Rolf Abrahamsohn Holocaustüberlebender aus Marl zu Gast im Polizeipräsidium

v.l.n.r.: Thomas Köhler (Villa ten Hompel), Rolf Abrahamsohn, Friederike Zurhausen (Polizeipräsidentin), Peter Römer (Villa ten Hompel)
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Kürzlich wurde Rolf Abrahamsohn, einer der letzten Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust, von Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen zu einer Dialogveranstaltung in das Polizeipräsidium eingeladen. Weitere Gäste der Gesprächsrunde waren Thomas Köhler und Peter Römer von der Villa ten Hompel (Münster). Die Vertreter der Villa ten Hompel unterstützen das Polizeipräsidium in der Aufarbeitung und Dokumentierung der Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus.

Rolf Abrahamsohn schilderte eindrucksvoll die dramatischen und schockierenden Erlebnisse, von seiner Inhaftierung, über die Deportation bis hin zu den Umständen in den Konzentrations- und Arbeitslagern, während der Zeit des Nationalsozialismus. Intensiv wurde ebenfalls die damalige Rolle der Polizei im Nationalsozialismus thematisiert.

Holocaustüberlebender aus Marl

Zur Person Rolf Abrahamsohn: Am 09. März 1925 wurde Rolf Abrahamsohn als dritter von insgesamt vier Söhnen in Marl geboren. Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg als deutscher Frontsoldat kämpfte, heiratete 1919 Rolfs Mutter. Gemeinsam betrieben sie ein Textilgeschäft. Rolf Abrahamsohn hatte eine sehr glückliche Kindheit. Er wuchs vor allem mit christlichen Freunden auf, ohne Unterschied zwischen Juden und Christen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich dies schlagartig. Alle Familienmitglieder von Rolf Abrahamsohn kamen in KZs  um. Selbst durchlebte er sieben verschiedene konzentrations- und Arbeitslager und wog am Ende nur noch 39 kg. Dennoch wirkte er nach dem Krieg maßgeblich daran mit, das jüdische Leben im Ruhrgebiet aufzubauen,  obwohl ihm die Bilder der Vergangenheit keine Ruhe gönnen.

Pogromnacht in  Marl.

Rolf Abrahamsohn der letzte Überlebende des Holocaust in Marl erinnert sich an die Gewalterfahrungen in der NS-Zeit, von der Ermordung seiner Familie.
„1938 erlebte ich mit meiner Familie die Pogromnacht in meiner Heimatstadt Marl. Unser Haus an der Loestrasse, in dem sich auch unser Geschäft befand, wurde von den Nazis in Brand gesetzt. Mein Vater wurde brutal von SA-Leuten zusammengeschlagen und im brennenden Geschäft zurückgelassen. In letzter Minute konnten wir ihn retten. Mein Vater konnte mit meinem Bruder Hans kurze Zeit später nach Belgien fliehen, meine Mutter, mein kleiner Bruder Nobert und ich sollten nachkommen. Noch bevor wir das Geld für den Fluchthelfer zusammen hatten, wurden die Grenzen dicht gemacht und so mussten wir zurückbleiben.
Zwei Wochen nach der Pogromnacht mussten wir Marl verlassen, die Stadt wollte ja „judenrein“ werden. Unser Haus nahm uns die Stadtverwaltung Marl weg, dort zog die NSDAP ein.

Polizeibataillone  im  Holocaust 

"Die Polizei hat im Terrorsystem des Nationalsozialisten eine schreckliche Rolle gespielt. "Polizeibataillone" waren an vielen Gräueltaten beteiligt und für die Ermordung von tausenden jüdischen Opfern verantwortlich. Auch die Polizei Recklinghausen hat da keine Ausnahme gemacht. Für die Polizei ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung - Das Gewaltenmonopol liegt bei der Polizei. Polizisten können im Rahmen der Rechtsvorgaben Grundrechte von Menschen einschränken. Das bedeutet auf der einen Seite eine besondere Machtposition. Das bedeutet aber auf der anderen Seite eine besondere Verantwortung für jeden einzelnen Polizeibeamten. Dieser Verantwortung kann die Polizei nur im Kontext mit der eigenen Geschichte gerecht werden", sagte Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.

Im Anschluss der zum Nachdenken anregenden Schilderungen von Rolf Abrahamsohn nutzte das Publikum, das sich aus Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten des Polizeipräsidiums zusammensetzte, die Möglichkeit, Fragen an Herrn Abrahamsohn zu richten.

"Wir erkennen unsere Verantwortung an, uns mit der schwarzen Zeit der deutschen Geschichte auseinander zu setzen. Darum ist es mir besonders wichtig, die Erlebnisse von Rolf Abrahamsohn als einen der letzten Zeitzeugen mit Unterstützung der Villa ten Hompel festzuhalten und an unsere weiteren Generationen weiterzugeben.", betonte Friederike Zurhausen.

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