Paracelsus-Klinik Marl beauftragt Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Aufklärung eines Abrechnungsbetrugs

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Klinikum Vest treibt Aufklärung eines vermuteten Abrechnungsbetrugs weiter voran.  In der Paracelsus-Klinik Marl wird seit mehreren Monaten der Verdacht des Abrechnungsbetrugs durch einen mittlerweile nicht mehr im Klinikum beschäftigten Chefarzt untersucht. Die Staatsanwaltschaft ist bereits durch das Klinikum informiert worden und hat die Ermittlungen aufgenommen.

Interne Ermittlungen haben den Verdacht des Abrechnungsbetruges derart verhärtet, dass das Klinikum Vest eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Dezember des letzten Jahres mit der unabhängigen Untersuchung des Vorfalls beauftragt hat. Zwischenergebnisse der Untersuchung hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft  dem Aufsichtsrat vorgestellt.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wird auch weiterhin die Untersuchung vorantreiben, ob es Abrechnungsbetrug am Klinikum Vest gab und wer hieran beteiligt war. Ziel ist eine umfassende Aufklärung. Alle Erkenntnisse dieser Untersuchung werden der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt, die dann eine strafrechtliche Verfolgung prüft.
„Der Verdacht des Abrechnungsbetrugs lastet nun schon geraume Zeit auf der Klinik“, sagt der Geschäftsführer des Klinikums Vest, Dr. Hans Christian Atzpodien. „Deshalb ist es uns wichtig – verstärkt durch eine sachkundige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft –, die Vorgänge so bald wie möglich von unabhängigen Experten vollständig aufzuklären. Leider führt die Diskussion über den vermuteten Abrechnungsbetrug dazu, dass die hervorragende Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Patienten in den Hintergrund treten. Das ist sehr schade, und das wollen wir zügig ändern.“

ehemaliger Chefarzt der Gynäkologie in Marl

In einem bislang noch nicht absehbaren Ausmaß sollen an der Paracelsus-Klinik in Marl Operationen falsch abgerechnet worden sein. Es soll es um Eingriffe gehen, die der ehemalige Chefarzt der Gynäkologie, Dr. E., in den Jahren 2017 und 2018 durchgeführt hat. An der Klinik hat er regelmäßig auch kosmetische Eingriffe durchgeführt, z.B. Brustvergrößerungen. In mehreren Fällen soll den Frauen allerdings in ein und derselben OP auch Gewebe entnommen und zur Brustkrebsabklärung eingeschickt worden sein. Dieser Teil des Eingriffs soll mit den Krankenkassen abgerechnet worden sein, möglicherweise zu Unrecht. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug und anderer Straftaten.

Ein solcher Verdacht soll sich unter anderem aus einer umfangreichen Anzeige ergeben, die bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Bochum einging.

Ermittlungen gegen einen früheren "Arzt in leitender Stellung"

Die Bochumer Staatsanwaltschaft bestätigte  die Ermittlungen gegen einen früheren "Arzt in leitender Stellung" wegen des "Verdachts des Betruges zum Nachteil von Krankenkassen und anderer Straftaten". Dieser stehe im Verdacht, "tatsächlich erbrachte Leistungen gegenüber den Krankenkassen unzutreffend abgerechnet" zu haben. Im Frühsommer 2019msei es deshalb zu Durchsuchungsmaßnahmen in mehreren Privat- und Geschäftsräumen im Rheinland und im Ruhrgebiet gekommen. Dabei soll nach den Recherchen auch die Klinik durchsucht worden sein.

laufendes Verfahren

Dr. E., der mittlerweile eine Privatklinik für Schönheitsoperationen betreibt, äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Über seinen Anwalt teilte er mit, dass er in dem laufenden Verfahren und ohne Zustimmung der Klinik in Marl "nicht befugt" sei, Auskunft zu erteilen. Sein Anwalt verwies auf die Unschuldsvermutung.

Chefarzt in Marl fristlos gekündigt

Dr. E. wurde nach knapp zwei Jahren als Chefarzt in Marl im Juli 2018 fristlos gekündigt - allerdings nicht wegen der Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft nun erhebt. Die Klinikum Vest GmbH, zu der die Paracelsus Klinik in Marl gehört, erklärte, dass später weitere Kündigungsgründe nachgereicht und fortlaufend ergänzt worden seien.  

per Dienstanweisung untersagt

Während seiner Tätigkeit sollen Patientinnen für kosmetische Eingriffe auch mehrfach direkt in bar bezahlt haben. Dies sei dem Chefarzt dann bereits im März 2017 - also mehr als ein Jahr vor seiner Kündigung - per Dienstanweisung untersagt worden. Die Klinik erklärt weiter, man habe die Staatsanwaltschaft über die Vorwürfe selbst informiert und stehe weiterhin mit ihr in engem Dialog. Konkret angesprochen auf einen möglichen Abrechnungsbetrug bei Schönheitsoperationen antwortete die Klinik: Soweit sie "von den angesprochenen Vorwürfen Kenntnis erlangt" habe, habe sie der Staatsanwaltschaft die notwendigen Unterlagen weitergeleitet. Wer möglicherweise innerhalb der Klinik wann von was Kenntnis erlangt hat, ist bislang unklar. Die Klinik erklärte, dies sei auch Gegenstand der staatsanwaltlichen Untersuchung.

Autor:

Siegfried Schönfeld aus Marl

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