Doros Garten-Journal (4): Die Lust, es öffentlich zu tun

"Soziale Gärten für alle" - in Hamburg kappt das. Und in Lünen?
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Es ist November. Eigentlich keine Zeit, um an Gärtnern zu denken. Doch da nun Guerilla Knitting in unserem Städtchen angekommen ist, - wie der Lüner Anzeiger berichtet, zogen Unbekannte einem Laternenmast in der Arndtstraße ein gehäkeltes Wollmäntelchen an - ist auch Guerilla Gardening ein Thema.

Garten-Guerillas gärtnern einfach irgendwo in der Stadt, meist in einer Großstadt. Sie säen oder pflanzen heimlich. Und freuen sich diebisch, wenn plötzlich in einem öffentlichen Beet oder auf einer Verkehrsinsel etwas wächst, was da gar nicht geplant war.

Der neueste Trend aber ist Urban Gardening. Städtischer Gartenbau, privates Gärtnern mitten in der Stadt. In Berlin, Hamburg, Köln und vielen größeren Städten längst normal. Und legal. Die Städte stellen dafür eine öffentliche Fläche zur Verfügung. Das muss noch nicht einmal Grabeland sein. Sogar ein gepflasterter Platz kann zum grünen Gemeinschaftsgarten werden, wie die "Sozialen Gärten Keimzelle" im Hamburger Karoviertel zeigen: Dort werden Tomaten und Möhren in Kisten und Plastiksäcken gesät und geerntet. Dortmund bietet Urbanes Gärtnern im Unionsviertel an. Und Lünen?

Ich fragte Dieter Memmeler, den Leiter der Lüner Abteilung Stadtgrün, nach öffentlichem Gärtnern und Guerilla Gardening in unserem Städtchen.

Dieter Memmeler sagt: „Grundsätzlich ja. Das Thema ist mir bekannt und ich finde es vom Ansatz her sehr kreativ und vom Sinn her einen Gewinn für jede Stadt. Intern haben wir uns bereits ausgetauscht und ich werde in einer der nächsten Dienstbesprechungen bei Stadtgrün darüber diskutieren.

Einige größere Städte, wie Hamburg und Berlin, zeigen gute Beispiele, die allerdings auch personell und fachlich begleitet werden. Das können wir leider mit unserer deutlich verschlankten Verwaltung nicht.

Aber es gibt sicherlich auch andere Wege, wenn Bürgerinnen und Bürger sich engagieren und nachhaltig und zuverlässig in das urbane Gärtnern einsteigen. Wenn es sich um öffentliche Flächen handelt, spielen natürlich einige Fakten eine entscheidende Rolle: jederzeit öffentliche Zugänglichkeit, definierte und funktionierende Flächen nicht zu zerstören, Übernahme der Verkehrssicherheitspflicht und Verantwortung - wer will das?

Was mich zunächst "skeptisch" macht (bitte nicht falsch verstehen!), ist, dass diese Anfrage durch Sie gestellt wird und nicht durch einige am "öffentlichen Gärtnern" interessierte Menschen aus unserer Stadt: es gibt hier noch keinerlei Anfragen, obwohl das Thema seit einigen Jahren in entsprechenden Medien publiziert wird. Und das ist der Kern - der ursprüngliche Gedanke der urbanen GärtnerInnen: spontane Aktionen aus der Idee heraus, subversiv, zunächst unorganisiert und überraschend...

Was bei uns hervorragend läuft, ist engagiertes Bürgerengagement für mittelgroße Grünanlagen, wie dem Südpark, mit seinen Südparkfreunden. Hier haben die Vereinsmitglieder allergrößte Freiheit, den Park als Verantwortliche und mit Hausrecht zu gestalten, zu pflegen und zu nutzen; mittlerweile 170 Mitglieder sind dort aktiv.

Das ganze begann vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung, wo BürgerInnen aktiv wurden um "IHREN" Park zu retten und zu übernehmen. Andere Beispiele, wie Patenschaften (Baumbeete) und Gruppengärten (Apothekergarten im Seepark) sind kläglich gescheitert - plötzlich war niemand mehr da!

Wie kann man sich so eine Aktion vorstellen? Wie kann die Stadt so etwas ohne Personalaufwand puschen? Wie erreicht man die Menschen? Welche Flächen kommen in Frage? Wer ist für ein Abenteuer in dieser Form zu haben (Natur braucht Zeit!!!) und lässt sich für einen längeren Zeitraum auf diesen mit viel Arbeit verbundenen Spaß ein?"

Soweit Dieter Memmeler, Chef unserer Abteilung Stadtgrün. Und Ihre Meinung?

Autor:

Doro Backmann-Kaub aus Lünen

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