Auftritt in Lünen
Len Mette lacht der Depression ins Gesicht

Len Mette gastierte am Samstag im Kunst-Café Lünen.
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Witze über Depressionen zu machen, das gehört sich nicht, sagt der Verstand. Musiker und Buchautor Len Mette macht es in seiner aktuellen Tour und er darf es auch, denn er war selbst ein Psycho! Samstag gastierte er vom Lüner Anzeiger präsentiert im Kunst-Café Lünen.

Psycho, das ist auch so ein Wort aus dem Bereich der Sprache, den der Normalsterbliche besser nicht betreten sollte, doch aus Len Mettes Mund klingt das nicht nach Beleidigung. "Ich war ein Psycho und bin es ein bisschen wohl noch heute", gesteht er seinem Publikum und schon auf den ersten Metern im ausverkauften Kunst-Café in Lünen wird klar: Der Musiker und Buchautor gibt in seinem aktuellen Programm mit dem Titel "#langsambidde" freimütig zu, was andere Menschen lieber verstecken. Was das Publikum erwartet, ist dabei kein Bad im Selbstmitleid, kein Gejammer über die - so wörtlich "schwerste Zeit seines Lebens" - sondern ein selbstironischer Rückblick auf das Leben mit Depressionen. Len Mette serviert dem Publikum eine Mischung aus Lesung, Kabarett und Musik, unterstützt von der Band Wohnzimmer Inc. Die Passagen aus seinem Buch "Burn-out oder voll Banane?" über das Leben in einer psychosomatischen Klinik, bringen mit viel Humor eine unerwartete Leichtigkeit bis hin zum Lachflash in diese harte Kost, machen aber auch nachdenklich. Und wenn Len Mette dann von den vielen kleinen Warnzeichen erzählt, die ihm sein Körper schon lange Zeit vor dem völligen Zusammenbruch sendete, nicken im Publikum viele kaum merklich mit dem Kopf. Depressionen, das ist zwar in aller Munde, aber dennoch ein Tabu-Thema. Eine Krankheit, die man in der Leistungsgesellschaft einfach nicht hat, nicht haben darf und so bleibe vieles im Verborgenen, bis es eben einfach nicht mehr geht. Die Dinge beim Namen zu nennen und sich vor allem selbst ehrlich einzugestehen, dass man ein Problem hat, so sagt Len Mette, ist der erste, wichtige Schritt zurück ins Leben. Fazit: #langsambidde lohnt sich, nicht nur für Betroffene, sondern auch für völlig unbeteiligte.

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