Aktionstage "Essen in Mehrweg"
Essen zum Mitnehmen ohne Müll: So lief der Mehrweg-Test in Langenfeld

Umweltberatung der Verbraucherzentrale und Testpersonen ziehen positive Bilanz

  • 10 Langenfelder:innen haben zwei Wochen lang ausprobiert, wie es mit Take-away aus eigenen Mehrweggefäßen klappt.
  • Hintergrund: Abfallaufkommen durch Boxen, Schalen, Pizzakartons und Co. steigt seit Jahren enorm an.
  • Ergebnis: Praktischer Ressourcenschutz stößt in Langenfeld auf große Resonanz.

Zwei Wochen lang haben die Teilnehmenden der Aktion „Essen in Mehrweg“ ausprobiert, wie es in Langenfeld funktioniert, Einwegverpackungen zu vermeiden und stattdessen Mehrwegbehältnisse für Take-away-Speisen zu verwenden. Die Umweltberatung der Verbraucherzentrale NRW hatte die Testpersonen wahlweise mit einem Gefäß aus Metall, Glas oder Kunststoff oder einer Pizzabox ausgestattet. Laura Leuders, Umweltberaterin, sowie 10 Tester:innen berichteten jetzt, wie es mit dem praktischen Einsatz am Imbiss, in der Pizzeria oder in einem anderen Betrieb der Außer-Haus-Gastronomie funktionierte.

Umweltbelastung durch Einwegverpackungen

Ob Teller, Boxen, Schalen oder Kartons: Take-away-Gerichte werden bisher überwiegend in Einwegverpackungen abgegeben. „Für deren Herstellung werden riesige Mengen an Rohstoffen wie Erdöl, Pappe oder Aluminium und zudem viel Energie verbraucht, damit die Behältnisse nach nur einmaliger Nutzung im Müll landen. Umwelt und Klima werden unnötig belastet“, erklärte Umweltberaterin Laura Leuders den Hintergrund der Aktion. Zudem fallen durch die To-go-Verpackungen in öffentlichen Mülleimern oder gar in der Natur für die Kommunen etwa 458 Millionen Euro Entsorgungskosten im Jahr an.

Essen in der eigenen Mehrwegbox: 10 Langenfelder:innen ziehen positive Bilanz

Gründe genug, gemeinsam neue Wege zu gehen und auf Mehrweg statt Einweg auch beim Essen zum Mitnehmen zu setzen.
10 Langenfelder:innen unternahmen vom 9. bis 22. Mai 2022 auf Einladung der Verbraucherzentrale den Selbstversuch. Mit den Glas-, Metall- und Kunststoffboxen sowie dem mehrfach verwendbaren „Pizzakarton“ der Umweltberatung testeten sie, wie die Gastronomiebetriebe auf die Mehrwegbehälter reagierten und wie praktikabel das Mitnehmen eigener Gefäße im Alltag ist.

Die Bilanz nach den zwei Wochen fällt positiv aus. „Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so schnell daran gewöhnt, ein eigenes Gefäß mitzunehmen. Ich bin viel mit dem Rad unterwegs und hole mir regelmäßig auswärts Essen zum Mitnehmen, dazu habe ich so gut wie immer meine Fahrradtaschen dabei, in denen ich die Box verstauen kann“, berichtete Tester Stefan Holzknecht. Insgesamt waren alle mit Größe, Material, Haltbarkeit und Reinigungseigenschaften der Mehrwegbehältnisse zufrieden. Verbesserungspotential sehen viele der Teilnehmenden beim Bewusstsein zum Thema Take Away und Müllvermeidung. Sie wünschen sich mehr Anreize, damit die Wahl für das Mehrweggefäß die einfachere Wahl ist. Außerdem kam der Wunsch nach einem Pfandsystem für Mehrweggefäße auf, sodass das Herumtragen der eigenen Box wegfällt.

In fast allen Gastraonomiebetrieben wurden die mitgebrachten Gefäße direkt akzeptiert und befüllt. Nur wenige der Teilnehmenden machten die Erfahrung, dass die eigenen Boxen von den gastronomischen Betrieben skeptisch betrachtet und erst nach einer Diskussion oder manchmal auch gar nicht akzeptiert wurden. Noch sind Gastronomen dazu auch nicht verpflichtet. „Hier zeigt sich, dass nicht nur Verbraucher:innen mitmachen müssen, wenn Mehrweg gelingen soll, sondern dass auch die Mitarbeitenden in den Betrieben entsprechend geschult sein müssen. Der Lebensmittelverband Deutschland beispielsweise stellt Informationen zur Verfügung, wie das Befüllen von Kundengefäßen hygienekonform möglich ist“, so Umweltberaterin Laura Leuders.
Ab dem 1.1.2023 müssen Gastronomiebetriebe, die Essen oder Getränke zum Mitnehmen in Einwegkunststoff anbieten, zusätzlich auch Mehrwegalternativen bereithalten. Allerdings, so die Umweltexpertin, werden durch diese neue gesetzliche Verpflichtung nicht generell Wegwerfbehältnisse verschwinden. „Zwar werden Einweggefäße dann sicher weniger nachgefragt, da größere Gastronomiebetriebe ein Mehrwegsystem anbieten und kleine Betriebe mitgebrachte Gefäße annehmen und befüllen müssen. Aber es gibt kein Einwegverbot, sodass neben bestimmten Einwegkunststoffen auch noch viele Einweg-Verpackungen aus Aluminium, Pappe und anderen Materialien angeboten werden dürfen. Weniger Abfälle haben wir daher nur, wenn sich Mehrweglösungen wirklich breit etablieren.“ Dafür wollte die Umweltberatung in der Aktionswoche „Essen in Mehrweg“ sensibilisieren.

Testerin Brigitte Greiling-Pohl will jedenfalls Mehrweg-Esser bleiben. „Mich hat der Test überzeugt, dass es zwar etwas aufwändiger, aber machbar ist. Beim Einkaufen versuche ich schon Müll zu vermeiden. Das auch beim Essen unterwegs zu tun, ist da der logische nächste Schritt.“ Als kleines Dankeschön fürs Mitmachen durften alle Teilnehmenden die wiederverwendbaren Gefäß übrigens behalten.

Weitere Informationen und Links

Informationen zum Thema „Essen in Mehrweg“ hat die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Website zusammengestellt:
www.verbraucherzentrale.nrw/plastik
Infos zu den bundesweiten Aktionstagen „Essen in Mehrweg gibt‘s online unter: https://esseninmehrweg.de

Autor:

Laura Leuders, Verbraucherzentrale Langenfeld aus Langenfeld (Rheinland)

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