Offener Brief
Bürgerinitiative zum Erhalt des Jahnstadion Waldes

Um unserem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben wir schon am 28.5.'19 einen offenen Brief an den RVR gesandt (voraussichtlich ändert dieser den Regionalplan so, dass der Investor bauen kann). Darin weisen wir auf Unstimmigkeiten und Zusammenhänge hin.

Marl, 28.05.2019
An Frau Regionaldirektorin

Sehr geehrte Frau Geiß-Netthöfel,

als Marler Bürgerinitiative zum Erhalt des Jahnstadionwaldes beschäftigen wir uns seit nunmehr zwei Jahren damit, eine Bebauung dieses Waldes zu verhindern, der mit seinen etwa 700 Bäumen auf einer Fläche von knapp 4 ha zum Teil aus über einhundertjährigen gesunden Eichen und Buchen besteht. Dieser Wald ist neben den Funktionen als Luftschneise, als Abkühlungs- und Staubfilterraum auch ein überaus stark frequentiertes Naherholungsgebiet innerhalb des Siedlungsraumes in Marl Hüls. Dieser Grünzug ist in den 60er Jahren in Zusammenarbeit mit der TU Berlin bewußt so konzipiert worden. Die Stadt Marl will diese Fläche als Baugebiet ausweisen und eine Änderung des Flächennutzungsplanes herbeiführen. Das Bauland soll an die Fakt AG verkauft werden, die auf dieser Fläche hochpreisige Häuser mit Eigentumswohnungen errichten will. Die Planung sieht die Bebauung des sportlich noch genutzten Jahnstadions sowie des angrenzenden Waldes vor. In diesem Zuge werden nach unseren Recherchen vorerst mindestens 300 Bäume der Bebauung zum Opfer fallen.
Derzeit steht diesem Vorhaben jedoch der noch gültige Regionalplan entgegen, in dem grosse Teile des geplanten Baugebietes als Grünfläche mit sportlicher bzw. schulischer Nutzung ausgewiesen sind. Eine Bebauung ist mit dieser Rechtsgrundlage derzeit nicht möglich.
Mit grosser Irritation haben wir jedoch die vorgesehenen Änderungen in dem Entwurf zum neuen Regionalplan zur Kenntnis genommen. Hier wird der Hülser Jahnwald komplett als Siedlungsbereich deklariert, womit einer zukünftigen Bebauung nichts mehr im Wege stehen würde.
Uns stellt sich hier jedoch die Frage, wie die vorgesehene Umwidmung des Plangebietes mit den im folgenden zitierten Vorgaben im Regionalplan-Entwurf zu vereinbaren sind.
Demnach sollen
Freiflächen, die aufgrund ihres Standortes im Siedlungsbereich besondere klimatische Funktionen übernehmen (z.B. als Kaltluft- oder Frischluftleitbahnen) oder die eine besondere Funktion für die Ortsrandgestaltung besitzen, auch weiterhin in die Siedlungsstrukturen eingebunden werden. (zu G1.1-5)
oder
Mit Blick auf die vielfältigen Funktionen, die innerstädtischen Freiflächen für die städtische Attraktivität und Gliederung, die Lufthygiene und Temperaturregelung sowie die Gesundheitserhaltung und Erholung zukommt, kann es im bestimmten Fällen sinnvoll und geboten sein, der innerstädtischen Entwicklung von Freiräumen Vorrang vor der Nachverdichtung zu geben. ( zu G1.1-7)
oder
Auf Integrierte Brachflächen, die einen besonderen Wert als Grünflächen für die Auflockerung des Wohn- und Arbeitsumfelds, für die Naherholung, für Sport- und Freizeitnutzungen, für das Stadtklima oder den Biotop- und Artenschutz haben, soll eine bauliche Nutzung unter besonderer Beachtung dieser Funktionen erfolgen, bzw. möglichst im Einklang mit diesen Funktionen realisiert werden. ( zu G 1.1-8 )
und insbesondere auch das Ziel 1.2-1 Berücksichtigung finden
Wohnbauflächen bedarfsgerecht entwickeln
Die bauleitplanerische Sicherung von Bauflächen und Baugebieten, die sich für den Wohnungsbau eignen, hat bedarfsgerecht auf Basis der ruhr FIS- Siedlungsflächenbedarfsrechnung zu erfolgen
Den Bedarf wirklich nachzuweisen, ausgerechnet in diesem Naherholungsgebiet eine hochpreisige Wohnbebauungen zu errichten, dürfte sehr schwierig sein. Es gibt in Marl durchaus andere Möglichkeiten, den geringen Bedarf an neuem, bezahlbarer Wohnraum zu decken .
Sollte also der neue Regionalplan genehmigt werden, würde in Marl von vier möglichen Bauvarianten diejenige ausgewählt , die den grössten Baumverlust mit sich bringt. ( siehe Umweltgutachten zum Bauvorhaben )
Die BI zum Erhalt des Jahnstadion-Waldes fordert Sie deshalb auf , den Regionalplan-Entwurf an dieser Stelle entsprechend zu ändern, da es sich bei dem Jahnwald um eine unbedingt erhaltenswerte Grünfläche im Sinne der oben genannten Grundsätze und Ziele handelt und es umfangreiche Nutzungs-Alternativen zu einer Bebauungsmaßnahme gibt.
Gerade wegen dieser überaus positiven Ansätze im Regionalplan-Entwurf , darf dem Drängen der Stadt Marl , des Investors und seiner Fürsprecher auf keinen Fall nachgegeben werden.
Der Investor und die Stadt kündigen, noch für 2019, einen Baubeginn an. Dies sollen Gespräche und Vereinbarungen mit dem RVR ermöglichen. Wie soll das nun wieder vonstatten gehen ? Im Hinblick auf den neuen Regionalplan Ruhr, der in einer Entwurfsfassung veröffentlicht wurde , sind viele Bürgereinwände erhoben worden ! Über diese Einsprüche der Bürger kann sich die Stadt Marl und der Regionalverband Ruhr nicht einfach hinwegsetzen. Erst muss der neue Regionalplan rechtskräftig werden.
Oder steht dies alles im Zusammenhang mit einer eventuellen Einflussnahme der Fakt AG auf den RVR ? Namhafte Mitglieder der Aufsichtsrates der Fakt AG sind auch Mitglieder in Verbänden und Vereinen, die dem RVR nahestehen.
Unsere Zweifel an der Handlungsweise werden auch dadurch genährt, dass der RVR im europäischen FFH-Naturschutzgebiet „Die Burg“ in Marl den bestehenden besonders wertvollen Wald ohne Not großflächig gerodet hat. Klagen dagegen sind anhängig.

Sehr geehrte Frau Geiß-Netthöfel, um Ihnen einen Eindruck von der Situation in Marl zu vermitteln, möchten wir Sie gerne persönlich zu einem Ortstermin in den schönen Jahnwald einladen. Sicher werden auch Sie überzeugt sein, dass in diesem Falle eine Bebauung nicht die beste Alternative ist.
Bitte beantworten Sie dieses Schreiben innerhalb der nächsten zwei Wochen. Im übrigen behalten wir uns vor, diesen Brief dann an die Presse weiter zu leiten.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Schmidt
(Sprecher der Bürgerinitiative )

Autor:

Vera Ludolf aus Marl

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