Seit 30 Jahren arbeitet Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa im Caritas Baby Hospital.
„Ein Kinderleben ist immer das Wichtigste“ .

Chefärztin Hiyam Mazouqa im Spielzimmer des Baby Hospitals.

Foto: Meinrad Schade/Kinderhilfe Bethlehem.
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  • Chefärztin Hiyam Mazouqa im Spielzimmer des Baby Hospitals.

    Foto: Meinrad Schade/Kinderhilfe Bethlehem.
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Bethlehem/Monheim/Langenfeld. Das Caritas Baby Hospital Bethlehem ist seit über 60 Jahren das einzige Kinderkrankenhaus im Westjordanland, heute für etwa 300.000 palästinensische Kinder im gesamten Westjordanland.
Bericht von Jürgen Steinbrücker und Carmen Sibbing / Kinderhilfe Bethlehem.
Ein Stall mit einer Krippe ist besonders in Bethlehem Symbol der Geburt Jesu und der Liebe Gottes zu den Menschen. Wie sich diese Liebe mit Leben füllt, ist auch an der Arbeit sichtbar, die für Zahntausende palästinensischer Kinder im Caritas Baby Hospital in Bethlehem geleistet wird. Bethlehem und das Caritas Baby Hospital waren immer Teil der Gruppenreisen, die der frühere Reusrather Pfarrer Werner Köhl bis kurz vor seinem Tod im Jahre 2017 jahrzehntelang für Menschen aus unserer Region organisiert hat. Israel-Reisen ohne einen Besuch in Bethlehem wären für ihn unvollständig gewesen. Die Besucher aus Langenfeld, Monheim, Düsseldorf, Leverkusen, Leichlingen, Dhünn und Ottweiler haben vielfach bis heute Kontakte zum Baby Hospital und lassen ihm ihre Unterstützung weiterhin durch ihre Spenden zukommen. Die aufopferungsvolle Pflege der kleinen Patienten hat bleibende Eindrücke und Erinnerungen hinterlassen.

Von Carmen Sibbing (Kinderhilfe Bethlehem) wurde wie so oft ein weiterer Bericht über das Babyhospital in Bethlehem übermittelt, der hier in Auszügen wiedergegeben wird.

„Ein Kinderleben ist immer das Wichtigste“

Seit 30 Jahren arbeitet Dr. Hiyam Marzouqa im Caritas Baby Hospital. Als Chefärztin trägt sie Verantwortung für die medizinische Ausrichtung des Kinderkrankenhauses in Bethlehem. Für diese oft schwierige Aufgabe findet sie Kraft in ihrer Familie und im Glauben.
Schon als Kind wusste Hiyam Marzouqa, dass sie Kinderärztin werden will. Mit Bestnoten machte sie an der deutschsprachigen Schule in Bethlehem ihren Abschluss und erhielt ein Stipendium für ein Medizinstudium in Würzburg. Bei aller Freude über diese Chance fehlte ihr ihre Familie sehr. Täglich schrieb sie Briefe in die Heimat, auch wenn diese oft wochenlang unterwegs waren.
Großfamilie als Heimat

Bis heute ist die Verbindung zu ihren betagten Eltern und ihren sechs Geschwistern sehr eng. „Die Großfamilie ist meine Heimat, meine Wurzel. Ich kann und will nicht ohne sie sein“, erläutert sie. Ihre eigenen beiden Söhne leben im Ausland. Wie so viele junge, gut ausgebildete Menschen sehen sie kaum eine Lebensperspektive in der Region. Wenn möglich kommen sie an Weihnachten nach Bethlehem und feiern mit der ganzen Familie das Fest der Geburt Christi.

Diese Möglichkeit bot sich Hiyam Marzouqa während ihrer Studienzeit in Würzburg nicht. Am liebsten hätte sie Weihnachten damals aus dem Kalender gestrichen. Bis zum Heiligabend freute sie sich an den pittoresken Weihnachtsmärkten und gönnte sich gelegentlich ein Glas Glühwein. „Aber den 24. Dezember konnte ich fernab der Familie kaum ertragen.“ Noch heute findet sie die Adventszeit in Europa wunderschön – aber nichts geht über Weihnachten in Bethlehem.

Vor genau 30 Jahren schloss Hiyam Marzouqa ihr Studium in Würzburg ab und machte ein Praktikum im Caritas Baby Hospital. Wenn die Kinderärztin auf diese Zeit zurückblickt, wird ihr bewusst, wie sehr sich die medizinische Versorgung in Palästina im Allgemeinen und im Caritas Baby Hospital im Speziellen weiterentwickelt hat. Inzwischen ist das Kinderkrankenhaus einer der ersten Ansprechpartner im Land, wenn es um pädiatrische Medizin geht.

Persönliche Kraftquelle

Fast jeden Tag geht Hiyam Marzouqa vor der Arbeit in die Geburtskirche in Bethlehem und zündet Kerzen an. Spaßend nennt sie dies „Blitz-Psychotherapie“. Dieses Ritual hilft ihr, Kinder mit schwierigen Diagnosen „Gott anzuempfehlen.“ Das Gebet ist ihre persönliche Kraftquelle, der Austausch im Team die professionelle. „In unserem Beruf gibt es sehr schöne Erlebnisse, aber auch schwierige“, weiß sie aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung. Manchmal sterben Kinder trotz aller Bemühungen. Um in diesen bedrückenden Augenblicken weiter machen zu können, ist es wichtig, sich auf die positiven Aspekte der Arbeit im Krankenhaus zu fokussieren, zum Beispiel auf geheilte Patienten. „In den schwierigsten Momenten ist ein Kinderlachen die beste Motivation.“

Caritas Baby Hospital – Oase des Friedens

Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital im Westjordanland von der Kinderhilfe Bethlehem. Das Behandlungskonzept bindet die Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein, und das Krankenhaus verfügt über einen gut ausgebauten Sozialdienst. 2018 wurden 53.000 Kinder und Babys stationär oder ambulant betreut. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig von Herkunft und Religion. Im Fortbildungszentrum des Caritas Baby Hospital werden Kurse für Mitarbeitende und Externe angeboten. Nur dank Spenden kann das Krankenhaus seine Aufgaben erfüllen und Kinderleben retten.
Informationen:
Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband e.V.
Spendenkonto IBAN DE32 6601 0075 0007 9267 55
www.kinderhilfe-bethlehem.de

Autor:

Jürgen Steinbrücker aus Langenfeld (Rheinland)

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