Stichtag 7. August 1887: Geburtstag von Elisabeth Schragmüller

Im 1929 veröffentlichten Sammelband "Was wir vom Weltkrieg nicht wissen" gab sich Elisabeth Schragmüller als Agentin zu erkennen. Sie veröffentlichte einen kurzen Bericht ihrer Tätigkeit. Besucher der Ausstellung können sich daraus vorlesen lassen.
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  • Im 1929 veröffentlichten Sammelband "Was wir vom Weltkrieg nicht wissen" gab sich Elisabeth Schragmüller als Agentin zu erkennen. Sie veröffentlichte einen kurzen Bericht ihrer Tätigkeit. Besucher der Ausstellung können sich daraus vorlesen lassen.
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Sie stand nicht im Rampenlicht wie Mata Hari, sondern zog vom Schreibtisch aus die Strippen für den deutschen Nachrichtendienst: Dr. Elisabeth Schragmüller, am 7. August 1887 im westfälischen Petershagen geboren und in Dortmund zur Schule gegangen, leitete im Ersten Weltkrieg die Dienststelle der Spionage gegen Frankreich. Die Geschichte der "Mademoiselle Docteur", wie sie auch bezeichnet wurde, erzählt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Ausstellung "Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund (bis 13.10.).

Rätselhafte Agentin 

"Nach dem Krieg existierten sehr viele Gerüchte und Legenden um Elisabeth Schragmüller. Sie war die rätselhafte Agentin der Deutschen, deren Identität niemand kannte. Erst Jahre später gab sie sich zu erkennen und veröffentlichte einen kurzen Bericht ihrer Tätigkeit", erklärt Ausstellungskurator Dr. Georg Eggenstein. Der Sammelband von 1929, in dem ihr Aufsatz erschien, ist in der Ausstellung zu sehen. An einer Audiostation können sich die Besucher Passagen daraus vorlesen lassen. Da wenig Material über Elisabeth Schragmüller existiert, schlüpfte eine Schauspielerin in ihre Rolle. In Gestalt eines 3D-Hologramms berichtet sie von ihrer Tätigkeit.

Hintergrund

Elisabeth Schragmüller - auch Elsbeth genannt - wurde am 7. August 1887 in Schlüsselburg, das heute zu Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) gehört, geboren. 1889 wurde der Vater als Amtmann nach Mengede, heute ein Stadtteil Dortmunds, versetzt. Dort besuchte sie die Volkschule, zog jedoch schon als Neunjährige zur Großmutter nach Münster, um eine klassische Ausbildung zu genießen, wozu auch Unterricht in Englisch und Französisch gehörte. 1908 begann sie ihr Studium der Staatswissenschaften in Freiburg, das sie 1913 mit einer Doktorarbeit abschloss. Damit gehört Elsbeth Schragmüller zur ersten Generation des Frauenstudiums und der hochqualifizierten berufstätigen Frauen in Deutschland.

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs arbeitete Schragmüller als Lehrerin für Staatsbürgerkunde in Berlin. Sie teilte den patriotischen Enthusiasmus vieler Frauen. Hartnäckig bat sie um einen Passierschein für die Westfront, den sie am 20. August endlich bekam. "In Brüssel quartierte sie sich im selben Hotel wie Generalfeldmarschall Colmar von der Goltz ein, lauerte ihm regelrecht auf und überzeugte ihn von ihrer Absicht, für das Militär zu arbeiten", berichtet Georg Eggenstein.

Sie bekam zunächst eine bescheidene Tätigkeit: die Kontrolle beschlagnahmter Briefe belgischer Soldaten. Die umfassenden Berichte des "Leutnants Schragmüller" fielen dem Leiter der Nachrichtenstelle auf. Hauptmann Kefer war erstaunt, eine Frau kennenzulernen, dennoch bot er ihr eine feste Stelle an. Bis Anfang 1915 wurde sie eingearbeitet, danach übertrug ihr der Chef des Geheimdienstes bei der Obersten Heeresleitung, Major Walter Nicolai, die Leitung des Nachrichtendienstes gegen Frankreich, zunächst in Antwerpen, von 1917 an in Freiburg. Dort baute sie ein Agentennetz aus französischen Deserteuren auf.

In ihrem einzigen autobiografischen Bericht von 1929 erklärt sie, dass sie "niemals als ›Spionin‹ [...] zu Ermittlungen irgendwelcher Art in das feindliche Ausland entsandt worden" sei. Vielmehr lag ihre Aufgabe "in der Organisation der systematischen Aufklärung des bis nach Amerika reichenden westlichen Kriegsschauplatzes, in der Gewinnung von [Verbindungspersonen], in ihrer Instruktion, in der Sicherstellung ihrer Meldewege [...], in der Abfassung und Weiterleitung der Meldungen an das Große Hauptquartier".

Bereits im Krieg entstanden bei Franzosen und Engländern verschiedene Legenden um "Mademoiselle Docteur". Dass sie tatsächlich Elsbeth Schragmüller hieß, war nur wenigen bekannt. Sie selbst hat sich äußerst zurückgehalten. Memoiren gibt es nicht, auch ein Nachlass ist nicht vorhanden. Sie schrieb über ihre Tätigkeit nur in dem 1929 herausgegebenen Sammelwerk "Was wir vom Weltkrieg nicht wissen". Sie bestätigte darin, dass sie die berühmt-berüchtigte "Mademoiselle Docteur" sei, über die zu ihrem Ärger viel Falsches in der Presse zu lesen gewesen sei. In der Tat erschienen nach dem Ersten Weltkrieg Romane mit völlig frei erfundenem Inhalt über die Geheimdienst-Mitarbeiterin.

Der Ausstellungskurator: "Elsbeth Schragmüller war eine Schreibtischtäterin, die aus dem Büro die Fäden zog, und dazu beitrug, der geheimdienstlichen Arbeit in der deutschen Armee Struktur und System zu geben, die aber niemals öffentlich in Erscheinung trat, geschweige denn ins Rampenlicht rückte." Mit Mata Hari, die genau das Gegenteil verkörperte, stand Elsbeth Schragmüller in Kontakt: Die beiden trafen sich im März 1916 im Kölner Domhotel, wo Mata Hari Instruktionen direkt von der Vorgesetzten erhielt.

Nach dem Krieg setzte Elsbeth Schragmüller zunächst ihre Laufbahn an der Freiburger Universität fort. Eine Tuberkulose-Infektion fesselte sie später überwiegend ans Bett. 1940 verstarb sie 52-jährig in München.

Forum für Zeitreisende

Wer mehr wissen möchte über Elisabeth Schragmüller und die weiteren Protagonisten der Schau, kann online im "Forum für Zeitreisende" stöbern. Dort schreiben sie aus heutiger Sicht und sehr persönlich von ihren Erfindungen und geheimen Waffen, über geklautes Wissen, ihre Arbeit und ihr Leben. Sie sind online miteinander vernetzt und tun das, was sie zu Lebzeiten nicht konnten: Sie kommentieren gegenseitig ihre Beiträge.

Im 1929 veröffentlichten Sammelband "Was wir vom Weltkrieg nicht wissen" gab sich Elisabeth Schragmüller als Agentin zu erkennen. Sie veröffentlichte einen kurzen Bericht ihrer Tätigkeit. Besucher der Ausstellung können sich daraus vorlesen lassen.
Nur wenige Abbildungen existieren von Dr. Elsbeth Schragmüller.
Autor:

Siegfried Schönfeld aus Marl

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