Tierschutz in Marl
Rückblick auf ein Jahr Taubenhaus der Stadttauben Marl e.V.

Bereit zum Umzug ins Marler Taubenhaus!
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Im Jahr 2019 haben sich ein paar Vogelfreunde zusammengefunden, um ein Taubenhaus in Marl zu planen. Das Ziel: Die Stadttauben in Marl-Mitte, die rund um den Marler Stern und den City-See leben, sollen ein neues Zuhause bekommen. Sie sollen raus aus den Dreckecken unter den Brücken und den Nischen der Parkhäuser – und rein in einen sauberen Taubenschlag mit artgerechtem Futter, frischem Wasser, Gesundheitsvorsorge – und Geburtenkontrolle.

Treibende Kraft des Projekts ist Karin Muc, die in einem Hochhaus an der Hervester Straße wohnt. Stadttauben sind entfernte Nachkommen der wilden Felsentauben. Sie möchten an Felsen leben und brüten - und da kommt ihnen ein Hochhaus gerade recht. Allerdings sind nicht alle Anwohner bereit, ihren Balkon mit gurrenden Tauben und ihren Hinterlassenschaften zu teilen. Es musste also eine Alternative her, und so kam man auf die Idee, das erste Marler Taubenhaus zu bauen.

Die Stadt Marl stand dem Projekt etwas skeptisch gegenüber, hat es aber von Anfang an unterstützt. Ein Grundstück wurde zur Verfügung gestellt, ein Stromanschluss geplant, ein stabiler Zaun gezogen. Der Zentrale Betriebshof (ZBH) der Stadt Marl steht immer mit Rat und Tat zur Seite. Die Finanzierung des Projektes erfolgt durch Spenden. Anwohner, Tierfreunde und Geschäftsleute haben für die Errichtung des Taubenhauses gespendet, Marler Unternehmen haben sich mit Material und Arbeitskraft eingebracht. Die laufenden Kosten werden aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Es gab mehrere Entwürfe für das Bauwerk. Ein gebrauchter Überseecontainer, ein Bauwagen oder ein Gartenhaus standen zur Debatte. Unser Ziel, dass die Tauben ihren Lebensmittelpunkt zum Taubenhaus verlegen sollen, konnte nur gelingen, wenn es ihnen dort gefällt. Ein guter Standort musste aufgrund der Bedenken von Anwohnern einem etwas ungünstigeren Standort weichen. Dort wurde schließlich ein professioneller Taubenschlag aufgebaut, eine gut durchdachte Vogelvoliere von der Fa. Bönninghaus aus Recklinghausen.

Bevor es losgehen konnte, musste ein Verein gegründet werden – mit allerlei verwaltungsrechtlichen Klippen, Stolpersteinen und Hindernissen. Karin Muc ließ aber nicht locker und schaffte es, den Verein in rekordverdächtiger Zeit als gemeinnützig beim Amtsgericht eintragen zu lassen. Nun war es möglich, Verträge mit der Stadt abzuschließen und offiziell Spenden zu akquirieren. Der engagierte Einsatz überzeugte Stadtväter, Sponsoren und Anwohner, dass das Projekt gelingen wird und viele beteiligten sich an den Baukosten. Leider sind auch einige der ansässigen Gewerbetreibenden, die zuvor ihre Unterstützung zugesagt haben, kurzfristig wieder abgesprungen.

Anfang 2020 wurde die Voliere, ein schlüsselfertiger Bausatz, vor dem Zentralen Omnibusbahnhof am Marler Stern auf einem eigens gefertigten Fundament, aufgebaut. Dazu waren viele Helfer erforderlich, die Wind, Regen und widriger Wetterlage trotzten. Der Bürgermeister hat das fertige Taubenhaus feierlich eingeweiht, die örtliche Presse fortlaufend und umfassend über den Stand der Dinge berichtet.

Damit die Tauben auch tatsächlich dort einziehen, wurden sie bereits im Vorfeld im Nahbereich angefüttert. Nachdem das Haus stand, mussten die Vögel mit der seltsamen Nasenwarze auf dem Schnabel lernen, in die Voliere zu gehen, um dort ihr Futter zu erhalten. Die Ernährungsumstellung von weggeworfenen Lebensmitteln auf gesundes Getreide fällt mancher Taube schwer, aber die Gesundheit wird es ihr danken. Denn nur Tauben, die artgerecht mit Körnern gefüttert werden, bleiben gesund und machen wohlgeformte, kleine Kothäufchen. Diese lassen sich im Taubenhaus, welches mit großen Kotschubladen ausgestattet ist, leicht zusammenkehren und zu Pflanzendünger umfunktionieren.

Die Täubchen sind inzwischen zahlreich in ihr neues Heim eingezogen. Nachdem sie sich dort fest etabliert haben, bauen sie auch ihre Nester in den bereitgestellten Nistplätzen. Meistens legt Frau Taube genau zwei Eier, die von beiden Eltern abwechselnd bebrütet werden. Die Küken werden mit Kropfmilch gefüttert, so dass Tauben, von der Jahreszeit unabhängig, Nachwuchs großziehen können. Sie sind weder auf Insekten noch frisches Grün angewiesen, wie zum Beispiel die Singvögel oder Wasservögel. Die Menschen haben sich das zunutze gemacht und Tauben so gezüchtet, dass sie rund ums Jahr brüten und sehr viel Nachwuchs zeugen.

Eiertausch

Da es keinen Mangel an gefiederten Schützlingen gibt, werden ihre Eier gegen Gipseier ausgetauscht, nachdem sie durchleuchtet wurden. Eier, in denen schon ein entwickeltes Küken ist, dürfen natürlich nicht mehr aus dem Nest genommen werden!

Der Eiertausch findet nicht nur im Taubenhaus statt, sondern auch an den bekannten und zugänglichen Brutplätzen rundherum. Einmal die Woche gehen die Taubenfreunde mit der Leiter durch die Stadtmitte und suchen die Taubennester, wo sie die frisch gelegten Vogeleier gegen Gipseier austauschen. Die Tauben erkennen den Betrug nicht und brüten munter weiter. Irgendwann stellen sie fest, dass sie auf „tauben Eiern“ sitzen, geben die Brut auf und fangen eine neue an. Auf diese Art und Weise lässt sich die Taubenpopulation langfristig eindämmen.

Ziel ist jedoch nicht, dass gar keine Tauben mehr da sind, denn Tauben gehören ganz klar zum Stadtbild dazu. Es soll eine gesunde und gut betreute Population sein, wo die Vögel geimpft und bei Verletzungen und Erkrankungen behandelt werden.

Etwas skeptisch betrachteten wir im Sommer ein Wanderfalkenpaar, welches sich sehr gerne auf dem Dach des Rathauses aufgehalten hat. Man hörte schon von weitem ihre Balzrufe. Wanderfalken ernähren sich von Kleinvögeln und können auch eine Taube im Flug schlagen. Der Wanderfalke war nicht in das Populationsmanagement eingeplant. Aber natürlich gehört auch er zur Stadtnatur und bereichert die Artenvielfalt im Stadtzentrum, und so heißen wir ihn willkommen, auch wenn es uns möglicherweise ein paar unserer Schützlinge kosten wird.

Mehr Informationen über den Verein „Stadttauben Marl e.V.“ finden Sie im Internet unter www.stadttauben-marl.de

Auch in anderen Städten gibt es Vereine, die sich für Stadttauben einsetzen, zum Beispiel

Autor:

Britta Müller aus Marl

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