. Zwar kann man dank neuer Verfahren auch an Supermarktkassen Geld vom Konto abheben (manche Supermärkte akzeptieren sogar inzwischen Kreditkarten)- das geht aber nur in Verbindung eines Einkaufes -meist ab 25 Euro Einkaufswert. Jetzt fragt sich der geneigte Leser zu recht, wo man denn in Wissel einkaufen kann. Genau. Nächste Möglichkeit: Kalkar.

Auch Griether sind davon betroffen

Auch die Griether sind von der Auflösung der SB-Station in Wissel deutlich betroffen. Denn in dem kleinen Örtchen fehlt es nicht nur seit geraumer Zeit an einem Geldautomaten. Auch zum Einkaufen sieht es mau aus. So nutzten die Griether ebenfalls die nächstgelegene SB-Stelle in Wissel. Fortan ist eine Umstellung nötig.
"Wir sind uns durchaus bewusst, wie emotional das Thema sicher aufgenommen wird", so van Zoggel. "Auch von der älteren Bevölkerung. Aber wir sind eben auch ein Unternehmen, was an der Wirtschaftlichkeit gemessen wird. Da sind manche Dinge einfach nicht mehr zeitgemäß." 

Dennoch nachvollziehbare Maßnahmen

Es sind nachvollziehbare Maßnahmen. Denn immer mehr bewegt sich im Onlinebereich. Doch trotzdem gibt Gregor Reinen, ebenfalls vom Vorstand zu: "Man kann sich das erstmal nicht vorstellen. Eine Sparkassenstelle war vor einigen Jahren in jedem Dorf zu finden. Fast wie ein Kirchturm."
Durch das geänderte Kundenverhalten, müsse man zeitnah reagieren. Kommen Kunden im Schnitt nur noch zweimal im Jahr in eine Filiale, rechne sich das einfach nicht. Denn laut Vorschriften -auch was die Sicherheit angeht- müsse viel mehr Personal vor Ort sein, als eigentlich für das veränderte Bankverhalten der Kunden von Nöten wäre. "Hier entstehen Kosten, die man nicht mehr rechtfertigen kann", so van Zoggel.
Kommt es zur Aufgabe bestehender Standorte, dann sei das nächste Betreuungscenter oder SB-Center in spätestens zehn Minuten erreichbar.
Positiv: betroffene Mitarbeiter werden nicht gekündigt, sondern weiter in der Kundenberatung eingesetzt.

Kündigungen sind nicht vorgesehen / Mitarbeiter werden in Kundenberatung eingesetzt

Die geplanten Umstrukturierungen erfolgen ab 2018. Der Service soll deutlich verbessert werden und die Privatkunden sollen sich keine Sorgen machen. Aus drei Säulen bestehe fortan der Privatkundenvertrieb. Das sind das besonders beliebte Onlinebanking, eigene Kundenservicecenter und die altbewährten Geschäftsstellen.
Mit der Zeit geht die Sparkasse dennoch. Denn die Sparkassen-App sei die meistgenutzte App für Zahlungsverkehr in Deutschland. Inzwischen muss man dabei auch nichts mehr über die Telefontastatur eingeben. Einfach ein Foto schießen und zack sind die Daten dank App schon ausgefüllt. Lediglich PIN / TAN müssen noch händisch eingegeben werden. Reinen betont: "Kennen Sie die App Kwitt? Hier kann man von Handy zu Handy überweisen. Bei Beträgen unter 30 Euro sogar ohne TAN."

Verlängerte Öffnungszeiten

Neben dem Online-Banking Trend wurden immer wieder Rufe nach verlängerter Öffnungszeit laut. Auch darauf reagiert man nun. In den Beratungscentern bieten mehr Berater eine umfassende Beratung in Wertpapieren, Geldanlage oder Finanzierung an- und das montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr. Dabei können sich die Kunden entscheiden, ob sie lieber eine Beratung vor Ort vorziehen, oder zu Hause beraten werden wollen. Dazu gehöre auch, dass alles transparenter werde. Reinen erklärt: "Jeder Kunde, sollte seinen Berater kennen. Das streben wir bis zum Ende des Jahres an." Langes Durchfragen oder Hängen in Warteschleifen am Telefon, gehören damit der Vergangenheit an.
Telefonisch soll nun auch viel mehr möglich sein. Das beinhaltet unkomplizierte Überweisungen am Telefon, Einrichtung von Daueraufträgen und vieles mehr. Selbst eine Online-Beratung am PC-Bildschirm ist in Planung.

Geldbringservice

Fest integriert wird der "Geldbringservice". Besonders interessant ist das für ländliche Gegenden oder für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Einmal in der Woche kommt ein Sparkassenmitarbeiter vorbei und bringt Bargeld im Wert von 300 bis 1.000 Euro in die Haushalte, die davon Gebrauch machen wollen. Kostenpunkt: fünf Euro.
Ob das die SB-Stellen ersetzen kann, bleibt dahingestellt.
Positiv sind aber die verlängerten Öffnungszeiten. Die Servicezeiten sind montags bis freitags von 9.30 bis 12 Uhr; montags, dienstags, freitags von 14.30 bis 16.30 Uhr; sowie donnerstags von 14.30 bis 18 Uhr. Mittwochsnachmittags ist jedoch zu.
Beratungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr. Im Kundenservicecenter stehen den Kunden qualifizierte Berater zur Verfügung von montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr. Erreichbar sind sie unter der Rufnummer: 02821/7110-0. Unter dieser Nummer können die Kunden alles zur Kontoführung, zum Zahlungsverkehr, usw. klären oder Termine vereinbaren.
Übrigens: weitaus schmerzlicher sind andere Bereiche dran. Die Geschäftsstellen Elten und Emmerich (Kaßstraße) sowie Haldern werden zu SB-Centern umgewandelt.
Die Geschäftsstellen Herongen, Millingen, Vrasselt, Speelberg werden mit den Betreuungscentern Straelen, bzw. Rees bzw. Emmerich (Agnetenstraße) zusammengelegt.
Auch in Emmerich (Hüthum), Rees (Haffen-Mehr) und Rees (bei Rewe) werden die SB-Stellen aufgegeben.

Aufgrund technischer Verschmelzung kommt es am Wochenende zu massiven Ausfällen

Achtung: Zum 29. August 2016 erfolgte die rechtliche Verschmelzung der Sparkassen Emmerich-Rees, Kleve und Straelen zur Sparkasse Rhein-Maas. Nun, rund 14 Monate später, erfolgt von Freitag, 20. Oktober, 18 Uhr bis einschließlich Sonntag, 22. Oktober die technische Zusammenführung der bisher getrennten EDV-Systeme. Das führt dazu, dass es immer wieder zu Ausfällen an Geldautomaten kommen kann. Teilweise könne überhaupt kein Geld abgehoben werden. Wer Bargeld benötigt, solle sich möglichst an den Tagen zuvor damit eindecken! Auch jegliche Sparkassen-Bankkarten könnten von der Umstellung betroffen sein und am Wochenende nicht funktionieren. Die Sparkasse Rhein-Maas bittet das zu beachten! Das Online-Banking steht am gesamten Wochenende leider nicht zur Verfügung.

Autor:

Silvia Decker aus Emmerich am Rhein

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