Paul Glasers Tante Roosje war die Tänzerin von Auschwitz: „Diese Geschichte musste erzählt werden!“

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Tante Roosje hatte Klever Wurzeln. Heute Abend um 19 Uhr folgt noch eine weitere Lesung im Klever Kolpinghaus.

Und Paul Glaser hat sie prima rübergebracht, die Geschichte seiner Tante. Und er schließt mit der Aufforderung, sie doch gerne weiterzuerzählen.

Er unterteilt seine Lesung, oder besser gesagt, Erzählung, in der heute Mittag gut gefüllten Klever Stadthalle in das Leben seiner Tante und in „das Familiengeheimnis“. Und sind Familiengeheimnisse nicht dazu da, gewahrt zu werden? Dieser Auffassung ist jedefalls Paul Glasers Vater. Er möchte nicht, dass die Geschichte publik wird, er möchte gar nichts über seine Wurzeln und über den Krieg erzählen. Doch Herr Glaser fällt, nachdem er seine nach Schweden emigrierte Tante endlich kennengelernt hat, eine andere Entscheidung.

Tanzen als Therapie

Schon immer hat Roosje gerne getanzt. Das ist die Konstante in ihrem Leben. Mit den Herren der Schöpfung hat sie hingegen weniger Glück. Der Flugzeugabsturz ihrer großen Liebe Anfang 20, der Verrat an die Nazis durch ihren Ehemann und einen Geliebten. Sie ist eine starke Frau. Sie findet sich nicht mit den Einschränkungen ab, die den Juden Anfang der 1940-er auferlegt werden. Sie fälscht ihren Pass, führt erfolgreich eine große Tanzschule und schlägt den Soldaten im Straßencafé ein Schnippchen.

Doch schließlich kommt auch sie in die Konzentrationslager, erst ins niederländische Westerbork, dann über Herzogenbusch nach Auschwitz. In die Mengele-Abteilung. Über das Leben in den KZ's, so hat Paul Glaser entschieden, erzählt er nichts. Stattdessen laufen die Stationen des Grauens als Stichpunkte über eine Leinwand. Die Leinwand, wo auch immer wieder Filmsequenzen aus Roosjes Leben gezeigt werden. Wir sehen eine Frau, die sich nicht brechen lässt. Die trotz allem ihren Lebensmut nicht verliert. Die dank ihres und durch ihren Tanz diese Jahre überlebt hat.

Sie will leben

Herr Glaser berührt mit seiner humorvollen Erzählweise in deutsch-holländischer Sprache Alt und Jung in der Stadthalle. Neben zahlreichen Schülergruppen sind auch ältere Menschen gekommen, Menschen, die Kind waren, als Krieg war. Die oftmals zustimmend nicken, betroffen sind, sich aber auch von Tante Roosjes Optimismus einfangen lassen. Gerade von ihrem Optimismus, „was für eine Frau“, höre ich von verschiedenen Seiten. Ein Dankeschön an den Klevischen Verein für Kultur und Geschichte, der diese Veranstaltungen organisiert.

Buch: „Die Tänerin von Auschwitz“ von Paul Glaser, Aufbau-Verlag, € 19,95

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