Unwetter-Nacht hinterlässt Chaos im Kreis

In der Geist in Lünen entwurzelte das Unwetter einen großen Baum.
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Orkanböen, Blitz und Donner zogen am Abend über die Region - was vom Unwetter am Ende blieb, war ein Trümmerfeld. Bäume blockierten Straßen und Schienen und der Regen flutete Keller. Die Feuerwehren waren die ganze Nacht im Einsatz.

Lünen und Selm lösten für ihre freiwilligen Kräfte am Montagabend Vollalarm aus - in allen Stadtteilen eilten die Ehrenamtlichen zu den Wachen. In einer ersten Zwischenbilanz waren es bis Mitternacht etwa hundert Einsätze in Lünen, allerdings mit stark steigender Tendenz. Dienstagmorgen hatte die Feuerwehr um die zweihundert Einsätze auf dem Schirm. Lünen ist damit - bei knapp über vierhundert Gesamteinsätzen im Kreis Unna - trauriger Spitzenreiter. Kaum eine Straße blieb ohne Schäden. In Lünen erwischte es nach ersten Erkenntnissen unter anderem die Moltkestraße besonders schlimm: Bäume kippten hier reihenweise auf die Fahrbahn und blockieren noch immer die Gehwege. In Alstedde evakuierten die Retter am Römerweg rund dreißig Reisende aus einer Regionalbahn. In der Straße "Am Urnenfeld" zerstörten Bäume drei Autos. Das Technische Hilfswerk Ortsverband Lünen kam in der Nacht den Einsatzkräften in Dortmund zur Hilfe und räumte Teile der Moltkestraße. Rainer Ashoff, der stellvertretende Feuerwehr-Chef in Lünen, im Gespräch mit dem Lüner Anzeiger: "So eine Wetterlage habe ich in meiner Feuerwehrzeit noch nicht erlebt." Ashoff ist immerhin seit 1978 Mitglied der Feuerwehr Lünen. Freiwillige Feuerwehrleute waren auch am Morgen noch bei den Aufräumarbeiten - fast zehn Stunden nach Beginn des Einsatzes.

Verletzte Feuerwehrfrau bei Einsatz

Selm brachte es bis zum frühen Morgen auf etwa siebzig Einsätze. Im Stadtgebiet stürzten nach Auskunft von Stadtbrandmeister Thomas Isermann mehrere Bäume auf Gebäude und Fahrzeuge, sowie am Steverweg ein Baum auf die Schienen. "In Selm Dorf hatten wir zudem Wassereinsätze und an der Südkirchener Straße unterspülte der Regen die Fahrbahn", so Isermann. Im selben Bereich fiel in Selm der Strom aus. Glück im Unglück: Menschen verletzten sich bei dem Unwetter nach dem bisherigen Stand offenbar nicht, die Feuerwehr Lünen meldet aber eine verletzte Feuerwehrfrau bei den Aufräumarbeiten.

Behinderungen im Bahnverkehr

Das Unwetter führte auch zu massiven Problemen auf den Schienen. Im Lüner Hauptbahnhof harrten Reisende aus Sicherheitsgründen über Stunden im Intercity zwischen Hamburg und Koblenz aus - ein Spezialzug kontrollierte in dieser Zeit die Strecke von Dortmund aus auf Schäden. Dienstagmorgen nahm die Deutsche Bahn den Bahnverkehr nur auf vier Strecken wieder auf, nämlich zwischen Köln und Bonn, Köln und Aachen, Dortmund Hamm und Bielefeld,
sowie auf der Intercity-Express-Strecke Köln-Frankfurt. "Auf allen weiteren Bahnstrecken in Nordrhein-Westfalen ist der Bahnverkehr derzeit unterbrochen. Ein Busnotverkehr ist aufgrund der witterungsbedingten Schäden momentan nicht möglich. Die Deutsche Bahn arbeitet mit Hochdruck daran, die Schäden zu lokalisieren und zu beheben, um weitere Strecken für den Bahnverkehr freizugeben", so ein Bahnsprecher.

Aufräumarbeiten dauern Tage

Die Aufräumarbeiten werden nach dem Unwetter wohl noch Tage dauern. "Wir sind mit allen Gärtnern bei der Arbeit", so Bernd Bille von den Wirtschadtsbetrieben Lünen. Straßen und Fußwege befreie man zuerst von Bäumen, dann die Grünanlagen. Im Moment ein Kampf gegen Windmühlen. Bille: "Meldungen kommen jede Minute." Der Wind hatte nicht nur Bäume entwurzelt, sondern katapultierte auch Mülltonnen durch die Luft - entsprechend wild ist das Bild auf den Straßen. Angaben zur Höhe des Sachschadens gibt es bislang nicht, doch eine Summe im Millionenbereich könnte im Kreis Unna liegt sicher im Bereich des Möglichen.

Was zahlt die Versicherung?

Sturm ist Sturm - da zahlt die Versicherung? Die Antwort auf diese Frage entscheidet sich von Fall zu Fall. Stürzt ein Baum auf das Haus, zahlt die Versicherung zum Beispiel die Schäden am Haus. "Windstärke 8 muss vorliegen, das hatten wir am Montag aber", Guido Hoffmann, zuständig für das Schadensmanagement bei Provinzial Wolf in Lünen. In knapp zwanzig Minuten erreichten den Experten am Dienstag schon über fünfzig Schadensmeldungen und manchem Kunden ging es dabei sicher um das Auto. Sturm-Schäden am Fahrzeug sind über die Teilkasko abgedeckt, ebenfalls ab Windstärke 8. Kniffeliger wird die Sache bei Gartenmöbeln, wenn diese zum Beispiel durch Dachziegel oder dicke Äste beschädigt werden. In der Regel gibt's dafür keinen Versicherungsschutz. Gudio Hoffmann rät: "Im Zweifel sollten Kunden aber immer prüfen lassen, ob die Versicherung zahlt:"

Mehr zum Thema:
>Schweres Unwetter sorgt für Verwüstungen

Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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