Kiesabbau Reeser Welle: EDEN e.V. und Zukunft Esserden an das Bistum Münster

Bistum Münster Fachstelle Umweltschutz
Sehr geehrte Damen und Herren,
am Freitag, den 28. Juni 2019 berichtete die Rheinische Post im Emmerich/Reeser Lokalteil unter der Überschrift „Weihbischof lobt ´Fridays for Future´“ über den Besuch von Weihbischof Rolf Lohmann, der auf Haus Aspel über Umweltschutz, Klimaschutz und in diesem Zusammenhang auch über Glaubwürdigkeit sprach (Artikel liegt in Kopie bei). Weihbischof Lohmann ist immerhin in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Umwelt und Ökologie.
Diesen Bericht nehmen wir als Bürgerinitiativen EDEN (Erhaltet Den Einzigartigen Niederrhein) und Zukunft Esserden zum Anlass, unser Befremden über das Verhalten des Kirchenvorstandes St. Irmgardis Rees auf eine schriftliche Anfrage mitzuteilen. (Anfrage s. unten) EDEN e.V. und Zukunft Esserden setzen sich hier am Niederrhein und insbesondere in Rees mit sehr viel Energie und Aufwand vor dem Hintergrund der sich immer mehr ausbreitenden und Kiesabgrabungen, welche zu einem großen Teil nur dem profitablen Exportgeschäft dienen, für die Bewahrung der Schöpfung ein.
Die Kernfrage in dem o.g. Schreiben von EDEN u. Zukunft Esserden an den Kirchenvorstand ist, wie dieser sich bezüglich kircheneigener Grundstücke in dem beantragten Abgrabungsgebiet „Reeser Welle“ bei einem möglichen Rücktrittsrecht vom Verkaufsvertrag, sofern dieses vorhanden ist, verhalten wird.
Die Anfrage ist bereits mit Datum vom 2.6.2019 gestellt worden. Bisher erfolgte keine Antwort!
Für uns stellt sich die Frage, wie steht das Bistum zu diesem Thema, und werden wir überhaupt eine schriftliche Antwort auf unsere schriftliche Anfrage bekommen? Hätte die Kirche hier nicht die Chance, durch Ihren Worten entsprechendem Handeln an Glaubwürdigkeit zu gewinnen?
Eine Verkaufsabsicht von kirchlichen Grundstücken für kurzzeitigen finanziellen Vorteil mit der Folge der unumkehrbaren ewigen Vernichtung dieser wertvollen Ackerböden, der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze, sowie dieser wunderbaren niederrheinischen Natur, sehen wir, wie in dem Brief vom 2.6.2019 beschrieben, als nicht vereinbar mit den höheren ethischen Werten und Ansprüchen an Wahrhaftigkeit der Kirche, die in Fürbitten und Kanzelworten nicht nur in der Gemeinde St. Irmgardis für den Erhalt der Schöpfung gesprochen werden.
Vielmehr bietet sich für die Kirche gerade hier die große Chance in weiten Teilen der Bevölkerung durch entsprechendes aktives Handeln für die Schöpfung Anerkennung zu erlangen und verlorene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.
Das oben zitierte Schreiben an den Kirchenvorstand legen wir in Kopie zu ihrer Information bei.
Da das Thema Kiesabgrabungen hier am Niederrhein und gerade hier in Rees von immer mehr Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten immer kritischer beurteilt wird und dadurch im öffentlichen Interesse steht, geben wir dieses Schreiben an die Presse weiter.
Heinz van Laak, Iris Jagoda, Dr. Leo Rehm, Melanie Gronau

Anfrage vom 2.6.2019
Sehr geehrter Herr ……,
wie ihnen sicherlich bekannt ist, beabsichtigen die Abgrabungsunternehmen Hülskens und Holemans gemeinsam eine ca. 78 ha große Fläche in der „Reeser Welle“ in Rees abzugraben. Dies ist der Anlass ihnen hierzu diese Anfrage zu stellen.
Gestatten Sie uns vorweg zu ihrer Information ein paar Anmerkungen zu der Bürgerinitiative EDEN e. V. Rees und Zukunft Esserden: Nachdem immer mehr Menschen in der Vergangenheit die stetig wachsenden immensen Ausmaße der Kiesabgrabungen mit deren vernichtenden Auswirkungen gerade in der Region zwischen Wesel und Rees bewusst wurden, gründeten 2004 in Rees Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen die Bürgerinitiative EDEN e.V. . Der Name ist eine Wortschöpfung aus den Anfangsbuchstaben von „Erhaltet den einzigartigen Niederrhein“. Das Kernziel von EDEN ist, einen anderen Umgang mit unserer Heimat zur Bewahrung der Schöpfung zu erreichen.
Die Bürgerinitiative Zukunft Esserden wurde mit gleicher Intention 2018 vor allem von Menschen aus Esserden heraus gegründet mit dem vorrangigem Ziel, Gefahren durch die geplante Abgrabung Reeser Welle von Esserden abzuwehren.
Die Kirchengemeinde St. Irmgardis Rees ist Eigentümerin von einer nicht unerheblichen Anzahl von Grundstücken in dem geplanten Abgrabungsgebiet.
Mit diesem Schreiben bittet EDEN den Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Irmgardis Rees um Auskunft, ob die Kirchengemeinde im geplanten Abgrabungsgebiet Reeser Welle
beabsichtigt die folgenden kircheneigenen Grundstücke komplett oder teilweise an die Abgrabungsunternehmen Hülskens und/oder Holemans zu verkaufen oder aber ihr Einverständnis zur Inanspruchnahme (mit Folge der Abgrabung) abgeben wird, oder bereits abgegeben hat:

Gemarkung 3384 Flur 6 Flurstücke █, █, ██, ██, ██,██ , ██
Flur 7 Flurstück █ aufgrund Datenschutz geschwärzt

Hierbei dürfte es sich von der Gesamtflächenzahl um etwas mehr als 1/6 der beantragten Abgrabungsfläche im Besitz der Kirchengemeinde St. Irmgardis mit allerbesten Ackerböden handeln.
Zudem liegen diese Grundstücke so verteilt, dass ein Nichtverkauf definitiv den jetzigen Antrag, möglicherweise auch das Abgrabungsvorhaben im Ganzen, an sich nichtig machen würde.

Falls dies bisher nicht erfolgt ist, bitten wir um Auskunft, ob Sie obiges zukünftig planen, oder aber die Grundstücke zukünftig nicht zur Verfügung/ Verkauf stellen werden.

Dem Vernehmen nach soll bei in vergangenen Jahren geschlossenen Übergabeverträgen nach Ablauf einer festgelegten Jahresfrist, ohne das in dieser Zeit eine Planfeststellung erfolgt ist, die Möglichkeit gegeben sein, von dem Vertrag zurückzutreten. Die Frage ist, wenn solche Verträge möglicherweise auch zwischen Kirche und Kiesunternehmen geschlossen wurden, ob sie dann ihrerseits beabsichtigen von der Rücktrittsmöglichkeit Gebrauch zu machen.

Von der Kirche werden allgemein höhere Anforderungen bzgl. Ethik und Wahrhaftigkeit erwartet.
Dabei ist uns bewusst, dass natürlich auch die Kirche wirtschaften muss.
Dieses Wirtschaften muss aber auch den höheren ethischen Werten wie z. B. der Bewahrung der Schöpfung und der Wahrhaftigkeit untergeordnet sein, und das gemäß der selbstverpflichtenden Einigung aller christlichen Kirchen auf der Vollversammlung des Weltkirchenrates in Vancouver 1983 auf einen „konziliaren Prozess gegenseitiger Verpflichtung auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“!
Die katholische Kirche verkündet diese von ihr eingegangene Verpflichtung regelmäßig in ihren Gottesdiensten. Eine Verkaufsabsicht von kirchlichen Grundstücken mit der Folge der unumkehrbaren Vernichtung dieser wertvollen Ackerböden, sowie dieser wunderbaren niederrheinischen Natur, sehen wir als nicht vereinbar mit Fürbitten und Kanzelworten, die in der Gemeinde St. Irmgardis für den Erhalt der Schöpfung gesprochen werden.

Viele Menschen hier in der Region engagieren sich unter Einsatz von außergewöhnlich viel Zeit, Energie und auch Geld für die Bewahrung der Schöpfung. Für diese Menschen, aber insbesondere für die Glaubwürdigkeit der Kirche im allgemeinen, wäre es ein Schlag ins Gesicht, wenn für einen doch nur relativ kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteil durch das Mitmachen gerade der Kirche die unumkehrbare Beseitigung und Vernichtung dieser

wunderbaren Schöpfung mit ihren vielfältigen Funktionen und den durch das Ausbaggern einhergehenden Gefahren weiter vorangetrieben würde.

Wir bitte um eine kurzfristige Beantwortung unserer Anfrage, welche Position die Katholische Kirchengemeinde St. Irmgardis Rees in dieser Sache einnimmt.

Zusätzlich merken wir an, dass das Kirchenvorstandsmitglied Herr Peter Ditges als Prokurist und Mitverantwortlicher für Grundstücksankäufe bei der Abgrabungsfirma Holemans sich in einem enormen Interessenkonflikt befindet, wenn es für die Kirchengemeinde um Grundstücksangelegenheiten geht.

Da diese Zusammenhänge für viele Menschen von besonderem Interesse sind, werden wir diesen Brief zur Veröffentlichung an die Presse weiterleiten.

Mit freundlichen Grüßen
für EDEN e. V. Rees und Zukunft Esserden
https://www.eden-niederrhein.de

Autor:

Günter van Meegen aus Bedburg-Hau

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