Samba-Fieber grassierte in der Innenstadt

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70 Zugnummern und viel Musik brachten die Zuschauer am Straßenrand in Schwung.

Die aktiven Teilnehmer auf den Wagen und in den Fußgruppen hat Zugleiter Herbert Schoos gezählt, die Zuschauer im Straßenrand sind stets eine unbekannte Größe. Doch es waren beim diesjährigen Karnevalszug wieder Tausende, die mitsangen und -schunkelten und sich nach den üppig geworfenen „Kamelle“ bückten. Um es auf einen Nenner zu bringen: Alle – die im Zug und die am Straßenrand – hatten ihren Spaß!

Das Samba-Motto tauchte immer wieder auf – hervorragend war es umgesetzt von den HSV-Karnevalsfrauen, die südamerikanische Kostüme gezaubert hatten. Und noch etwas absolut Erfreuliches: Im Zug waren viele Kinder- und Jugend-Gruppen dabei und hatten offensichtlich ebenso ihre Freude wie die altgedienten rheinischen Jecken.

Hoch über dem närrischen Fußvolk thronend erlebten Prinz Wolfgang II. und seine Beate I. die herrlichen Wagen und die bunten Fußgruppen, wie sie zum pünktlichen Zugbeginn um 14.11 Uhr an ihrem Prunkwagen auf dem Immigrather Platz vorbeizogen. Der Prinz ließ es sich nicht nehmen, persönlich die vorbeifahrenden Gruppen zu begrüßen und ihre Kostümierungen zu kommentieren. Nur unter Protest gab er das Mikro schon mal ab – wenn seine Prinzessin oder seine FKL-Kommandantin Katja Liever unbedingt auch mal etwas sagen wollten.

Zwischen Immigrather und Berliner Platz bahnte sich der närrische Lindwurm seinen Weg, begleitet von einigen wenigen Musikkapellen und zahlreichen Stimmungsliedern aus den Boxen auf den Wagen oder am Straßenrand.
Apropos Straßenrand: Die Logistik wird bei vielen jecken Zugzuschauern offenbar ganz groß geschrieben. Denn lange schon ist es nicht mehr nur der Bollerwagen der Kinder (oder auch der ausrangierte Kinderwagen), mit dem ganze Grüppchen und Freundeskreise zum Zug ziehen. Fahrbare Bierstände werden entlang der Solinger und der Hauptstraße aufgebaut, dazu gibt es batteriebetriebene Grills oder Riesentöpfe für Gulaschsuppen und ähnliches, um das ganze befreundete Volk am Verhungern und Verdursten zu hindern.

Und bei manchen „Zugguckern“ hat man sogar das Gefühl, dass sie sich nicht des Zuges wegen auf den Weg gemacht haben, sondern weil sie „Party“ machen wollen, beispielsweise auf dem Marktplatz oder dem Platz vor der Stadthalle. Wer da in fünfzehnter Reihe sein Standquartier aufgeschlagen hatte, der bekam vom vorbeiziehenden Zug ohnehin nur wenige mit.

Doch er hat allerlei verpasst, wie beispielsweise die „Zugleitung“, die in des Wortes wahrem Sinn in einer Lokomotive fuhr. Die Jecken Langenfelder Familie hatten „Helaaf“ zum neuen Schlachtruf auserkoren, die Jugend von St. Josef kam als Nixen, die Pfadfinder zogen mit einer Märchenburg dahin, die RCC-Tanzgruppe stellte sich vor, die Virneburg-Jecken sagten zur Inklusion „Hammer schon!“, der Kanu-Club versprach, dass es mit ihm den Bach runter geht, einen starken Ansturm auf den Mond unternahm die Richrather Grundschule, die Postalia stellte das Kinderprinzenpaar Ben I. und Laura-Marie I. vor, die Karateka der SGL hatten selbst einen Schwarz-Gurt dabei, die Longhorns kamen mit den Cheerleadern und den Jugend-Spielern, die Pappnasen waren Zwerge, die Spießratzen punkteten mit ihrem Prunkwagen, die Dreigestirne aus Berches zogen in bäuerlichen Kutschen mit, die Echten Fründe zeigten gekonnte Hebefiguren, die „jecken Ahle und ihr Pänz“ waren als Teufel unterwegs, die „Doof Nüss“ ziehen seit 100 (!) Jahren mit, die IG Solinger Straße hatte sich in Piraten verwandelt, ihr Tor schleppten die GSV-Fußballer mit, auf einem Wagen mit Pferd waren die Lebenshilfe-Ritter unterwegs, die ara-Schusterjungen hatten sich in Austernverwandelt, der RKV hatte Entenhausener Disney-Figuren ausgewählt, einen Portugal-Hahn hatte die Gruppe Strandgut durchgefüttert, richtig schöne brasilianische Samba-Kostüme hatten es den HSV-Karnevalsfrauen angetan, die „Sportmäuse“ verbargen sich hinter weißen Masken und schwarzen Gewändern, die Stadtwerke verkündeten „Wir machen unser eigenes Gas“ und ließen dafür einer Kuh (als Wagen) am Hinterteil Bio-Gas entströmen, die Tanzschule Breuer tanzte nicht, die Rheinsternchen warfen dafür die Beine, die Schießfrauen St. Hubertus warteten als Frösche darauf, dass der Prinz sie noch küsst, die Prinzengarde war mit Wagen und Reitergarde dabei und eskortierte mit dem Showfanfarencorps den Prinzenwagen. Und dann kamen die orangen „Prunkwagen“ – und ich muss nach diesem Endlos-Satz Luft holen und mich bis nächstes Jahr um diese Zeit anderen (ernsthaften) Themen zuwenden.

El Vieh

Autor:

Ralf Paarmann aus Langenfeld (Rheinland)

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