Augenzwinkernde Gesellschaftskritik, die zum Nachdenken anregt
Wenn der Kapitän als Erster von Bord geht

Das Paradebeispiel eines Antihelden ist Kapitän Francesco Schettino, der das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia zum Kentern brachte und als Erster von Bord ging. Der havarierte Kahn ziert den Buchtitel.
  • Das Paradebeispiel eines Antihelden ist Kapitän Francesco Schettino, der das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia zum Kentern brachte und als Erster von Bord ging. Der havarierte Kahn ziert den Buchtitel.
  • Foto: Walgenbach
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Wer für andere oder eine Idee die Schädigung seiner Gesundheit zumindest billigend in Kauf nimmt und den Tod einkalkuliert, ist für die Massen und deren hedonistischen Mainstream eine suspekte Figur.

In seinem aktuellen Buch nimmt Burkhard Voß die gesellschaftliche Wandlung zu dieser Wahrnehmung aufs Korn und belegt diese an konkreten Beispielen. Er stellt fest, dass "der klassische Held eine aussterbende Spezies ist. In der Gegenwart hat dieser nichts mehr zu suchen, ein solcher Widerspruch zur Gleichheitsideologie kann nicht geduldet werden. Denn in dieser gibt es keine Feinde mehr, alles kann schließlich durch Gespräche, Kompromisse, Diplomatie und Psychotherapie gelöst werden".
Kann es selbstverständlich nicht. Doch auf dem Boden der monotonen Überflussgesellschaften des Spätkapitalismus gedeihen eher die Antihelden. So wie Francesco Schettino, der Kapitän des durch sein Verschulden im Januar 2012 spektakulär havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, der zuerst von Bord ging. Später stilisiert sich der Täter aus Verantwortungslosigkeit als Opfer - eine beliebte Methode der Antihelden, um Verantwortung von sich zu weisen. Überhaupt wird Erwachsenwerden als Zumutung erlebt, man bevorzugt lieber das Stadium lebenslangen Pubertierens.
Das Opfersein wird geradezu zelebriert. Denn Opfer sind harmlos. Helden könnten widerständig und damit gefährlich werden. Burkhard Voß verdeutlicht, wie der Postheroismus unsere Gesellschaft immer mehr schwächt, indem das Leistungsprinzip, für das prototypisch Helden stehen, immer mehr erodiert. Mit "Postheroismus" bezeichnet der an der Humboldt-Universität Berlin Geschichte lehrende Prof. Herfried Münkler übrigens den Zustand westlicher Gesellschaften, die nicht mehr bereit seien, "ihre Leben für Wertvorstellungen auf Schlachtfeldern zu riskieren". Und wie oft hat man schon - berichtigt - über einen Menschen den Satz gehört: "Mit dem kannst du keinen Krieg gewinnen"?

Gewinnspiel
Das Wochen-Magazin verlost fünf Exemplare des Buches. Wer gewinnen möchte, sendet bis Freitag, 6. Dezember, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Kapitän von Bord" und seinen Kontaktdaten an redaktion@wochenmagazin-moers.de. Es entscheidet wie immer das Los. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.
Datenschutzhinweise nach DSGVO erhalten Sie unter www.funkemedien.de/datenschutzinformation oder der kostenfreien Rufnummer 0800/8043333.

Autor:

Lokalkompass Moers aus Moers

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