Cars & Castle 2013 – Wenn Oldtimer plaudern könnten …

Gut gelaunt beim "Cars & Castle" im Schloss Lauersfort vor dem Mercedes 190 SL von Herbert Ruhnau (2.v.r.): Thomas Hannen und Philipp Schneider vom Lions Club Moers (r. und l.) mit Michael Birr von Moers Stadtmarketing (2.v.l.)
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  • Gut gelaunt beim "Cars & Castle" im Schloss Lauersfort vor dem Mercedes 190 SL von Herbert Ruhnau (2.v.r.): Thomas Hannen und Philipp Schneider vom Lions Club Moers (r. und l.) mit Michael Birr von Moers Stadtmarketing (2.v.l.)
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Moers. Der Tag der Deutschen Einheit ist auch der „Tag der offenen Moscheen“, im Moerser Schloß Lauersfort etabliert sich dieser Feiertag zum „Tag der Oldtimer“. Bei der 3. Auflage von „Cars & Castle“ vor herrschaftlicher Kulisse fuhren weit über 120 automobile Schätzchen knatternd und protzend vor die Schlosspforten oder in den stattlichen Innenhof. Den Glanz in den Augen bei so viel Chrom, Lack und Leder teilten sich die stolzen Eigentümer mit den über 1000 begeisterten Oldtimerliebhabern. Es wurde viel über die vergangenen mobilen Zeiten geschwelgt, geplaudert und diskutiert, von „Originallack“ über „Restaurierung“ bis „Pferdestärken“ wurde kein Begriff der motorisierten Historie ausgelassen. So mancher Buick aus den 30-er Jahren oder Karmann Ghia Cabrio hätte noch das ein oder andere Döneken aus seiner distanz- und glorreichen Vergangenheit beitragen können.

Kindertraum erfüllt

Viele der Oldtimerbesitzer haben ihren Beruf zum Hobby gemacht, unter ihnen sind KFZ-Mechaniker, Karosseriebaumeister, Lackierer und Mechatroniker. Aber nicht alle schrauben, restaurieren und polieren von der Frühe bis in die Nacht und erwecken einen Rosthaufen aus dem Dornröschenschlaf. Viele kaufen ein restauriertes „Schätzchen“ und erfüllen sich einen lang gehegten Jugendtraum. Der Fahrzeugbauer Manfred Sabath aus Moers stand noch bis vor 2 Jahren in seinem eigenen Betrieb, inzwischen ist er 84 Jahre alt. Eine rote Borgward Isabella aus 1960 konnte er endlich vor 4 Jahren nach Umwegen von Schweden nach Rostock, zur Restaurierung in Polen und dann Verkauf im Westerwald sein Eigen nennen. Sein 60 PS-Gefährt hat erst „9.000 km auf’m Tacho, es kann aber auch 100.000 oder 200.000 davorstehen“, erzählt er dem Krefelder Ehepaar Birgit und Winfried Viol, der als Kind diesen Borgward als Schuco-Modell besaß, ausführlich. Die Liebe zum Automobil teilte Herr Sabath mit einer Schulfreundin, die Flucht aus dem Osten trennte die Beiden zum Kriegsende. Ihn zog es nach Moers, nichtsahnend, dass seine große Liebe im nur 15 km entfernten Krefeld ihren Neustart begann. Bei einem Autorennen am Nürnburgring traf man sich per Zufall 1957 wieder und es gab das erhoffte Happy-End. Solche und ähnliche Geschichten gefallen dem Ehepaar Viol und sie gesteht: „Wenn wir Zeit haben, fahren wir schon mal gerne zu einem Oldie-Treffen im Umkreis.“ Uneinigkeit beim Krefelder Ehepaar besteht nur bei der Frage, welchen Oldtimerwunsch sie sich nach einem unerwarteten Lottogewinn erfüllen würden. Während Herr Viol spontan einen Mercedes 180 mit Flügeltüren benennt, kommt seine Gattin ins Grübeln: „Ich würde mir einen Alfa Romeo Spitfire gönnen. Ich war erst 11 und dachte, den musst Du mal haben.“

Glanz von Lack und Chrom

Ähnlich träumerisch und begeistert betrachten Christa und Jörg Röhrich aus Moers ein mittel-blaues Mercedes-Cabrio mit dunkel-blauem Verdeck. Die Vorfreude über Cars & Castle kam bei ihnen, als sie im März von dem Event lasen. Den Röhrichs gefällt besonders der Glanz von dem Lack und Chrom der historischen Fahrzeuge, sie nennen keinen Oldtimer ihr Eigen. „Wir sind keine ‘Schrauber‘, ansonsten ist das schlecht“, gesteht Herr Röhrich. Einige Oldtimer weiter sitzen die Krefelder Monika und Hans-Peter Kersten in ihrem roten Honda S 800 Cabrio aus dem Baujahr 1967. Der 67 PS starke Japaner schafft 160 km/h in der Spitze, bisher ist die 1. Maschine nur 91.000 km gelaufen. Restauriert wurde das Cabrio vom belgischen Vorbesitzer, bevor es seit dem Jahr 2000 seine Runden bei schönem Wetter um Krefeld zieht. „Es ist ein reiner Garagenwagen“, erklärt Herr Kersten wie alle Oldtimerbesitzer. Einigkeit besteht bei den beiden Mittfünfzigern über die Sitzverteilung, sie gesteht: „Ich fahre lieber mit.“ Ihr Gatte wirft sofort ironisch ein: „Dann kriegen wir auch keinen Streit.“ Streit um die Nutzung der Oldtimer ist wahrscheinlich in der Familie des ehemaligen Rennfahrers Herbert Ruhnau aus Krefeld unbekannt. Herr Ruhnau kam mit einem Mercedes 190 SL von 59 in die Grafenstadt, zu dem besitzt er ein 58-er Mercedes 220 S Cabrio und einen 63-er BMW V 8 Barockengel. Gelegentlich fährt der 73-Jährige noch Oldtimer-Rallys und –Rundfahrten mit, zuletzt war er bei der ADAC TRENTINO CLASSIC.

Familienbesitz und Familienplanung

Im Juli 63 lief das beigefarbene Rekord-Coupe vom Band, seit 64 ist es im Besitz der Karosseriebaumeisterfamilie Steppen aus Willich. Vater Steppen baute es zum Cabrio um, „seit 72 durfte ich immer mal mit ihm fahren“, erzählt heute sein Sohn Hans-Josef, bevor er es 76 von seiner Schwester komplett übernahm. Seine Frau Marie-Claire teilt die Leidenschaft und erzählt augenzwinkernd: „Ab und zu fahre ich auch, es ist ein tolles Gefühl. Man fühlt sich zurückversetzt in alte Zeiten. Ungewohnt ist die Lenkradschaltung und man braucht immer etwas mehr ‘Anlaufzeit‘ zum Bremsen.“ Vor zweieinhalb Jahren gönnte Herr Steppen unter Mithilfe seines inzwischen 21 jährigen Sohnes dem Schätzchen mit dem Blitz-Emblem einen neuen Lack und ein neues Verdeck. Und klar, wie der Betrieb ist die Erbfolge für das Rüsselsheimer Prachtstück schon geklärt … der Junior lernt Mechatroniker. Weitere Familiengeschichten gab es an einigen anderen Oldtimern zu hören, wie Mitorganisator Michael Birr von Moers Stadtmarketing über beide Ohren grinsend preis gab: „Ein Ehepaar, welches einen Kadett A im Erstbesitz hat, erzählte mir, dass die ‘Familienplanung‘ und auch die Geburt der ersten Tochter auf der Rückbank stattfand.“

Lauersfort die ideale Location

Aber nicht nur solche ‘Schmunzeleien‘ bereiteten dem Marketing-Chef bei dem gelungenen Event Freude: „Cars & Castle findet zum 3. Mal auf Lauersfort statt, zum 2. Mal mit Moers Stadtmarketing und zum ersten Mal bei durchgängig schönstem Wetter.“ Birr sieht das Event schon als feste Veranstaltung im Moerser Kalender für den Tag der Deutschen Einheit: „Wir machen es, weil es gut für Moers ist. Hier geht es um Spaß, Spaß an alten Autos.“ Viele Besucher hätten ihm weiterhin viel Erfolg gewünscht und waren sehr von der entspannten Atmosphäre angetan: „Ich bin der Eigentümerfamilie, Familie Block, sehr dankbar, dass wir diese schöne Location nutzen dürfen.“ Für den Oldtimer-Event, zu dem der weiteste Teilnehmer aus Hamburg anreiste, hält Birr zukünftig Kooperationen mit Oldtimer-Clubs für denkbar. Gleichzeitig möchte er die Teilnahme des Lions-Clubs Moers um Thomas Hannen und Philipp Schneider beibehalten, ihre Aktion erbrachte einen Erlös von 600 € zugunsten „Klartext für Kinder e.V.“. Dieser Gedanke wird von der Schirmherrin des Oldtimer-Treffens, der 1. Stellvertretenden Bürgermeisterin Erika Scholten, unterstützt: „Ein Dankeschön geht auch an den Lions-Club, der heute zum ersten Mal Kaffee und Kuchen für einen guten Zweck verkauft hat.“ In ihrer Funktion als Vorsitzende der Moers-Marketing-Gesellschaft ist Frau Scholten sehr zufrieden, dass seit 2 Jahren das Team um Michael Birr mit der Eigentümerfamilie das Schloss Lauersfort mit Hochzeiten und Veranstaltungs-High-Lights wie der „Grafenhochzeit“ und Kammerkonzerten ins Rampenlicht rückt. „Es ist mehr als eine schöne Kulisse, die viele Menschen heute genossen haben. Lauersfort ist ein historischer Teil von Moers, der zur Geschichte der Grafschaft Moers gehört.“ Diese einmalige Location bereitet schon jetzt Vorfreude auf „Cars & Castle 2014“.

Autor:

Christian Voigt aus Moers

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