Schmidts setzen den Toten ein Denkmal

Gregor Schmidt ist der vierte Schmidt im Steinmetz-Traditionsunternehmen.
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Familie Schmidt setzt den Toten ein Denkmal - mal in Sandstein, mal in Marmor, mal in Granit, mal in rustikaler Rauhheit, mal in polierter Glätte. Die Schmidts sind Steinmetze, schon in vierter Generation, schon seit 125 Jahren in Lünen.

Grabsteine sind heute ihre Arbeit, jedenfalls in den allermeisten Fällen. Josef Schmidt, der erste Schmidt, hatte aber, als er um 1896 aus Soest nach Lünen kam, zunächst keine Grabmale im Sinn. Josef Schmidt kam für Arbeiten an den Fenstern der Marienkirche, fand dann offensichtlich Gefallen am Städtchen an der Lippe und eröffnete nahe des Friedhofs der Herz-Jesu-Kirche hinter dem Lindenplatz eine Steinmetz-Werkstatt. Sohn Alfred Schmidt übernahm den Betrieb in den Wirren des Ersten Weltkriegs, zog mit der Firma später um zur Alstedder Straße, natürlich ebenfalls in Friedhofsnähe. Alfreds Sohn und trotz des Namens nicht Bundeskanzler, sondern ebenfalls Steinmetz, war dann der dritte im Bunde: Helmut Schmidt verlegte das Unternehmen zum evangelischen Friedhof an der Münsterstraße und Ende der sechziger Jahre zum neuen Kommunalfriedhof an der Cappenberger Straße.

Müller steht im Keller

Sohn Gregor Schmidt, der aktuelle Schmidt, Steinmetz- und Steinbildhauermeister und seit 26 Jahren Inhaber des Familienunternehmens, erinnert beim persönlichen Treffen vom Wesen her selbst ein bisschen an die sprichwörtlichen Stein. Schmidt ist ein Mensch, der im Gespräch viel Ruhe ausstrahlt, dabei bescheiden wirkt und manches erst berichtet, schaut man hinter die Oberfläche. Vom Müller erzählt er dann etwa, die Statue aus Gips steht seit vielen Jahren im Keller des Firmen-Hauptsitzes. Der Gips-Müller war das Vorbild für den Stein-Müller, der ziert den bekannten Brunnen am Roggenmarkt in Lünen. Brunnen und Statue kommen aus der schmidtschen Werkstatt, echte Handarbeit aus hellem Waldstein-Granit. Die Stein-Säule mit Informationen zur Entstehung Lünens auf der Dreiecks-Verkehrsinsel vor der Marien-Kirche stammt ebenfalls aus dem Betrieb. Gregor Schmidt spendete sie, die Stele war sein Meisterstück.

Grabsteine erzählen Geschichten

Grabsteine erzählen denen, die sich die Zeit nehmen, ebenfalls Geschichten. Vom Leben der Menschen, für die sie stehen, von ihrer Persönlichkeit, manchmal weit hinaus über Namen und Daten. Schmidt kennt das aus seiner Arbeit, in der Werkstatt zieren die Motive fast eine Wand. Der Musiker ruht dann unter einem Stein, in den mit Sandstrahl-Technik Notenschlüssel , wer im Leben die See liebte, dessen Grabstein ziert ein Leuchtturm. Grubenlampen erinnern an den alten Bergmann, die Taube an den Taubenzüchter, andere wünschen sich ein Fahrrad, ein Herz oder das klassische Kreuz. Wünsche zu erfüllen, ist meist kein Problem, denn Grabsteine entstehen bis heute in Handarbeit. In Lünen-Süd steht am Kommunalfriedhof die Werkstatt für alles Gröbere, an der Cappenberger Straße folgt der Feinschliff. Im Laufe der Jahre habe sich die Art der Grabsteine verändert, sie seien heute anonymer als in früheren Zeiten und seien so, erzählt Gregor Schmidt, auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Thema "Friedhof" im Lokalkompass:
> Dieter Fleer ist der Neue auf dem Friedhof

Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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