Gedanken zum Aluhut
Rund um den ominösen Aluhut, der aktuell in Moers gastiert

Der Aluhut, Ausdruck für eine Kopfbedeckung, für die einige Lagen Aluminiumfolie bereits reichen, ist schnell gebastelt. Ein Bastelprodukt für Kinder? Mitnichten. Der Ausdruck "Aluhut" hat es längst in politische Diskussionen und Auseinandersetzungen geschafft. Aber was soll er da? Wie wird er verwandt?

In der Regel spricht man den Aluhut Verschwörungstheoretikern zu, die sich in ihrer Blase voller ungereimten Unsinns nicht durch anderslautende Argumente beeinträchtigen lassen wollen. Mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren ist deshalb ziemlich mühsam, zumeist sogar vergebliche Liebesmüh'. Somit besitzt der Begriff Aluhut eine klar negative Bedeutung.

Jetzt aber, noch vor den Ferien, forderte die Schülervertretung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Moers die Schüler in einem Wettbewerb auf, Aluhüte gegen verstrahltes Gedankengut zu produzieren. Bei diesem verstrahlten Gedankengut dachten die Schüler aus aktuellem Anlass an die verschwörungstheoretischen Absurditäten während der Hochzeit der Coronakrise, vor denen es sich zu schützen gelte. Dass daraufhin die Verschwörungstheoretiker über die sozialen Medien die Schule heftigst angefeindet haben, sei nur am Rande erwähnt. Jedenfalls erscheint der Aluhut im Schülerprojekt in einer positiven Bedeutung.

Man sieht schon, Aluhut ist nicht gleich Aluhut, seine Bedeutung wird vom Träger oder vom Kontext bestimmt, sicherlich etwas verwirrend. Sogar die SPD Moers hat jetzt Aluhüte für sich gebastelt gegen das Gedankengut der anderen Aluhutträger. 
Beide Bedeutungsebenen des Aluhutes haben sich längst in unserem Sprachgebrauch festgesetzt. Wir werden damit leben müssen.

Aber wann und wo hat der Ausdruck Aluhut eigentlich das Licht der Welt erblickt? Das lässt sich eindeutig beantworten. Es war der britische Biologe Julian Huxley, nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Aldous. Julian Huxley rief im Jahre 1927 in seiner Science-Fiction-Geschichte "The Tissue-Culture-King" den Aluhut ins Leben. Der Protagonist seiner Geschichte, ein britischer Forscher, trifft in einem afrikanischen Land auf Zustände, die ihn erschrecken. Der herrschende König unterzieht seine Bevölkerung einer genetisch-biologischen Umwandlung und entwickelt die Technik der Gedankenübertragung, mit der er die Bevölkerung kontrolliert und manipuliert. Der Forscher, der befürchtet, ebenso Opfer des Königs zu werden, will fliehen und bastelt sich für die Flucht zur Abwehr der Gedankenmanipulation einen schützenden Aluhut. Die Flucht gelingt. Der Aluhut hat ihn beschützt. 

Als ich ein Kind war, las ich einmal ein Buch, dessen Titel ich längst vergessen habe. Es ging jedenfalls auch um Telepathie, mit deren Hilfe Menschen manipuliert wurden. Beängstigend für mich, für das Kind. Kann solche Fiktion auch Realität sein? Ich war besorgt. Damals hätte ich mir auch so etwas wie Huxleys Aluhut gewünscht.

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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