Ohhhhh, ich arme Socke (von Okt. 2010)

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Sichtlich „von‘ne Socken“ war ich, als man mich zum Lunch bat. Hmmm, wird ‘ne leckere Sache ... bis ich das Kleingedruckte las. `N Lunch als Urlaubsvertretung für den Löwen tippseln, Wort für Wort in die Tasten hauen, Sätze bauen, Abschnitte hämmern bis „die Socke brennt“.

Gut, kein Thema, mach‘ ich ... genauso, wie ich meiner Freundin immer sage: „Gut, kein Thema, mach‘ ich ...“, wenn sie mich freundlich, aber bestimmt zur Hausarbeit bittet. Ich brauche keine Gleichberechtigungsdiskussion, das ist für mich selbstverständlich, auch wenn ich gerne mal die Notwendigkeit Ordnung zu schaffen, übersehe. Da unterscheidet sich sichtlich der Blick der Geschlechter, aber mit Hand anzulegen, bin ich grundsätzlich bereit. Kenne dieses aus meinem Elternhaus, anstatt der 3 gewünschten kleinen süßen Mädels, kamen 3 stramme Racker zur Welt und wirbelten im Haus einiges durcheinander. „Gut, kein Thema, mach‘ ich ...“ war sicherlich nicht einer meiner stärkeren Sätze gegenüber meiner Mutter, aber bestimmt häufiger von mir genannt, als von meinen beiden größeren Brüdern.

Aber Hausarbeit hat auch seine schönen Seiten und manche Dinge gehen mir leicht von der Hand. Schwungvoll mit dem Sauger oder Wischer über die Böden huschen, Fenster streifenfrei blitzen lassen, Treppen wischen (bei diesem Satz würde die alte K., unsere ehemalige Vermieterin, mich einer Lüge bezichtigen), Spülen, damit man wieder um meine Hand anhalten kann ... das macht sogar Spaß. Am allerliebsten koche und backe ich, ich nenne es „Kühlschrank aufräumen“, denn dessen Inhalt inspiriert mich zu Höchstleistungen und Kreativität. Nöö, das mache ich gerne und finde es sehr entspannend.

Aber wie im wahren Leben, gibt es auch beim Thema Haushalt 2 Seiten ... kommen wir nun zur Schattenseite, also der Tätigkeit, bei der ich mich am liebsten „auf’fe Socken machen“ würde. Alles, was mit Wäsche zu tun hat, gehört nicht zu meinen größten Hobbies, aber zögerlich mache ich es, da es halt sein muss. Ohne ein paar „Beinahe-Brandlöcher“, aber mit einigen zusätzlichen Knittern, wurde das Bügeln großzügig von meiner „to-do-Liste“ gestrichen. Schade aber auch ... also wurde dick der Posten „Wäsche aufhängen“ in der Liste „angemarkert“. „Gut, kein Thema, mach‘ ich ...“, Wäschetrommel auf, Hosen und Hemden lang zupfen und schwups über den Wäscheständer geworfen. Je kleiner die Wäscheteile werden, um so „unschwupsiger“ wird die gesamte Angelegenheit ... aber zögerlich mache ich es, da es halt sein muss, wie ich mich hier noch gerne wiederhole. Nur bei ...

Socken werden häufiger separat gewaschen, damit sich nicht Einzelne in anderen größeren Wäschestücken verstecken und eine wochenlange Suche beginnt. Ja, nur bei dieser besonderen Spezies von „stoffigen“ Utensilien des Kleidungsalltags beinhaltet ein bestimmter Satz meiner Freundin ganz unterschiedliche Aussagen, ob man das Verb in der 3. Person singular oder plural einsetzt. Also der übliche von mir abzuwehrende Dialog beginnt standardisiert mit „Christian, kannst Du mir mal helfen?“ Das Benennen mit vollem Namen löst einen Mechanismus „wie zu Muttern‘s Zeiten“ aus und bringt ein knurrendes „ja, was denn?“ über die Lippen. „Socken aufhängen!“ „Wie viele?“ wird unleidlich zurückgemeldet. Komischerweise schluckt immer die erwartungsvoll angespannte Atmosphäre nach dieser Einleitung das Verb des Antwortsatzes ... es ist ein nicht unwesentlicher Unterschied, ob man „es ist nur ein Paar!“ oder „es sind nur ein paar!“ sagt.

Da man aus dieser Nummer erfahrungsgemäß nur schwerlich herauskommt, spule ich auch nicht mehr die „Ausweichmechanismen“ wie „ich wollte gerade etwas Leckeres für Dich kochen“ oder „unser Hund muss raus und wir wollten gerade gehen“ ab. Auch 4 mal die Woche Rasen mähen macht da keinen Sinn. Schweren Herzens und Zähne knirschend wird in den Waschkeller gestapft ... anfänglich ist es wie bei den Hosen noch sehr „schwupsig“, Wäschetrommel auf, unzählige, ja tausende von Socken in den Wäschekorb und dann beginnt die niederschmetternde Prozedur. Die ersten fünf Paare lassen sich noch durch offensichtliche Farb- oder Mustermerkmale aus der Masse heraus sortieren. Aber dann ... dann beginnt der Horror ... nur noch dunkelgraue, anthrazit-farbene und schwarze Einheitssocken. 5 Paar Socken, alle in der gleichen Färbung, zum Sonderpreis ... da werden die Schnäppchen zum Albtraum. Akribisch und analytisch wie beim Memory-Spiel und den Zuordnungsspielen gleicher Merkmale aus der Kindergartenzeit, wird jede einzelne Socke dutzende Male untersucht und mit möglichen „Gleichgesinnten“ abgeglichen. Dem Erfindergeist des Menschen ist so viel gelungen, aber ein „Socken-Abgleich-Scanner“ sprang nicht dabei heraus ... also, weiter an’ne Socken: Erst wird die Strumpflänge verglichen, dann das Bündchen, dann das Webmuster der Ferse und die Breite der Zehenfront. Bei gefühlten 83 Paar dauert es eine knappe halbe Stunde ... Ohhhhh, ich arme Socke! Unwesentlich genervt nach dem Aufhängen, wird zum Aggressionsabbau die Leine des Hundes geschnappt und schweigsam machen wir uns von’ne Socken.

Übrigens trotz dieser für mich niederschmetternden Geduldsarbeit, bin ich noch nie wie Pippi Langstrumpf herumgelaufen.

Anmerkung:
Diese Geschichte ist schon mal als Urlaubsvertretung für Detlef Leweux' Lunch (dem Lokalkompass-Löwen) im November 2010 gepostet gewesen. Leider wurden alle Urlaubsvertretungsbeiträge gelöscht. Zu schade, da her habe ich meinen Beitrag wieder ausgegraben und aktuelle Fotos hinterlegt.

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