Vogelrettung am Phoenix-See

Nilgansfamilie auf dem Phoenix-See
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Bei einem Spaziergang am Phoenix-See in Dortmund Hörde konnten wir eine Nilgansfamilie beobachten. Mama, Papa und 6 kleine Küken schwammen durch den See und pickten am Ufer an den Grashalmen. Die kleinen Flauschbällchen waren vielleicht eine Woche alt. Ein Küken fiel auf - es blieb immer etwas zurück und legte sich oft hin. Wir nahmen es genauer in Augenschein und sahen, dass es an beiden Beinen verschnürt war. Am linken Bein besonders schlimm, dort war das kleine Beinchen schon sehr stark angeschwollen. Beim Laufen lahmte es deutlich. Sofort stand fest, dass die Verschnürung so schnell wie möglich entfernt werden muss, damit das kleine Gänsekind nicht ein oder sogar beide Beine verliert.

Die kleine Vogelkinderschar war an Menschen gewohnt und man konnte sehr nah an sie heran kommen - unter den wachsamen Augen der Vogeleltern. Unsere Versuche das kleine Küken einzufangen schlugen leider fehl. Einfach einen Hut drüber werfen - das war zu einfach gedacht - und hat natürlich nicht funktioniert. Ein Spezialist musste her.

Ein Vogelfänger muss her

Weltmeister im Fangen von Wasservögeln ist Steffi. Stefanie Neto Mendonca kommt aus Witten und ist aktiv im Tierschutz, insbesondere was den Schutz von Vögeln angeht. Seit vielen Jahren ist sie bei der Paasmühle in Hattingen tätig, einer der wenigen Wildvogelaufzuchtstationen weit und breit. Es kostete mich einen Anruf - und Steffi erklärte sich sofort bereit zu kommen. Wir machten einen Treffpunkt aus und nach einer Stunde staureicher Autofahrt war sie mit drei Helfern am Ort.

Die Nilgansfamilie wurde mit Toastbrot angelockt und stürzte sich sofort auf die hingeworfenen Bröckchen. Genauso schnell wie die heran eilenden Gänse waren Steffis Hände, die das richtige Küken mit Lichtgeschwindigkeit ergriff. Der Protest des Ganters war ihr sicher - mit Flügelschlag und Protestgeschnatter attackierte er die vermeintliche Kükendiebin. Ihre Helfer mussten die Vogeleltern gegen sie abschirmen, solange sie das Küken in den Händen hielt.

Die Schnüre müssen gelöst werden, sonst sterben die Beine ab.

Vorsichtig wurden die Schnüre von den Beinen entfernt. Ausnahmsweise war es diesmal keine achtlos zurückgelassene Angelschnur, die für die Pein des Kükens verantwortlich war. Mit der Schere wurden die Schnüre durchtrennt und aus den mit Hornplatten versehenen Reptilienbeinen gezogen. Ein Beinchen blutete stark, die Verschnürung saß also schon tief im Fleisch. Die Verletzung wurde desinfiziert und nach kurzer Zeit hörte es auf zu bluten. Die Blutgerinnung ist bei Wasservögeln ausgesprochen effizient.

Das Bein ist noch angeschwollen, aber das Küken konnte zurück zur Familie. Das kleine Vogelkind wurde zurück zu den Eltern gebracht – die sich wenig dankbar zeigten und noch mal kräftig gegen die Entführung ihres Kindes protestierten. Als die Familie wieder vereint war, waren Eltern und Geschwister aber genauso schnell wieder zufrieden. Der kleine Unglücksrabe schien glücklich zu sein, von seiner Pein befreit worden zu sein. Er stellte sich groß und stolz vor seine Geschwister.

Mehr über die Organisation Steffi-hilft findet man im Internet unter www.steffi-hilft.org

Autor:

Britta Müller aus Marl

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