Sonne, Sound und Sessions - Das 43. Moers Festival in Superlativen

Festival-Premiere in der Solimare-Halle.
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  • Festival-Premiere in der Solimare-Halle.
  • Foto: Heike Cervellera
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Die 43. Ausgabe des Moers Festival fand an dem heissesten Pfingstwochenende der letzten Jahrzehnte statt. Heiß begehrt waren die Festivaltickets und die Fans der improvisierten Musik waren „heiß“ auf die neue Festivalhalle.

Das erste Konzert am Freitagabend stellte die Bühnencrew und die Soundtechniker direkt vor eine besondere Aufgabe. Sebastian Gramss‘ „Bassmasse“ besteht ausschließlich aus Kontrabassisten, ein Experiment mit 44 Musikern aus aller Welt, das eindrucksvoll gelang.

Neben der „Bassmasse“ waren weitere sechs Großformationen aus Finnland, Norwegen, Brasilien, Israel, den USA und Frankreich zu hören. Das Orchestre National de Jazz, die französische Nationalmannschaft der Jazzmusik, portraitiert in seiner ersten Produktion unter dem neuen Leiter Olivier Benoit musikalisch die Stadt Paris. Die junge Truppe überzeugte durchweg und musste dreimal zurück auf die Bühne, um sich den verdienten Applaus abzuholen.

Neben den großen Bands bildeten die Duos einen weiteren Schwerpunkt, alle mit mindestens einem Schlagzeu-ger. Joey Baron und Robyn Schulkowsky, er aus den USA, sie aus Deutschland, sind beides Schlagzeuger und bestehen auch auf dieser Bezeichnung, lehnen Begriffe wie Perkussionist und Schlagwerker ab. Die Beiden positionierten sich mit ihrem Instrumentarium exakt gegenüber, um jederzeit auf den anderen reagieren zu können und um dann die nächsten Akzente zu setzen. Nach 46 Minuten des lauten und leisen, des schnellen und langsamen Schlagzeugspiels ernteten die Musiker tosenden, lang anhaltenden Beifall.

Der Niederländer Han Bennink trat in diesem Jahr zum elften Mal in Moers auf. Mit seinem Partner Jan Hoogland am Piano überraschte der Schlagzeug-„Clown“ das Publikum ein ums andere Mal mit neuen Varianten, wie und was man alles mit Schlagzeugstöcken bespielen kann, selbst den eigenen Körper. Das Ergebnis: großartige Musik und zahlreiche Lacher.

Das Trio Jean Louis war die große Überraschung und Entdeckung des Festivals. Ein Trompeter aus Frankreich, ein Bassist aus Belgien und ein Drummer aus Italien treffen sich am Musikkonservatorium in Paris, üben täglich, entwickeln einen kreativen, kraftvollen Mix aus aktuellen Impro-Stilen, werden richtig gut – und bleiben nahezu unbekannt. Jetzt waren sie in Moers und nun kennt sie die Musikwelt.
Die Berlinerin Julia Hülsmann, aktuell die „Improviser in Residence“, schrieb alle Stücke für ihren Auftritt in Moers. Hülsmann vertonte unter anderem Gedichte von Margaret Atwood, die sie am Piano mit Theo Bleckmann, Gesang, Hayden Chisholm, Saxophon, und Moritz Baumgärtner am Schlagzeug teils in gefühlvollen, teils fetzigen Arrangements umsetzte.

Fred Frith, der Dauergast in Moers, sorgte für eine Welt-premiere. Sein 1980 erschienenes Album „Gravity“ wurde zum ersten Mal live gespielt – von der extra initiierten Gravity Band, auch ein junges En-semble voller Talente.
Reiner Michalke, der musikalische Leiter, sagte im Vorfeld des Festivals, der Star sei in diesem Jahr die neue Festivalhalle. Ja, Moers hat einen neuen Star, ein älteres Gebäude, äußerlich noch nicht so hübsch, aber mit außergewöhnlichen inneren Werten, mit denen die Halle neue Maßstäbe weltweit setzt.

Der Ton ist glasklar, vergleichbar mit einem Aufnahmestudio, die Sicht ist von allen Plätzen fantastisch, sie verströmt Atmosphäre. Und, in der heutigen Zeit wichtig, sie erfüllt alle Sicherheitsstandards, hat ein ansprechendes Foyer und großzügige sanitäre Anlagen.

Die Besucher und die Musiker fühlten sich vom ersten Tag an wohl, nahmen die Halle und den neuen Standort an. Ja, das Festival ist angekommen, räumlich, musikalisch bleibt dieses Festival niemals stehen. Die musikalischen Schwerpunkte bildeten in dieser Ausgabe Gäste aus Europa, Brasilien und den USA.

Und im nächsten Jahr? Es werden andere Regionen der Welt sein, aus denen die Musiker kommen und Moers & Friends begeistern werden. Vier Tage Sonne, vier Tage Spaß, vier Tage neue Leute und neue Kulturen kennen lernen, der alltagsgestresste Körper tankte Erholung. Der musikalische Akku ist nach vier Tagen improvisierter Musik auch wieder geladen und spätestens Pfingsten 2015 erfolgt der Reload.
Text: Klaus Denzer

Festival-Premiere in der Solimare-Halle.
Chillen am Rande der Pfingsthitze.
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Lokalkompass Moers aus Moers

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