Langenfeld: Wappnen für den nächsten Starkregen - Stadt will sich und Hausbesitzer besser vor Überschwemmungen schützen

Zu den ersten Maßnahmen nach den Starkregen-Ereignissen im Juni gehörte die Anschaffung von 5.000 Sandsäcken, von denen der Großteil in einem Gebäude des Betriebshofes eingelagert ist. Links der stellvertretende Leiter des städtischen Betriebshofes, Patrick Sahm, rechts Ingo Reiners, Betriebsmeister Kanal bei der Stadt Langenfeld. | Foto: Andreas Voss / Stadt Langenfeld
  • Zu den ersten Maßnahmen nach den Starkregen-Ereignissen im Juni gehörte die Anschaffung von 5.000 Sandsäcken, von denen der Großteil in einem Gebäude des Betriebshofes eingelagert ist. Links der stellvertretende Leiter des städtischen Betriebshofes, Patrick Sahm, rechts Ingo Reiners, Betriebsmeister Kanal bei der Stadt Langenfeld.
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Den 10. Juni werden die Bewohner von Gladbach und Kaiserbusch so schnell nicht vergessen, und auch in einigen anderen Ortsteilen kam es damals durch Starkregen zu erheblichen Überschwemmungen. In der Stadtverwaltung ist man seit diesem „Jahrhundert-Ereignis“ dabei, sich zu wappnen für mögliche weitere ähnliche Ereignisse. Der aktuelle Stand: Eine Arbeitsgruppe berät die Bürger und plant Info-Veranstaltungen, alle Kanäle und alle Bebauungspläne werden überprüft.

"Man muss handeln"

Bürgermeister Frank Schneider hatte zusammen mit dem Chef der Stadtplanung, Ulrich Beul, und dem Tiefbauamts-Leiter Franz Frank zur einem Pressegespräch geladen, bei dem die Details der bisherigen Maßnahmen vorgestellt wurden. Im Rathaus sind sich die Veramntwortlichen einig, dass man handeln muss, bevor der nächste Starkregen kommt. In jener Juni-Nacht war die Feuerwehr mit mehr als 200 Einsätzen im gesamten Stadtgebiet beschäftigt, zum Teil mit materieller und menschlicher Unterstützung aus den Nachbarstädten. Damals fielen 100 Liter Regen pro Stunde; bei der halben Menge spricht man schon von Starkregen.

Dort, wo Bäche zusammentreffen

Die Lage am Kaiserbusch beispielsweise war so katastorphal, weil hier der Gladbach und der Immigrather Bach zusammentreffen und zusätzlich weitere Wassermassen von den angrenzenden Autobahnen abflossen. In diesem Bereich könnnten vielleicht Überflutungsflächen helfen, doch das sind Eingriffe in die Natur und die Landschaft, die mit übergeordneten Behörden abgestimmt sein müssen, so Beul.

120 Tonnen Sperrmüll 

„Wir werden ein solches Wetterereignis niemals in den Griff kriegen, aber wir müssen im Vorfeld schon alles tun, um die Schäden möglichst gering zu halten“, so Frank Schneider. Damals habe die Stadt den betroffenen Bürgern die kostenlose Abholung des Sperrmülls angeboten: 120 Tonnen kamen zusammen.

Aufwand von etwa 100 Millionen Euro

Das ist allerdings nuir eine Randnotiz. Entscheidender ist die Arbeitsgruppe aus verschiedenen Fachbereichen der Verwaltung, die wiederum mit anderen, übergeordneten Stellen zusammenarbeitet. Eine Hotline wurde eingerichtet, in der sich Bürger schon rund 100 mal beraten ließen. Auch Beratungen vor Ort fanden statt. Ein Flyer mit allen möglichen vorbeugenden Maßnahmen wurde erstellt und ist im Rathaus erhältlich und ein Abwasserbeseitungskonzept wurde beschlosssen, das mit einem Aufwand von etwa 100 Millionen Euro umgesetzt werden soll.

Brennpunkte unter die Lupe

Als weitere Direktmaßnahme, so Ulrich Beul, seien die Brennpunkte unter die Lupe genommen worden. Die Abflussverhältnisse in der Winkel- und der Marienstraße in Richrah würden überprüft, der Bau eines Regenrückhaltebeckens an der Poststraße wurde auf das nächste Jahr vorgezogen, das Kanalnetz in der Henkelsiedlung (in Richtung Stefanshoven) werde erweitert, im Bereich Winkelsweg / Schneiderstraße solle ein neues Rückhaltebecken entstehen...

Starkregen-Gefahrenkarte am Computer erstellt worden

Zusammen mit dem Rheinisch-Bergischen Wasserverband seien alle Bäche geprüft worden, auch an Engpässen und Durchlässen, mit dem RBW solle auch eine Starkregen-Gefahrenkarte am Computer erstellt werden, anhand derer besondere Gefährdungspunkte erkennbar sein sollen. Mit Straßen NRW führe man Gespräche über die Unterführung in Immigrath, die (wieder einmal) voll gelaufen sei. Laut Straßen NRW seien alle Pumpen geprüft und in Ordnung befunden worden. Diese Antwort befriedigt den Bürgermeister in keiner Weise. Vielleicht seien es zu wenige oder zu schwache Pumpen? „Es geht nicht, dass eine unserer Hauptdurchgangsstraßen und noch dazu ein Autobahnzubringer wegen Überflutung gesperrt werden muss“, so Schneider. Eine weitere Maßnahme sei die Überprüfung der Entwässerung an der Bahntrasse.

Verbesserte Ausrüstung

Ein Nebeneffekt der katastrophalen Regenfälle ist eine verbesserte Ausrüstung der Feuerwehr: Weitere Pumpen werden in Mannschaftsfahrzeugen untergebracht, zwei weitere Rollwagen mit riesenlangen Schläuchen werden angeschafft, und 5000 gefüllte Sandsäcke lagern schon im Betriebshof.

Starkregen auf großen Grundstücken versickern lassen

Ein weiterer Schritt, mit dem sich nun die Politik befassen muss, ist die Frage, ob man das Regenwasser auf einem Privatgrundstück versickern lassen kann. In Langenfeld werden Regen- und Schmutzwasser in getrennten Kanälen abgeleitet, das wäre also technisch möglich. Wie groß aber ein Grundstück sein muss, damit Starkregen darauf versickern kann, was entsprechende bauliche Änderungen kosten, was auf Mehrfamiliengrundstücken geschehen muss und wie sich das alles rechnet, sind aber noch große Fragezeichen.

Beschäftigung mit neuen und auch alten Bebauungsplänen

Ein weiteres Thema für die Kommunalpolitiker wird auch die Beschäftigung mit neuen und auch alten Bebauungsplänen sein. Hier sind eventuell andere Regeln für die Vermeidung oder zumindest Verringerung von Hochwasserschäden aufzustellen. Das gilt auch für schon bebaute Gebiete, in denen vielleicht nun Omas Häuschen durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt werden soll.

Info-Veranstaltung für Bürger

Über diese und weitere Themen wollen die Fachleute im Rathaus die Bürger in stark betroffenen Gebieten ausführlich in Versammlungen informieren. Der Wochen-Anzeiger wird darüber berichten. Wer schon jetzt Fragen hat, kann sich an das Referat Umwelt, Verkehr, Tiefbau im Rathaus wenden, Tel. 794-5301.

Elfie Steckel 

Autor:

Lokalkompass Langenfeld aus Langenfeld (Rheinland)

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