Hilfe im Alltag
Wenn die Familie die Pflege zu Hause übernimmt

Häusliche Pflege ist für pflegebedürftige Familienangehörige und nahestehende Menschen möglich. Rund um die Pflege und Entlastung von pflegenden Angehörigen informieren und unterstützen die Pflegeberaterinnen des Märkischen Kreises. Raffi Derian/Märkischer Kreis
  • Häusliche Pflege ist für pflegebedürftige Familienangehörige und nahestehende Menschen möglich. Rund um die Pflege und Entlastung von pflegenden Angehörigen informieren und unterstützen die Pflegeberaterinnen des Märkischen Kreises. Raffi Derian/Märkischer Kreis
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Märkischer Kreis. Für pflegebedürftige Familienangehörige und nahestehende Menschen ist eine häusliche Pflege möglich. Hilfreiche Fragen und Tipps für eine Entscheidung, ob die häusliche Pflege der richtige Weg ist – darüber informiert Simone Kuhl von der Pflegeberatung des Märkischen Kreises.

"Mit ganzer Kraft helfen – das ist der erste Impuls der Angehörigen, wenn jemand in der Familie pflegebedürftig wird", erzählt Simone Kuhl von der Pflegeberatung des Märkischen Kreises. Aus ihrer Arbeit als Pflegeberaterin weiß sie: Viele entscheiden sich doch recht spontan und aus dem Bauch heraus dafür, die Pflege zu Hause zu übernehmen. Nach einigen Wochen der häuslichen Pflege sind die Angehörigen meist stark belastet und es kann zu inneren Konflikten in der Familie kommen.

Hilfreiche Fragen, die eine Entscheidung erleichtern können Um solchen Situationen vorzubeugen, rät Pflegeberaterin Simone Kuhl: "Vor der Entscheidung, ob die Angehörigen die häusliche Pflege übernehmen, sollten sie sich grundsätzlich fragen: Ist dieser Schritt meine freie Entscheidung?".
Durch die Beratungsgespräche kennt sie viele Gedanken der Angehörigen, die den Schritt zur häuslichen Pflege beeinflussen können. "Häufig wurde den Eltern vor längerer Zeit mal versprochen, dass sie nicht in ein Seniorenheim ziehen müssen. Viele fühlen sich dann verpflichtet, das Wort zu halten", erzählt Kuhl und weist darauf hin: "Es sollte immer berücksichtigt werden, dass das Versprechen aufgrund der Pflegesituation nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel, weil die Versorgung sehr aufwendig ist oder technische Geräte zur Pflege benötigt werden. Die Angehörigen sollten sich keine persönlichen Vorwürfe machen".

Andere Zwickmühle: das Erbe. Oft wurde in einem Testament festgelegt, dass die Kinder das Haus der Eltern erben, wenn sie die Pflege dieser übernehmen. Kuhl: "Das ist ein verständlicher Grund, der eine Entscheidung beeinflusst. Aber auch hier sollte die Frage vordergründing sein: Bleibt es meine eigene Entscheidung, meine Mama, meinen Papa oder andere Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden zu pflegen? Kann ich das wirklich leisten?".

Zusätzliche Fragen, die für Angehörige vor der Übernahme der Pflege wichtig sind: "Was sind meine Gründe, die Pflege zu übernehmen? Wie war die Beziehung zur pflegebedürftigen Person bisher? Wer unterstützt mich bei der Pflege? Kann die Arbeit gerecht (zwischen Geschwistern) aufgeteilt werden?", so Kuhl. Auch Gedanken über Aufgaben, die der Pflegende auf keinen Fall übernehmen möchte, sind wegweisend. Hilfreich ist zudem: Ist der Platz im Haus / in der Wohnung ausreichend, um die Pflege zu übernehmen? Wie viel Zeit wird für die Pflege benötigt und auf welche Freizeitaktivitäten möchte ich auf keinen Fall verzichten? Kann ich die Pflege mit meiner eigenen Familie/ meinem Beruf vereinbaren?

Auch der Ort der Pflege kann ein Grund sein, um sich für oder gegen eine häusliche Pflege zu entscheiden. "Hier sollte reflektiert werden: Kann der Pflegebedürftige noch allein in der Wohnung bleiben? Muss an einen Umzug gedacht werden oder findet die Pflege womöglich im Haushalt der Angehörigen statt?", weiß Kuhl.

Finanzierung der Pflege reflektieren

Weiterer Entscheidungsfaktor: die Finanzierung der Pflege. Kuhl: "Eine Pflege in den eigenen vier Wänden des Angehörigen kann Kosten verursachen, zum Beispiel, wenn die Wohnung barrierefrei umgestaltet oder Pflegehilfsmittel angeschafft werden müssen". Hilfreiche Fragen sind dann: Welche Leistungen werden von der Pflegeversicherung unterstützt beziehungsweise welche Hilfen stehen zur Verfügung? Was passiert, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung für die häusliche Pflege nicht ausreichen?

Pflegeberatung unterstützt Familien umfassend Pflegeberaterin Simone Kuhl rät abschließend: "Von der Entscheidung bis zur Pflege zu Hause sollten sich Familien einen verlässlichen Partner suchen, der sie auf diesem neuen Weg begleitet.". Grund: Es kann immer wieder zu Situationen kommen, in denen neue Fragen aufkommen und Unsicherheit herrscht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Pflegebedürftige weiter erkrankt und daraus ein wachsender Pflege- und Hilfebedarf entsteht. "Eine große Hilfe bietet unsere kostenlose, individuelle Pflegeberatung des Märkischen Kreises. Wir helfen bei Fragen zu diesem sensiblen Thema gerne weiter", betont Kuhl und weist auf das umfassende Angebot der Telefon- und Videosprechstunden hin. Termine und Infos unter https://www.maerkischer-kreis.de/, Stichwort Pflegeberatung.

Rund um die Pflege und Entlastung von pflegenden Angehörigen informieren und unterstützen die Pflegeberaterinnen des Märkischen Kreises. Dafür bieten sie Sprechstunden vor Ort und Hausbesuche an. Der Schwerpunkt der Pflegeberatung liegt auf einer individuellen Beratung. Das heißt, es wird nach einer passenden und bedarfsgerechten Lösung für die weitere Versorgung des Ratsuchenden und seiner Familie geschaut. Dabei geht es um die Beschaffung von Hilfsmitteln oder wohnortnahe Versorgungs- und Betreuungsangebote genauso wie um Antragstellung und Leistungen der Pflegeversicherung. Die Pflegeberatung ist unabhängig, umfassend und kostenlos! Die Pflegeberatung ist telefonisch unter: 02352/966-7777 oder: pflegeberatung@maerkischer-kreis.de zu erreichen.

Seit März bietet die Pflegeberatung auch Videosprechstunden an. Ein Termin muss über maerkischer-kreis.de vereinbart werden.

Autor:

Lokalkompass Menden-Fröndenberg-Balve-Wickede aus Menden (Sauerland)

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