Bei jeder Vierten schlägt "Er" zu: Etwa 150 bei Aktion „One Billion Rising“

Fotos: Heike Cervellera
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Etwa 150 Teilnehmer beteiligten sich am Altmarkt an der Aktion „One Billion Rising“. Ein gemeinsames Tanzen war Teil des Protests gegen die Gewalt an Frauen und Kindern.

Die Zahl ist erschreckend: Etwa 30 Frauen, die am Altmarkt mit fröhlichen Gesicht die anspruchsvolle Choreografie zu dem Lied „Break the chain“ (etwa: Brecht die Ketten) nachtanzten, wurden bereits Opfer von Männergewalt. Denn, „in Deutschland erlebt jede vierte Frau Gewalt in der Partnerschaft“, wie Sabine Kellner vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betonte, der die Veranstaltung organisiert hatte. Jede siebte Frau erlebe im Laufe ihres Liebens strafrechtlich relevante Gewalt, so Kellner weiter.

Frauen, die familiäre Gewalt erfahren, leiden oftmals, für Außenstehende nicht erkennbar, jahrelang und nicht selten hinter der Fassade einer glücklichen Familie. Für Betroffene eine unsagbare Pein. Dagegen ausgelassen tanzend protestieren - passt das zusammen? Für Betroffene mag es eine Form der Befreiung gewesen sein, das ihnen widerfahrene Unrecht "heraus zu tanzen". Und diejenigen, die diese Erfahrung noch nicht machen mussten, zeigten mit ihrer Teilnahme an der Aktion ihren Protest und ihre Solidarität. So wie Teilnehmerin Margret Plugge. „Das Thema ist wichtig“, sagt die ältere Frau, die mit anderen Frauen, Mädchen und auch einigen Männern am dabei ist, mit Nachdruck.

„Nachdem die Aktion in 2013 in Moers das erste Mal statt fand, werden es jedes Jahr mehr Teilnehmer“, freut sich die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Moers Barbara Folkerts. Nicht weniger werden leider in der Grafenstadt die Frauen, die aufgrund von Gewalt durch Männer Unterstützung beim Verein „Frauen helfen Frauen“ suchen. Sabine Kellner hierzu: „In 2017 nahmen etwa 400 Frauen unsere Beratungsangebote wahr. Mehr als die Hälfte hatte Gewalt durch Männer erfahren.“ Betroffene benötigten Unterstützung von Bürgern und politischen Vertretern, so Kellner. Die Aktion sei ein Anstoß, dem Thema mit größerer Sensibilität zu begegnen, betonte Bürgermeister Christoph Fleischhauer, der auch mittanzte. Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws (Grüne) äußerte: „Gewalt gegen Frauen und der tägliche Sexismus sind keine Randerscheinung.“ Man dürfe nicht aufhören, nein zu sagen gegen jede Form von Gewalt. Aktionen wie die #MeToo-Debatte gegen sexuelle Übergriffe und eben „One Billion Rising“ „stehen für „Solidarität von Frauen, die nicht schweigen, die Widerstand leisten und gemeinsam aufstehen,“ so Schauws. Die Gleichstellungsbeauftragte Barbara Folkerts betonte: „Auch Frauen, die zu uns geflohen sind, haben ein Recht haben hier zu sein und Frieden zu haben.“

Info:

Die Aktion, die weltweit in 190 Ländern und in 175 deutschen Städten stattfand, wurde in Moers unterstützt: Von der Gleichstellungsstelle der Stadt, dem Frauenforum, dem Bollwerk 107 und dem Internationalen Kulturkreis Moers (IKM). Erstmals nahmen in diesem Jahr Schüler des Grafschafter Gymnasiums und des Mercator Berufskollegs teil. Den Tanz „Break the chain“ (Deutsch: Brecht die Ketten) studierten Cay Collin und die Lindengirls der Tanzschule Andrea Hedding mit den Teilnehmern ein.

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