Das Sportstättenkonzept liegt im Ringstaub - Kölner Generalvikariat will nicht an die Stadt verkaufen

Das in der jüngsten Stadtratssitzung gerade noch einmal weiter festgezurrte Monheimer Sportstättenpaket ist in seiner aktuellen Form endgültig geplatzt.

In einer nur wenige Stunden zuvor einberufenen Pressekonferenz musste Bürgermeister Daniel Zimmermann am gestrigen Dienstag verkünden, dass das Kölner Generalvikariat seine Zustimmung zu dem Ende September geschlossenen Kaufvertrag über das knapp 25.000 Quadratmeter große Landstück verweigert hat. Eben genau diese Zustimmung wäre für das Gültigwerden des Vertrages, zu dem der Monheimer Stadtrat am 6. Oktober bekanntlich mehrheitlich „Ja“ gesagt hatte, jedoch ebenfalls notwendig gewesen.
Die Folgen sind nur fatal zu nennen. Ohne den Grundstückskauf ist an eine Verlegung der Bezirkssportanlage nicht mehr zu denken. Ohne deren Verlegung werden jedoch nicht die erhofften Einnahmen aus Grundstücksverkäufen für Wohnbebauung in der erwarteten Höhe von 3,8 Millionen Euro fließen. Die hätten de facto die nicht erfolgte Umwandlung des Jahnsportplatzes in Bauland kompensieren sollen, waren also das alles entscheidende Baugeld für das nahezu gesamte Sportstättenpaket.
Nun ist noch nicht alles aus, denn der Neubau der Bezirkssportanlage hätte weitaus mehr Geld verschlungen, als es nun die rasch wieder ins Spiel gebrachte Komplettsanierung der bestehenden Anlage kosten würde. Doch der sichtlich zerknirschte Bürgermeister musste gestern dennoch gestehen: „Wir verlieren Geld. Statt der 3,8 Millionen werden jetzt vielleicht noch 1,4 oder 1,5 Millionen Euro einnehmen können. Wir kalkulieren noch. Aber am Ende werden uns sicherlich mindestens die 200.000 bis 300.000 Euro fehlen, die ja letztlich auch der Grund dafür waren, weshalb wir die Sportanlage in Richtung Wolfhagener Straße verlegen wollten.“
Die Alternative Kielsgraben schloss der Monheimer Bürgermeister („Ich sehe das auch als eine persönliche Niederlage an, weil ich nach wie vor von der Richtigkeit des nun gescheiterten Konzepts überzeugt bin.“) erneut aus. Laut Auskunft von Braas sei dort erst nach Ende der Auskiesungsarbeiten und der Rekultivierung des Geländes im Jahr 2024 ein nachhaltig erbauter Sportplatz denkbar. Zimmermann „Braas würde uns für den jetzt wegfallenden Platz zwar eine Ausweichfläche anbieten, und das sogar kostenlos. In 15 Jahren müssten wir dann jedoch auch diesen Sportplatz wieder zurück auf den heutigen Standort verlegen. Es wäre der gleiche Planungsfehler wie bei dem jetzigen Platz am Kielsgraben, der ja auch erst gerade einmal 12 Jahre alt ist. Und wer soll dann wieder den neuen Sportplatz bezahlen?“
Apropos bezahlen. Wieso hat das Kölner Generalvikariat denn nun das 125.000-Euro-Angebot der Stadt ausgeschlagen, wo es der katholischen Kirche doch bekanntlich finanziell auch längst nicht mehr so gut geht? Die Erklärung inzwischen wohl aktenfüllender Seiten im Zeitraffer: Anfang des Jahres bietet die Stadt dem Monheimer Kirchenvorstand 80.000 Euro für die Fläche, um durch die Sportplatzverlegung mehr wertvolles Bauland zu gewinnen, das man gewinnbringend verkaufen kann, um das vom Verwaltungschef gemeinsam mit seiner Peto, der SPD und den Grünen siegreich durch den Wahlkampf getragene Sportstättenkonzept zu finanzieren. Bauer Robert Bossmann bekommt Wind von der Sache und ist bereit, um seine Felder zu kämpfen. Im Sommer erhöht er sein Angebot auf 125.000 Euro. Und die Stadt legt nach, bietet nun auch diese Summe. In der Stadtratssitzung Anfang Oktober fragte Robert Bossmann den Bürgermeister dann in der Bürgerfragestunde vor versammelter Mannschaft: „Wissen Sie, dass ich mein Angebot auf 200.000 Euro erhöht habe?“ Zimmermann wusste es nicht. Doch er weiß: „Da gehen wir nicht mehr mit.“ Und er zog daher nun die Reißleine. „Ackerflächen werden bei uns zwischen 3 und 5 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Mit unseren 125.000 Euro lagen wir bei 5,10 Euro. Uns liegt ein Schreiben des Monheimer Kirchenvorstandes vor, der das 200.000-Euro-Angebot von Herrn Bossmann daher als unseriös bezeichnet. Das ist mit landwirtschaftlicher Nutzung gar nicht refinanzierbar.“ Beim Erzbistum Köln sah man das jedoch anders, will nun ein Bieterverfahren um das scheinbar so begehrte Landstück anstreben. „Und da werden wir nicht mehr mitbieten“, versicherte Zimmermann. „Wir haben gesagt, wir erhöhen nur einmal. Außerdem kostet das alles zu viel Zeit.“ Die Zeit hat man nicht. Schon das Zögern der Kirche jetzt hätte die Stadt ein ganzes Jahr gekostet, weil die Kündigungsfrist für Robert Bossmann nach St. Martin um ein Jahr verlängert worden wäre. Kirchenjahre gehen eben anders.
Der katholischen Kirche wünschte Zimmermann mit reichlich Sarkasmus in der Stimme denn noch „viel Glück bei der künftigen Vermarktung“ des eins so geliebten Landflecks. „Ich glaube nicht, dass Herr Bossmann die 200.000 Euro je auf den Tisch legen wird. Wir haben das immer für ein rein taktisches Angebot gehalten.“
Ein kluge Taktik und einen kühlen Kopf wird derweil auch Zimmermann selbst in den kommenden Tagen und Wochen brauchen. Die politischen Gegner dürften längst mit viel Genuss die Messer wetzten. Und zumindest Teile des Sportstättenkonzepts werden nun wohl bald erneut in den Stadtrat müssen.
Wie auch immer: Für den Monheimer Bürgermeister ist das Scheitern des Konzepts auf jeden Fall die bislang mit Abstand schmerzlichste Niederlage, auch wenn er diese eher persönlich denn politisch („Die Mehrheit im Stadtrat war ja da.“) gewertet haben will.
Die noch größeren Verlierer könnten jedoch Monheims Sportler sein, wenn jetzt nicht ganz schnell an einer guten Alternative gebastelt wird. Denn: Die Zeit drängt, weil die Bagger weiter unbeirrt in Richtung Kielsgraben-Sportplatz rollen, wo bald ein Drittel der Monheimer Kunstrasenfläche wegfällt.

Autor:

Thomas Spekowius aus Monheim am Rhein

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