Düsseldorf und Köln am Bieräquator Langenfeld vereint

Das Langenfelder Prinzenpaar, Prinz Wolfgang II. und Prinzessin Beate I., regiert am Bieräquator Langenfeld.  Die Prinzessin kommt gebürtig aus Düsseldorf, der Prinz aus Köln.
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  • Das Langenfelder Prinzenpaar, Prinz Wolfgang II. und Prinzessin Beate I., regiert am Bieräquator Langenfeld. Die Prinzessin kommt gebürtig aus Düsseldorf, der Prinz aus Köln.
  • hochgeladen von Stefan Pollmanns

Langenfeld. „Ich kann Prinz!“ Auf einem kleinen Zettel, der heute eingerahmt einen Ehrenplatz im Wohnhaus an Kronprinzstraße hat, unterschrieb Wolfgang Friedrichs wenige Stunden nach dem Karnevals-umzug im vergangenen Jahr feierlich eine Absichtserklärung. Lange hatte er zusammen mit seiner Ehefrau Beate über den Schritt nachgedacht, das Prinzenpaar zu stellen – das Prinzenpaar am Bieräquator Langenfeld. Denn durch die Posthorngemeinde verläuft die „Mentalitäts“-Grenze zwischen den häufig rivalisierenden jecken Metropolen Köln und Düsseldorf, zwischen den Bierspezialitäten Kölsch und Alt. Viele kleine Unterschiede gibt es, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Und letztere werden durch das Paar eindrucksvoll verdeutlicht. Prinz Wolfgang II. kommt gebürtig aus Köln,
Beate I. aus Düsseldorf.

„Sicher, der Düsseldorfer ist etwas reservierter als der Kölner – doch der rheinische Frohsinn und die Offenherzigkeit stecken in beiden Mentalitäten“, erklärt Prinz Wolfgang II.. Das sieht die Prinzessin an seiner Seite genauso: Der Zusammenhalt nach dem Motto ‚Man kennt sich‘, man hilft sich‘ sei in beiden Städten fest verankert. Sie möchte aber auch sonst nichts Schlechtes auf Köln oder Düsseldorf kommen lassen. „Ich bin in Düsseldorf-Heerdt aufgewachsen. Ich habe auch an die Karnevalszeit viele schöne Erinnerungen. Als Teenager waren wir in der Altstadt viel unterwegs und haben uns auch die tollen Umzüge angeschaut“, blickt sie zurück. „Doch auch Kölner Blut fließt in meinen Adern. Mein Großvater mütterlicherseits stammt aus Köln. Warum es ihn nach Düsseldorf verschlagen hat, habe ich ihn nie gefragt. Er war ein toller Opa. Ich habe auch seinen Kölner Dialekt, der sehr gut zu seiner warmherzigen Art passte, geliebt. Er hat mit auch seine Stadt näher gebracht.“
Wolfgang II. ist in einer Kölner Familie groß geworden. „Nach dem Krieg mussten wir nach Leverkusen ziehen. Die ganze Familie hat unter einem Dach gewohnt. Immer war jemand da. Das war eine tolle Zeit. Der Besuch des Rosenmontagszuges in Köln war jedes Jahr eine Selbstverständlichkeit. Ich habe später auch in einer Gruppe getanzt.“ Der Prinz fühlt sich aber auch in Düsseldorf wohl und trinkt auch gerne mal ein Gläschen Alt, obwohl Kölsch von ihm schon bevorzugt wird. Die Mentalitätsunterschiede zwischen den Hochburgen am Rhein macht er an einem Beispiel fest: „In Düsseldorf und Köln werden beim Straßenkarneval gerne Flaschen rumgereicht. Während der Kölner sich direkt einen Schluck aus der Flasche genehmigt, benutzten die Düsseldorfer Pinnchen. Das wäre in Köln eine Beleidung und würde bedeuten: Ich bin ‚fies‘ vor dir.“
Als Düsseldorferin hat Beate I. in der von ihr geschätzten Kölner Malzmühle schon besondere Erfahrungen gemacht. „Als die Leute am Tisch erfuhren, aus welcher Stadt ich komme, ging zunächst ein Raunen durch die Runde. Dann ist einer aufgestanden und hat in seiner Mütze Geld für die Rückfahrt gesammelt. Das ist echt so passiert!“ Aber rausgeschmissen habe man sie nicht. Im Gegenteil! Sie wurde weiterhin herzlich aufgenommen. Und schließlich trägt sie ja genauso wie ihr Ehemann auch ganz hochoffiziell den Kölsch-Pass mit sich – eine Erfindung der Musikgruppe Höhner.
Bei der Frage, was sie denn an den Städten Köln und Düsseldorf am meisten lieben, herrscht bei dem Paar Einigkeit: „In Düsseldorf ist es die Altstadt mit der längsten Theke der Welt und den vielen unterschiedlichen Angeboten, in Köln ist es das unbeschreibliche Gefühl, aus dem Bahnhof zu treten und auf die ‚Bahnhofskapelle‘ zu schauen. Der Dom und das Martinsviertel lassen einfach unsere Herzen höher schlagen.“
Prinz Wolfgang II. und Prinzessin Beate I. kamen beide in den 1970er Jahren mit ihren damaligen Ehepartnern nach Langenfeld. Der Prinz erinnert sich noch genau: „Ich hatte eine Arbeitsstelle in Essen und wohnte in Köln. Auf dem Weg nach Hause kam ich an Langenfeld vorbei. Dort sah ich Bahnschienen. Prima, dachte ich. Genau hier möchte ich wohnen Da kann ich dann zur Not im Winter auch mit der S-Bahn zur Arbeitsstelle fahren.“ Gesagt getan. Er fand eine Wohnung an der Oderstraße – nur mit dem bequemen Fußmarsch zur S-Bahn-Haltestelle wurde es nichts. „Am alten Bahnhof in Immigrath fuhren nur Güterzüge vorbei. Die S-Bahn-Haltestelle ist viel weiter weg.“ Aber Glück im Unglück: „Als Außendienstmitarbeiter habe ich später die tollen Verkehrsanbindungen in Langenfeld sehr zu schätzen gewusst.“
Durch seine Tätigkeit im Außendienst und auch durch sein größtes Hobby, das Segeln, kam er viel herum und hat deshalb oft auch die Chance gehabt, sozusagen aus der Vogelperspektive auf das Rheinland zu schauen. Sein Fazit: „Von außen betrachtet fallen die Unterschiede zwischen den Mentalitäten in den Großstädten kaum noch ins Gewicht.“
Das tolle Karnevalsangebot in der Posthorngemeinde haben Beide auch schnell entdeckt. Doch allzu sehr waren sie nicht involviert. Das Familienleben hatte vorrang. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, änderte sich
dies. Im Wiescheider Familienkreis (heute Freundeskreis) – das Paar wohnt in Immigrath direkt an der Ortsgrenze zu Wiescheid – feierten sie gerne in geselliger Runde und unterstützten zudem tatkräftig Feste vor Ort, zum Beispiel das Pöttfest. Hier lernte sich das Paar auch näher kennen. Geheiratet wurde 2011 auf dem Traumschiff.
Und alle in Wiescheid waren sich auch einig: Die Beiden würden auch ein traumhaftes Prinzenpaar abgeben. Dies dachten sich auch Helmut Schoos, Vorsitzender des Festkomitees Langenfelder Karneval (FLK), und der damalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Herbert Roßelnbruch, als Wolfgang und Beate Friedrichs im vergangenen Jahr vorbeikamen, um Wurfmaterial für die Fußgruppe der CDU Wiescheid abzuholen. Und nach den vielen schönen Momenten auf dem Zug stimmten sie dem Plan auch begeistert zu. Mit dem Wissen: Sie können sich auf ein starkes Team im Rücken verlassen.

-Der Bieräquator
Quer durch Langenfeld verläuft die Benrather Linie. Diese spielt nicht nur sprachwissenschaftlich eine große Rolle. Sie ist gleichzeitig der Bieräquator zwischen Alt und Kölsch und zwischen der Kölschen-rheinischen und Düsseldorfer-rheinischen Mentalität. Der Prinz erklärt: Die Linie verläuft quer durch Immigrath. Reusrath und Mehlbruch befinden sich südlich der Linie, sind also näher an Köln gelegen. Deshalb lautet der karnevalistische Schlachtruf auch „Alaaf“. Berghausen und Richrath befinden sich nördlicher der Linie (näher zu Düsseldorf). Wiescheid befindet sich zwar nördlich der Linie, liegt gefühlt aber südlich (ist sich der Prinz sicher).

Autor:

Stefan Pollmanns aus Langenfeld (Rheinland)

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