Vier Fragen an .... heute: Elisabeth Schell, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve

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Elisabeth Schell, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve (Foto: Foto zu Veröffentlichung erhalten von Frau Schell)
Kleve: Evangelische Kirche | Die Sorgen vieler Menschen in heutiger Zeit wachsen, Menschen haben Zukunftsängste, Existenzängste, sorgen sich um die Umwelt, um den Frieden und um andere wichtige Dinge. Viele Menschen finden Hilfe im Glauben. Ich wollte eine Pfarrerin fragen, wie sie diese Dinge sieht. Frau Elisabeth Schell war gerne bereit, in der Serie "Vier Fragen an ...." mitzuwirken.


1. Eine Persönlichkeit wie Jesus Christus kann in einer Zeit großer Ungerechtigkeiten eine große Hilfe sein, wieder zu Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Achtsamkeit zurück zu finden. Sehen Sie dieses auch so?

Ja. Wenn Jesus mit seinen Worten und Taten mehr und mehr Menschen berührt und be"geist"ert, wird das helfen zu einem mitmenschlicheren Zusammenleben. Zu bedenken ist allerdings: Nach dem Reich-Gottes-Programm Jesu zu leben, macht Menschen auch verletzlich, kann persönliche Nachteile bringen, lässt manchmal den unteren Weg gehen, ist oft nicht cool und attraktiv. Jesus selbst ist am Kreuz gelandet. Weil sein Ende aber doch nicht das Ende war, sondern der Anfang neuen, nicht mehr tot zu kriegenden Lebens, will ich mich selbst an ihn halten und auch andere dazu einladen.


2. Immer mehr Menschen können von ihrem Einkommen bzw. ihrer Rente nicht mehr würdig leben. Wo sehen Sie dort dringenden Handlungsbedarf der Gesellschaft und der Politik?

Es braucht Maßnahmen gegen Arbeitsplätze mit Dumpinglöhnen und zugleich gegen Arbeitsplätze mit unverschämt hohen Gehältern. Es braucht viel mehr bezahlbaren Wohnraum! Ich bin Befürworterin des Instruments "Bedingungsloses Grundeinkommen". Mindestens sollte es - gut ausgestaltet - bei uns ausprobiert werden.


3. Jesus selbst war tolerant und mitfühlend gegenüber allen Menschen. Wie würde er sich heute zur Problematik vieler Flüchtlinge äußern und positionieren?

Er würde jeden Fremden zunächst als Menschen sehen, und sie wären für ihn nicht besser oder schlechter als seine jüdischen Schwestern und Brüder. Da er selbst mittellos und ein "Unterwegs-Mensch" war, würde er sich Geflüchteten vermutlich nahe fühlen. Die ganze Bibel ist voll von Fluchterfahrungen, von Gottes Parteinahme für "die Fremdlinge" und dem Gebot sie so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Die Position von Jesus wäre wohl: Rückt zusammen, gebt Überfluss ab, nehmt Geflüchtete großzügig auf und macht die Erde insgesamt zu einem bewohnbareren Ort. 


4. Sehen Sie in absehbarer Zukunft eine weitere Annäherung der beiden großen Amtskirchen in Deutschland?

Das schwindende Geld in unseren beiden Kirchen könnte uns "zu unserem Glück zwingen", wenn wir uns nämlich auf längere Sicht unsere Doppelstrukturen nicht mehr leisten können. Vielleicht beginnt es damit, dass wir uns die Räume teilen, die Kirchen und Gemeindezentren. Das gemeinsame Beten, Feiern, Leben, sowie das gemeinsame "Personal"  hilft uns dann zu überwinden, was uns noch trennt.


Ganz herzlich bedanke ich mich bei Frau Schell für diese offenen und aufklärenden Worte. Auch im Namen vieler Leserinnen und Leser wünsche ich ihr viel Kraft für die Bewältigung ihrer so wichtigen Aufgaben und optimale Gesundheit.
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4 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.02.2018 | 21:42  
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 10.02.2018 | 08:00  
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Willi Heuvens aus Kalkar | 10.02.2018 | 08:26  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 10.02.2018 | 12:31  
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