Die unsichtbare Mauer.

von links: Dr. Peter Schmidt, Nicole Dünchheim (1. Vorsitzende), Stefan Brune (stellv. Vorsitzender).
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  • von links: Dr. Peter Schmidt, Nicole Dünchheim (1. Vorsitzende), Stefan Brune (stellv. Vorsitzender).
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Dr. Peter Schmidt berichtete auf dem Neujahrsempfang der Lebenshilfe aus seinem Leben als betroffener Autist.

Kreis Mettmann . Zum Neujahrsempfang der Lebenshilfe e.V. Kreisvereinigung Mettmann konnte die 1. Vorsitzende Nicole Dünchheim neben den Mitgliedern und Freunden der Lebenshilfe, Mitarbeitern und Bewohnern auch wieder zahlreiche Damen und Herren aus dem öffentlichen Leben begrüßen, unter ihnen das „Ehrenmitglied auf Lebenszeit“ und langjährige Vorsitzende Hilde Weidenfeld mit ihrem Ehemann Walter.

Dünchheim bedankte sich bei ihren Vorstandskollegen für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und die Unterstützung des Gastgebers, dem Ärztezentrum des St. Marienkrankenhauses Ratingen, vertreten durch den Geschäftsführer Ralf Hermsen. Der 2. stellv. Ratinger Bürgermeister Rainer Vogt betonte in seinem Grußwort, dass die Lebenshilfe „Menschen mit Behinderungen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte geholt und wo es geht, integriert hat.“

Faszinierend, lebendig, spannend und mit Humor gewürzt berichtete Dr. Peter Schmidt als Gastredner des Neujahrsempfangs und betroffener Autist über sein Leben in der Kindheit, Jugend und im Arbeitsleben. Der studierte und promovierte Geophysiker arbeitete zunächst wissenschaftlich in seinem Beruf und sattelte dann als IT-Consultant um. Schmidt ist verheiratet, hat zwei Kinder und erfuhr seine Diagnose „Asperger Syndrom“ erst 2007 mit 41 Jahren.

„Wer ohne Wege gehen will, muss ohne Wegweiser auskommen“, ist sein Motto seit den jungen Jahren. Sich selbst vergleicht er mit einem Vogel, der beständig gegen etwas Unsichtbares - eine Mauer aus Glas - fliegt. „Schon als Kind war ich nicht einsichtig, dass es Sachen gibt, die ich nicht kann; Schuhe zubinden konnte ich erst in der Schule, im Laufen und Springen war ich spitze, andere Sportarten konnte ich überhaupt nicht.“ Es habe ein halbes Jahr gedauert, bis er wusste, wer zu seiner Klasse gehörte. „Ich war ‚sozial blind‘, so als wenn man zu einem Blinden sagt: Kannst du nicht genauer hingucken.“ Mit solchen Beispielen versuchte Schmidt den Zuhörern klar zu machen, dass Autisten eine andere Wahrnehmung haben. „Ich war in der Schule der Junge, der lange Zeit nur Einsen und Vieren schrieb.“

Autismus äußere sich in einer kommunikativen Andersartigkeit mit Problemen im zwischenmenschlichen Bereich, abweichendem Sozialverhalten und stereotypen Beschäftigungen. Die andere Wahrnehmung zeigte sich auch im Berufsleben. „Mein Chef sagte oft: ‚Sie haben sich einen Bärendienst erwiesen‘, wenn ich den Kunden die Wahrheit erzählt habe, ohne ihn vorher zu fragen, im besten Glauben, das Richtige zu tun.“ Autismus bezeichnet Schmidt als eine unsichtbare Behinderung.

In seinem Buch „Kein Anschluss unter diesen Kollegen – Ein Autist im Job“ schreibt er zur vieldiskutierten Inklusion: „Inklusion bedeutet, jeden einzelnen Menschen so anzunehmen, wie er ist, und Normen so zu erweitern, dass Vielfalt Platz findet. Inklusion heißt dagegen nicht, Menschen so lange umzuformen, bis sie in eine vorhandene Norm passen.“ Schmidt wünscht sich die Berücksichtigung von Individualität, dass Menschen nicht austauschbar werden und für Kinder mehr Lebenspraxis in der Wahrnehmung und im Konfliktmanagement.

Den musikalischen Rahmen bestritt der 16jährige Musikschüler Simon Köhnes mit seiner akustischen Gitarre, der bereits erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen hat.

Autor:

Jürgen Steinbrücker aus Langenfeld (Rheinland)

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