Kraftwerk Steag
Gemüse wuchs im Schatten der Türme

Das Kraftwerk etwa zwei Jahre nach Baubeginn. Das Stadtarchiv Lünen datiert das Foto auf 1940.
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  • Das Kraftwerk etwa zwei Jahre nach Baubeginn. Das Stadtarchiv Lünen datiert das Foto auf 1940.
  • Foto: Stadtarchiv Lünen
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Deutschland rüstet sich für den Zweiten Weltkrieg und in Lünen beginnt der Bau eines neuen Kraftwerks. Der Lüner Anzeiger schaut im zweiten Teil seiner Steag-Serie auf Geschichte und Geschichten. 

Vom Bauernhof Erlenbruch-Bremer blieb nur der Torbogen. Die Holzbalken hängen im Foyer des Steag-Verwaltungsgebäudes, der Hof aber liegt längst in Schutt und Asche. Zu Bauzeiten, als das Steag-Kraftwerk an der Moltkestraße aus dem Boden schoss, wurde das Haus noch als Büro genutzt, später entstanden hier Parkplätze für die Angestellten. Der Grundstein für das Kraftwerk wurde 1938 gelegt und vier Jahre später feierte man die Fertigstellung, der erste Strom floss aber schon zwei Jahre nach dem Spatenstich. Strom brauchten in erster Linie die Vereinigten Aluminiumwerke auf dem Lippewerk-Gelände, inklusive Lieferung frei Haus per direkter Trasse. Filter für die Rauchgas-Reinigung waren zu Kriegszeiten nicht lieferbar, weil Aluminium und damit letzten Endes das Kraftwerk Lünen aber für die Rüstungsindustrie von Bedeutung war, gab es eine Ausnahmegenehmigung. Die Erlaubnis, das Kraftwerk auch ohne Filter zu betreiben, galt bis zur Verfügbarkeit der Bauteile. Von Fliegerbomben wurde das Kraftwerks-Gelände im Krieg nie getroffen, eventuell hatten die Angreifer den "Neubau" einfach nicht auf dem Schirm.

Fenster-Kunst, Gemüse und schwarzes Gold

Diplom-Ingenieur Otto Wirthwein war der erste Kraftwerksleiter und wohnte im Haus direkt gegenüber der Kraftwerks-Verwaltung. Mitarbeiter interessierten sich aber wohl mehr für das Gebäude neben der Wohnung ihres Chefs: die Gärtnerei. Gemüse wurde hier angebaut zur Versorgung der Mitarbeiter. Das Wohl der Angestellten hatten die Steag-Verantwortlichen ohnehin im Blick und bauten Werkswohnungen in der Geist. Kunst und Kraftwerk, das ging in den ersten Jahren Hand in Hand. Im Maschinenhaus waren bunte Scheiben verbaut, bemalt mit Szenen aus der Arbeiterwelt. Die Fenster waren aber sehr empfindlich und wurden Ende der der siebziger Jahre abgebaut und in Holzkisten eingelagert - hier beginnt ein kleiner Mythos. Die Kisten verschwanden, bis heute fehlt von den kunstvollen Fenstern jede Spur. Kohle kam damals noch von den Zechen aus der Region, auf dem Kraftwerksgelände nahe den Bahngleisen an der Brunnenstraße entstand später Schacht 6 der Zeche Minister Achenbach. Das Kraftwerk fertigte schwarzes Gold ganz anderer Art, hergestellt in einem patentierten Verfahren: Steanit. Steinkohlenflugstaub, Steinkohlenasche - sozusagen "Abfälle" aus der Strom-Produktion - und Kalk gehörten zum "Rezept", gehärtet unter Dampf. In Steinpressen wurden daraus Mauersteine. Bauherren schätzten die geringen Kosten, der Preis lag niedriger als bei jedem anderen Leichtbaustein. Mauerer aber waren weniger begeistert vom Steag-Stein, denn das hochfeste Material zu verarbeiten, war echte Schwerstarbeit.

LESER-AKTION
Der Lüner Anzeiger lädt am 4. Mai zwanzig Leser ein zu einem Blick hinter die Kraftwerks-Kulissen. Schreiben Sie uns, warum gerade Sie bei der Führung über das Werksgelände dabei sein müssen, unter allen Einsendungen, die uns bis 15. April an redaktion@lueneranzeiger.de erreichen, entscheidet das Los.

Thema "Kraftwerk" im Lokalkompass:
Kraftwerks-Aus - der Riese geht in Rente

Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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