Laura in Tansania - Malaria, Haus-Gecko, 20. Geburtstag, Mandazi, Nadhiri's Lachen, Uji und Trauer um Mama Theodora

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„Sie seien nun richtig angekommen“, sagen die Afrikaner, wenn Europäer ihre erste Malaria nach dem Betreten afrikanischen Bodens haben. Nicht mal einen Monat nach dem Laura Elisabeth Haffmann aus Moers-Repelen Ende August nach Mwanza in Tansania für ihr freiwilliges Soziales Jahr reiste, litt sie an diesem „eigenwilligen Willkommensgruß“. In ihrem Blog „Laura in Tansania“ berichtet die inzwischen 20-jährige Moerserin über ihre ersten Erfahrungen mit einer neuen Kultur, Sprache und Lebensgewohnheiten, es gibt viele heitere Momente und Erlebnisse aus dem neuen Umfeld, aber auch traurige Nachrichten, die zur Verunsicherung führen. Mama Theodora, die Gründerin der Einrichtung HOMERC für Kinder mit geistiger Behinderung, in der Laura ein Jahr arbeitet, ist plötzlich verstorben, die Zukunft für die Betreuung, der nach kurzer Zeit liebgewonnenen Kinder ist ungewiss.

Verkehrschaos in Dar es Salaam: Wer hupt hat Vorfahrt!

Laura, oder „Laula“, wie viele Tansanier zu ihr sagen, da sie den Namen der jungen Moerserin nicht aussprechen können, lebt nun inzwischen anderthalb Monate 7000 km von zu Hause entfernt in Mwanza am Victoriasee. Ihre Reise ging mit mühevoll auf 23 kg reduziertem Gepäck über Dohar in Katar nach Dar es Salaam in Tansanias größte Stadt. „Auf der Fahrt in unser vorübergehendes Hostel, während der wir die ersten Eindrücke von Tansania sammelten, war alles erst mal krass! Neue Umgebung, neues Klima, neue Menschen, neue Kultur, neue Mentalität, ...“, berichtet „Laula“ in ihrem Blog „Laura in Tansania“ und beschreibt, wie man mit elf Personen und Gepäck in einem Siebensitzer alles solange stapelt, bis jeder einen Platz gefunden hat. „Auf den Straßen tummeln sich Busse, Autos, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger, aber die einzige für uns halbwegs ersichtliche Regel neben dem Linksverkehr lautet: Wer hupt hat Vorfahrt. Rote Ampel? Egal.“ Bei jedem Halt, zu dem die Fahrer sich nur zwangsläufig in einem Stau hinreißen lassen, laufen die Straßenverkäufer zu den Fahrzeugen und verkaufen Früchte, Getränke, Nüsse, Kleidung, Sonnenbrillen durch die geöffneten Fenster.

Geschwindigkeitskontrolle auf tansanisch

Nach einer kurzen Nacht im Hostel war der weitere Weg zum Arbeitsort Mwanza für Laura und ihrem zukünftigen Arbeitskollegen Max nicht ungefährlich und sehr erschwerlich, da vier bissige, aggressive Hunde den Innenhof des Hostels bewachten. Weiter ging es im Chaos des Busbahnhofes den passenden Landbus zu finden, um nach 17 Stunden Fahrt, bei der der Rücken jede Bodenwelle und Schlagloch spürte, endlich am Bestimmungsort an zu kommen. „Wir erlebten auch eine Geschwindigkeitskontrolle der etwas anderen Art: Ein Polizist hielt den Bus an und fragte in die Runde, ob sich der Fahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halte. Tat er 100%-ig nicht, aber die Passagiere bejahten und der Polizist ließ uns die Fahrt zufrieden fortsetzen“, beschreibt Laura ihre Erfahrungen vorbei an Dörfern, Städten, wunderschönen Landschaften und Viehherden. Natürlich gab es auch eine Panne, „Statt klagende, ungeduldige Stimmen während der Dreiviertelstunde Pause, wie wir sie in Deutschland erwartet hätten, gab es ausschließlich entspannte Gesichter. Die Männer stiegen aus und halfen dem Fahrer.“

Der Hausgecko und Improvisation bei Strom- und Wasserausfall

Das Haus, in dem nun die jungen freiwilligen Helfer wohnen, ist aus europäischer Sicht spartanisch eingerichtet, aber es gibt alles, was sie brauchen. „Unsere Nachbarn bewohnen mit weit mehr Personen, als wir es sind, wesentlich kleinere Lehmhütten“, beschreibt Laura den starken Kontrast zwischen „Reich und Arm“ in Tansania, den sie in den nächsten Wochen einige weitere Male bewusst erlebt. Unerwünschte Hausbewohner haben Laura und Max auch: „Da wären zum Beispiel noch unsere Hausgeckos und Hausspinnen. Zu mindestens an erstere lässt es sich aber gewöhnen.“ Immer wieder gibt es Strom- und Wasserausfall, „Man merkt sofort, was wichtiger ist: WASSER.“ So werden täglich vorsorglich alle möglichen Behältnisse mit Wasser gefüllt.

Malaria - unerfreulicher Willkommensgruss in Afrika

Inzwischen hatte der Sprachkurs begonnen, Mama Salalah eine gebürtige Deutsche, die schon seit über 30 Jahren in Tansania lebt, unterrichtet in Kisuaheli und "tansanischer Kultur". „Nach vier Wochen hat Mama Salalah auf jeden Fall schon gute Arbeit geleistet. Wir können uns vorstellen, Leute begrüßen, Einkaufen, auf dem Markt handeln und einfache Sätze in sämtlichen Zeiten bilden. Die Sprache wirklich anzuwenden, fällt natürlich dennoch sehr schwer.“ Mama Salalah und der Leiter der Sprachschule, der nur „Sir“ genannt wird, sind wunderbare Ansprechpartner und sehr um das Wohl der jungen Deutschen besorgt. So schickte Mama Salalah Laura und Max sofort in eine Klinik, als sie die ersten Anzeichen einer Malaria-Infektion bemerkte und sich auch bestätigte. Laura über ihre Erkrankung: „Aber keine Panik, Malaria verlief bei uns weniger dramatisch, als es sich viele in Deutschland vorstellen. In erster Linie waren wir erschöpft, aber jetzt, nachdem wir die Medikamente eingenommen haben, geht es uns besser.“

Ausgrenzung behinderter Menschen in Tansania

Von der Malaria erholt, begannen auch die ersten Arbeitstage für Laura und Max in der Tageseinrichtung HOMERC für Kinder mit geistigen Behinderungen, die Mama Theodora nach dem Tod ihres behinderten Kindes auf ihrem Grundstück gegründet hat und seit dem leitet. Auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit wird Mandazi (tansanisches Gebäck) für umgerechnet 5 Cent das Stück, gekauft und gefrühstückt. Einige Mandazi sind für die Kinder, die die Beiden täglich betreuen, da diese sie zu Hause kein Frühstück erhalten und sich dadurch tagsüber nicht in der Vorschule konzentrieren können. Zum Schulanfang dürfen sich die Kinder zunächst auf dem Innenhof austoben und es werden spielerische Zählübungen, Sport oder Singen von den beiden Freiwilligen angeboten. Im Anschluss erhält jedes Kind seine vorbereitete Übung, es ist nahezu unmöglich, auch nur zwei Kindern die gleiche Aufgabe zu geben, da das Alter der Kinder zwischen drei und 18 schwankt und leichte Lernschwäche bis Schwerstmehrfachbehinderung vorliegen. Der Besuch einer Vorschule ist für tansanische Kinder verpflichtend und sehr wichtig, da in den Grundschulen (7. - 14. Lebensjahr) das Lesen, Schreiben und Rechnen bereits vorausgesetzt wird. Die meisten Kinder von HOMERC werden aber nie in eine Grundschule wechseln können, Menschen mit Behinderung werden in Tansania ausgegrenzt. Zu dem erscheinen die HOMERC-Kinder nicht täglich zum Unterricht, es gibt ein großes Anwesenheitsproblem. An den meisten Tagen kommen nur um die zehn Kinder, deswegen finden freitags immer „Home Visits“ an Stelle des Unterrichts statt. Bei den Besuchen der zumeist armen Familien der Kinder zu Hause werden Gründe für das Fernbleiben gesucht.

Mittagsbrei nur wenn Geld da ist

Über ihre Erlebnisse im Unterricht erzählt Laura: „Wir machen unterschiedlichste Übungen mit den Kindern, bis die Konzentration nachlässt. Spätestens gegen elf Uhr ist es soweit und alle Kinder sind wieder zum Spielen und Toben, was so wichtig für sie ist, auf dem Innenhof. Ich beschäftige mich dann sehr oft mit Nadhiri (ausgesprochen Naziri), den ich auf 11 Jahre schätze. Er kann weder sprechen noch laufen, müsste eine Windel tragen und wirkt oft apathisch. Aber er spürt sehr wohl, wenn man sich ihm zuwendet und liebt es, am Kopf und am Rücken gekrault zu werden. Es ist soooo schön, ihn in solchen Momenten lachen zu sehen!“ Wenn genug Geld da ist, erhalten die Kinder mittags einen sättigenden, nährstoffreichen Brei, den Uji. Für die meisten Kinder ist der Uji die einzige richtige Mahlzeit am Tag, um die letzten Reste entbrennt jeden Tag heftiger Streit. Die Kinder und ihre Nöte sind Laura ans Herz gewachsen, nach Feierabend organisiert und kauft sie Kleinigkeiten für die Kinder von ihrem eigenen Taschengeld, wie z.B. Lätzchen.

Trauer um Mama Theodora - bange Frage, geht es weiter?

Ablenkung vom Alltag, erhielt Laura an ihrem 20. Geburtstag, sie feierte fernab der Heimat Moers einen schönen Tag mit ihren Mitbewohnern mit Schokolade, Chips, Eis, Spaghetti. „Alles ist nicht selbstverständlich hier und eine nette Abwechslung zu Reis mit Bohnen.“ Und auch an ihrem Ehrentag wieder die Begegnung mit dem krassen Gegensatz zwischen „Arm und Reich“ in Tansania, denn ein Ausflug zum Schwimmen ging ins Isomela Lodge, einem Hotel: „Vom Pool aus hat man den Viktoriasee im Blick. Wunderschön und ein sehr teures Vergnügen! Wir haben an diesem einen Tag mehr ausgegeben, als andere hier in mehreren Tagen zur Verfügung haben, ein komisches Gefühl.“ Wie nah Freude und Trauer beieinander liegen können, erfährt Laura in den letzten Tagen, in einer privaten Mail zeigt sie ihre Betroffenheit über den plötzlichen Tod von Mama Theodora: “Auf jeden Fall hat mich ihr Tod getroffen und ich mache mir auch Sorgen um HOMERC, da mir die Kinder und das ganze Projekt in der kurzen Zeit schon ziemlich ans Herz gewachsen sind. Das Projekt hing an ihr. Der Klassenraum war ja sogar auf ihrem Privatgrundstück und alles. Wie es jetzt weitergeht, steht noch nicht fest.“ Unterstützung ist nun also nötig und möglich unter:

IN VIA
BLZ: 370 60 193
Konto-Nr. :600 172 1010
Verwendungszweck: Internationaler Freiwilligendienst - Laura Haffmann

Laura (19) - von Moers am Waldsee zum Sozialen Jahr nach Mwanza am Victoriasee
http://www.lokalkompass.de/moers/leute/laura-19-von-moers-am-waldsee-zum-sozialen-jahr-nach-mwanza-am-victoriasee-d182849.html

Laura's Blog:
http://laura-in-tansania.jimdo.com/

Autor:

Christian Voigt aus Moers

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