Pfarrer Kerstiens fordert Schuldbekenntnis der Kirchen
Weltzentrum-Ausstellung in Marl zeigt bedrückende Berichte über Verfolgung von Lesben und Schwulen

Das Foto zeigt von links: Agnes Kaufhold (amnesty), Pfarrer Ferdinand Kerstiens, Referent Dr. Michael Brinkschröder, Klaus-Dieter Hein  (Marler Weltzentrum).
  • Das Foto zeigt von links: Agnes Kaufhold (amnesty), Pfarrer Ferdinand Kerstiens, Referent Dr. Michael Brinkschröder, Klaus-Dieter Hein (Marler Weltzentrum).
  • Foto: Gabi Hein-Eisenberg
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„Es ist was es ist, sagt die Liebe“, heißt es in einem Gedicht von Erich Fried. Dass das nicht überall akzeptiert ist, macht die Ausstellung „Verschaff mir Recht“ deutlich, die das Marler Weltzentrum im insel-Forum im Marler Stern zeigt. Sie informiert über die Kriminalisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LSBT) und die katholische Kirche.
Der emeritierte katholische Pfarrer Ferdinand Kerstiens thematisierte die leidvolle Geschichte der Betroffenen in einem sehr gut besuchten Impuls im Kirchpavillon im Marler Stern. Er berichtete vom Outing vieler Menschen 1970 in der katholischen Studentengemeinde Münster. Sie wurden von Familie, Freundinnen und Freunden, ihrer Kirchengemeinde ausgegrenzt, egal ob evangelisch oder katholisch. Das Outing aber war eine Befreiung für die, die es wagten zu ihrer Natur zu stehen. Kerstiens: „Hier muss ein Schuldbekenntnis der christlichen Kirchen stehen, die Homosexuelle und andere Formen der Sexualität verteufelt haben.“ Dazu gehöre auch die Bitte um Vergebung, was aber noch nicht laut und glaubwürdig genug in der Kirche geschehe.
Anschließend wurde die Ausstellung vor dem Weltzentrum mit einem Beitrag von Michael Brinkschröder aus München eröffnet. Er hat sie für die ökumenische Gruppe „Homosexualität und Kirche“ (HuK) konzipiert. In über 70 Ländern wird LSBT mit Geld- oder Gefängnisstrafen verfolgt, in einigen sogar mit der Todesstrafe belegt.
An mehreren Beispielen verdeutlichte Brinkschröder die Probleme der Betroffenen: verstoßen von der Familie, ausgeschlossen von der kirchlichen Gemeinde, teilweise der Schule verwiesen. Besonders drastisch ist das Schicksal von Ryan Kollano. Er stammt aus einer armen Nomadenfamilie aus Kenia. Für seinen Traum zur Schule gehen zu können, musste er hart kämpfen und schaffte es bis zur Uni. Wegen seiner Homosexualität verlor er jedoch alles. Deshalb begann er in einer LSBT-Gruppe, sich aktiv für seine Rechte einzusetzen. Aber das ist lebensgefährlich. Von sieben Gründern dieser Organisation wurden vier ermordet, zwei sind untergetaucht.
Trotz der Gefahr macht er in seiner Aufklärungsarbeit weiter, „damit diese vier Menschen nicht umsonst gestorben sind“. Zu seiner Sicherheit wurde für ihn in der Ausstellung ein Pseudonym gewählt.
Das Marler Weltzentrum zeigt die Ausstellung noch bis zum 29. November im insel-Forum im Marler Stern.
(Quelle: Karl-Dieter Hein, MWZ)

Autor:

Lokalkompass Marl aus Marl

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