CDU lud zur Zukunftswerkstatt "Wohnen und Leben in Lünen 2035"

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Zur Zukunftswerkstatt unter dem Titel „Wohnen und Leben in Lünen 2035“ hatte die CDU-Lünen am Dienstag (7.1.) eingeladen, Gastgeber war an diesem Abend der Bauverein zu Lünen. Als prominente Referentin konnte man sogar Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in NRW, gewinnen. Nicht minder interessant waren außerdem die Beiträge der ihr folgenden Referenten: Dipl.-Meteorologe Guido Halbig (Deutscher Wetterdienst, Leiter Regionales des Klimabüros Essen) und Dr.-Ing. Hendrik Jansen (Vertreter der Professur für Städtebau und Bauleitplanung der TU Dortmund).
Die CDU hatte mit diesem Thema der Zukunftswerkstatt anscheinend großes Interesse hervorgerufen, denn das geräumige Foyer des Bauvereins platzte sprichwörtlich aus allen Nähten. Marco Morten Pufke, Kreisvorsitzender der CDU Unna, moderierte den politischen Abend. Stadtplanung, Klimawandel und Digitalisierung waren dabei die Kernthemen.
Christoph Tölle, Fraktionsvorsitzender der CDU-Lünen, begrüßte die Gäste und Referenten, betonte, dass nur der Wandel beständig sei, der lokale Handel besonders vor Herausforderungen stehe und das Thema Arbeitsplatzangebote sehr wichtig sei. Absichtlich überspitzt riss er für Lünen eine Vision an, in der innerstädtischer Verkehr unterirdisch verlegt wird und er neue Nutzungen für den Pfarrer-Bremer- und Theaterparkplatz vorschlug. Dass auch überspitzte, gar zunächst verrückte klingende Zukunftsideen tatsächlich mit einfließen könnten oder sogar zum Teil müssten, war am Ende eine Erkenntnis des besonderen Abends.
NRW-Ministerin Ina Scharrenbach startete mit einem kurzen Vortrag zum Thema „Ruhrgebiet weiterentwickeln – Chancen für die Mittelstadt Lünen“ und gratulierte der CDU Lünen zunächst, dass sie diesen Dialogprozess anstieße. Nach kurzer Einführung zu aktuellen Problemen des stationären Handels gegenüber Online-Kaufhäusern, betonte sie, dass lokale Unternehmer fest zu einer Stadt dazugehörten, „weil sie Motoren und Träger von Stadteinwicklung sind.“
Deswegen werde es eine Herausforderung sein, diesen lokalen „Marktplatz“ in Innenstädten in das nächste Jahrzehnt zu führen. Handel werde sich mehr verdichten, die Handelsfläche werde in den Innenstädten kleiner, so Scharrenbachs Ausführung. Für Lünen sieht die Ministerin einen entscheidenden Vorteil. „Sie haben Wasser in der Stadt. Und Mensch und Wasser gehört zusammen.“ Und dabei lobte sie unter anderem das Projekt des Lippe-Wohnparks. „Und Sie brauchen eine Stadt der kurzen Wege. Auch unter den Gesichtspunkten Umwelt, Klima, Mobilität.“ Dabei betonte Scharrenbach, dass die E-Mobilität bei den Autos nur eine Brückentechnologie sei, Wasserstofftechnik sei die Zukunft, aber man dürfe nicht die gleichen Fehler machen wie bei der E-Mobilität. Auch sie merkte an, dass in den letzten Jahren das Thema „Grün“ oft bei Stadtentwicklung nicht mehr vorgekommen sei - aus Kostengründen. Aber man brauche Grün in einer Innenstadt. Und deswegen gehöre es unmittelbar dazu, nicht nur funktional zu denken in der Städteplanung.
Dipl.-Meteorologe Guido Halbig, Deutscher Wetterdienst, Leiter Regionales Klimabüro Essen referierte anschließend zum Thema „Klimatische Auswirkungen auf die Stadtentwicklung“. Die Grundlage für seine Ausführungen machte er in seinem informativen und unterhaltsamen Beitrag schnell deutlich. Der fortschreitende Klimawandel sei die zentrale Aufgabe des Menschen, der ja selbst laut Belegen für den stark erhöhten CO2-Ausstoß fast ausschließlich allein verantwortlich sei.
Hitzebelastung und Dürre der vergangenen zwei Sommer wären in einigen Jahrzehnten die Regel. Der Weltklimarat gehe davon aus, dass sich die Erde bis zu 5 Grad bis Ende des Jahrhunderts erwärmen werde, wenn die Menschheit so weitermache wie bisher. Wir müssen dringend handeln“, betonte Halbig. Um den Klimawandel zu stoppen, gibt es Ansätze wie Solarzellennutzung, Dachbegrünungen, Windräder mit Beteiligung der Bürger und Pflanzungen von Bäumen sowie das Erhalten von Frischluftschneisen. „Wir müssen drastisch CO2 verringern“, so die Mahnung des Experten. Auch die Digitalisierung bei der Verkehrsvernetzung könne in Zukunft helfen. „Digitalisierung ist auch bei Klimaschutz eine Riesenchance“, betonte Halbig.
Dr.-Ing. Hendrik Jansen, Vertreter der Professur für Städtebau und Bauleitplanung der TU Dortmund referierte zum Thema „Zukunft des Ruhrgebiets und die Bedeutung für Lünen“. Für die Lippestadt schlug er konkret drei Punkte vor, als Ideenanstoß. Die Zukunft der Stadt müsse allerdings von hier direkt kommen. Der Input von außen sei gut, die Veränderung müsse man vor Ort in die Hand nehmen.
Die erste Idee ist die „Fünf-Minuten-Stadt“ - als Stadt der kurzen Wege, maximal kompakt und nutzungsgemischt: wohnen, arbeiten, Schule etc. müssen näher zusammenrücken. „Umweltverbund zuerst, mit Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr, Autos haben nicht immer freie Fahrt“, war der nächste Punkt. Dies sei zwar sicher kontrovers zu diskutieren, aber laut Jansen sehe man, dass Städte mit besonders hoher Lebensqualität bereits erfolgreich darauf bauten.
Die zweite Idee für Lünen ist die „Nachbarschaftsstadt“, was das genau bedeutet, sei zwar individuell, aber es sei wichtig die Charaktere von Quartieren zu sehen, entsprechend zu gestalten und zu unterstützen.
Die dritte Idee ist die „Landschaftsstadt“, auch er betonte hier, wie wichtig und positiv die Lage der Lippe in Lünen sei, auch der Kanal und der Seepark seien gute Beispiele. Freiräume sollen dabei verbunden sein, man müsse sehen, dass Freiräume mehr als eine Funktion erfüllen können. Neben der Erholung, können diese Flächen auch produktive Funktion haben, ohne sie zu überlasten. Die Stadt Lünen habe riesige Potentiale. Handlungsbedarf sieht Jansen jedenfalls am Pfarrer-Bremer- und Theaterparkplatz und an der Kurt-Schumacher-Straße.
Umdenken im Verkehrswesen - und verrückten Ideen in der Planung zumindest in Erwähnung zu ziehen, waren Ansätze, die die CDU und die weiteren Anwesenden mitnahmen. Wie das im Detail funktionieren soll, war an diesem Abend selbstverständlich nicht zu klären, allerdings gab die informative Veranstaltung eine klare Richtung vor, dass man aus dem Ideenpool und Denkanstößen der drei Referenten sicherlich einige Bausteine auch für Lünens Zukunft mit einplanen sollte.
Diese Aufgabe hat nun die örtliche Politik. Die CDU jedenfalls will u.a. konkret die Anstöße, den Pfarrer-Bremer- und Theaterparkplatz anders zu nutzen oder die Idee zur Untertunnelung der Kurt-Schumacher-Straße prüfen lassen. Und auch die internationale Gartenausstellung IGA 2027 sei für Lünen eine Chance. Davon werde man sicherlich auch hier in der Stadt profitieren, wie gleich mehrere Anwesende betonten.

Autor:

Martina Adam aus Lünen

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