Eröffnung des Museums im Schmarotzerhaus

Die seit Wochen kostenlos verteilten Eintrittskarten für die heutigen Führungen waren allesamt vergriffen, was für den Erfolg der Sponsoren der Restauration des Schmarotzerhauses sprechen dürfte. Ehrenamtliche Helfer in nostalgischer Kleidung führten einzeln durch die Räume und hätten Stunden länger erzählen können, wenn nicht Frau Jutta Törnig-Struck, Museumsleiterin, darauf bedacht gewesen wäre, einigermaßen mühsam auf die Einhaltung des gesteckten Zeitplans zu achten. Um jedoch so vielen Interessierten wie möglich einen ersten Einblick gewähren zu können, war die Zeit der einzelnen Führungen auf 30 Minuten beschränkt. Maximal 16 Besucher drängten sich in die jeweils kleinen Zimmerchen des Hauses.

Warum „Schmarotzerhaus“? Wo möglich, nutzte man damals die mittelalterliche Stadtmauer als rückwärtige Hauswand, so daß man nur noch drei neue Wände des Hauses errichten mußte. Man „schmarotzte“ also ganz offiziell und mit städtischer Genehmigung.
Das heute eröffnete Häuschen „An der Stadtmauer 5“ war als einziges in Aufteilung und Grundriss unverändert, allerdings stark verfallen. Die Stiftung „Denkmal und Kultur“ konnte dieses einmalige Denkmal am 27. November 2009 nach langen Restaurierungen an die Stadt Menden übergeben. Mit viel Liebe zum Detail wurde Zimmer für Zimmer nach altem Vorbild eingerichtet, so daß die Besucher einen guten Einblick in das Leben der arbeitenden Bevölkerung nehmen konnten.

Im Eingangsbereich, den wir heute allenfalls als Diele nutzen würden, spielte sich das Familienleben hauptsächlich ab. Kaum vorstellbar, auf etwa 5 Quadratmetern neben bis zu 10 Kindern zu kochen, waschen, baden... halt leben. Auffällig ist der ziemlich niedrige Herd, der mit Holz zu beheizen war. Wie auch insgesamt sehr niedrige Decken läßt er die Vermutung zu, daß die Menschen über die letzten Jahrhunderte immer größer wurden. Nach hinten rauß wurde die Stadtmauer, die als Rückwand des Hauses diente, durchbrochen, um dort ein sog. „Plumps-Klo“ einzubauen. Auf diese Demonstration wurde bei der Restaurierung allerding zugunsten einer modernen Toilette verzichtet, was sicherlich mancher Besucher schon heute zu schätzen wußte.
Beide kleine Nebenräume sind als Werkstätten eingerichtet – eines für einen Schuhmacher und eines für einen Schneider. Damals dürfte eines dieser Zimmer als kleine „gute Stube“ gedient haben.
Ebenfalls drei kleine Räume in der oberen Etage, zu der eine enge Holzstiege führt, die eher an eine Leiter als an eine Treppe erinnert. Ein Zimmerchen wurde für die Hausfrau eingerichtet – zum bügeln, waschen, trocknen, mangeln – also ebenfalls Arbeitszimmer. Zwei weitere Zimmer als Schlafgemache. Keine Kleiderschränke – Wäsche wurde in Truhen verwahrt, die je nach finanziellen Verhältnissen der Bewohner in der Größe variierten. Während den Eltern ein größeres Bett zur Verfügung stand, teilten sich oft mehrere Kinder eine Schlafstatt. Kinderspielzeug, falls vorhanden, war meist einfach und/oder aus Holz selbst gemacht. Allerdings war das Haus sicherlich nicht zum Spielen und langem Verweilen der Kinder geeignet. Außerdem mußten insbesondere die Töchter der Familie weit mehr als heute üblich bei der Hausarbeit helfen.

Für weiter Interessierte erwähnte Frau Törnig-Struck geplante Work-Shops, die einen erweiterten Zeitrahmen und somit Einblick in das Leben einstiger Tagelöhner ermöglichen werden.

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