Lüner Wege III: Brambauers verschwundene „Hauptstraße“

Rekonstruierte Lage der alten "Hauptstraße" in Nord-Süd-Richtung im heutigen Kartenbild Brambauers
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Betrachtet man eine Karte Brambauers, erkennt man zwei durch den Ort führende Hauptverkehrsachsen. Zum einen die Königsheide und die Mengeder Straße in etwa Ost-West-Richtung, zum anderen die Brechtener und Waltroper Straße in etwa Nord-Süd-Richtung. Die Kreuzung dieser Achsen bildet den verkehrstechnischen Mittelpunkt Brambauers – die Hauptkreuzung.
Die älteste, halbwegs detailreiche Karte Brambauers ist die 1905 gezeichnete Kopie einer Karte von 1804*. Sie zeigt die Grafschaft Dortmund mit der „Bram-Bauerschaft“ in ihrem nördlichsten Teil. Setzt man voraus, dass die Strichstärke auf der Karte mit der Bedeutung der Wege korreliert, wird deutlich, dass die heutige Hauptroute Königsheide/Mengeder Straße schon damals in etwa ihrer heutigen Lage vorhanden war. Anders verhält es sich mit der Hauptroute in Nord-Süd-Richtung. Diese lag 1804 offensichtlich weiter östlich als heute, ziemlich genau auf der Wasserscheide zwischen Emscher und Lippe. Alle Wasserläufe westlich und südlich dieser topografischen Linie fließen im Raum Brambauer in die Emscher, alle östlich und nördlich davon letztlich in die Lippe. Seinen Weg hier entlang zu suchen, machte Sinn, denn nur so ließ sich die Querung von Bächen vermeiden. Überschwemmungen waren ebenfalls nicht zu erwarten und Schlamm nur im Winter ein Thema. Dazu ist zu sagen, dass Straßen zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht das waren, was man heute gemeinhin unter einer Straße versteht. Mit Ausnahme weniger Heerstraßen, handelte es sich um mehr oder weniger breite Trampelpfade ohne jegliche Befestigung mit häufig wechselnden Fahrspuren von Karren.
Der Weg führte von Süden zwischen den ehemaligen Höfen Rieth und Ferige hindurch, durch die spätere Neue Kolonie Minister Achenbach, vorbei „Am Voßdiek“ (Pferdeteich/Pferdetränke) bis zur heutigen Kreuzung Wittekind-/Friedhofstraße, wo er nach Norden über den Sudberg der Friedhofstraße weiter folgte. Etwa dort, wo heute die Stadtgrenze zu Waltrop liegt, stieß er auf die "Vestische Landwehr", der Südostgrenze des Vestes Recklinghausen zwischen Emscher und Lippe. Mindestens im Gebiet der späteren Heitfeld-Siedlung markierte der Weg die Grundstücksgrenze zwischen den Höfen Ferige und Klein-Ötringhaus (heute Brügemann), wohl ein Resultat der Grundteilungsverhandlungen um die östliche Königsheide 1824.
Vermutlich als Folge des durch Preußen deutlich forcierten Straßenbaus ab 1816, ist dann die Achse Brechtener/Waltroper Straße spätestens zur ersten amtlichen Vermessung der Region 1839, der „Preußischen Uraufnahme“, die Hauptverkehrsader in Nord-Süd-Richtung. Die alte Verbindung verlor ihre Bedeutung und verschwand zum Teil.
Die Brambauerschaft war Grenzland und lange Zeit ein Zankapfel der drei hier angrenzenden Territorien. Vor allem zwischen der Grafschaft Dortmund, 1504 vollständig abgelöst durch die Reichsstadt Dortmund, und der Grafschaft Mark sind solche Streitigkeiten belegt. Zeitweise gelang es dem Grafen von der Mark seinen Machtbereich nach Westen in die Königsheide hinein auszudehnen. Hinweis darauf ist ein an der späteren Friedhofstraße gelegener Zollhof namens „Krieger“, später „Markmann“ (1839). Er wurde vom Grafen von der Mark 1541 eingerichtet, um den Handel der Dortmunder mit dem nördlich gelegenen Vest zu kontrollieren und zu erschweren. Eine Fernstraße war der Weg durch die Brambauerschaft zwar nicht, aber die kürzeste Verbindung zwischen Dortmund und dem größtenteils im Vest gelegenen Reichshof Elmenhorst. Das letzte Fachwerkhaus des Hofes an der Friedhofstraße fiel in den 1980er Jahren dem Abriss zum Opfer. Heute steht an etwa gleicher Stelle ein zweistöckiges Wohnhaus (Auf dem Sudberg 3). Ein Stein mit der Aufschrift „Markmann“, vielleicht von der früheren Hofzufahrt, soll noch existieren.
Ein anderes Zeugnis ist der 350 m lange erodierte Rest einer Landwehr im Volkspark westlich der Brechtener Straße. Östlich dieser Straße ist eine Fortsetzung dieser 1601 hart umkämpften Landwehr nicht nachzuweisen, doch ist die mutmaßlich frühere („In den Hülsen“) und heute noch vorhandene Konzentration von Stechpalmen, im Volksmund Stechhülse oder Hülsenkrabbel genannt, in den umliegenden Waldinseln auffällig. Gewuchertes Resultat einer Anpflanzung als Grenzbewehrung ?

Vieles bleibt Spekulation und ist heute nicht mehr sicher zu klären. Dennoch ist eine Spurensuche interessant, vor allem wenn sich neue mögliche Verknüpfungen ergeben. Noch viel weiter zurück verfolgen lässt sich die Geschichte der großen Verkehrsachsen Lünens, zum Beispiel der Bundesstraße 54, doch davon später.

* vgl. Fredy Niklowitz (1988) Brambauer – Von der Bauerschaft zum Industrieort.

Autor:

Andreas Abels aus Lünen

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