Informatives Begleitheft ist in zweiter Auflage erschienen
Neue Stolpersteine in Monheim verlegt

Künstler Gunter Deming mit einigen der Schülerinnen und Schüler der Peter-Ustinov-Gesamtschule, die auch die jüngste Stolpersteinverlegung wieder thematisch mitbegleiteten.
Foto: Michael Hotopp
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  • Künstler Gunter Deming mit einigen der Schülerinnen und Schüler der Peter-Ustinov-Gesamtschule, die auch die jüngste Stolpersteinverlegung wieder thematisch mitbegleiteten.
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Für ihre mindestens 43 bekannten Zwangsarbeitskräfte, die auf heutigem Monheimer Stadtgebiet zu Tode kamen, hat die Stadt vom Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine anfertigen lassen. Sie sollen an die Verstorbenen erinnern. Einige weitere Steine tragen die Namen jener, die zwar mit dem eigenen Leben davonkamen, während ihrer Monheimer Jahre jedoch unter dramatischen Umständen Väter, Mütter oder Kinder verloren. Ihre Steine liegen nun direkt nebeneinander.

Der Verlegung der ersten 11 Steine für polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hatte im letzten Herbst eine Delegation aus Monheims Partnerstadt Malbork beigewohnt. Jetzt wurden weitere 34 Steine im Beisein des Bürgermeisters Patrick Donath und einer kleinen Gruppe aus Monheims französischer Partnerstadt Bourg-la-Reine verlegt. Auch sie konnten mit Gaston Seyer eines verstorbenen Landsmanns gedenken, der bei einem Bombenangriff auf die damalige Rheinische Pappenfabrik in Monheim-Blee getötet wurde.

Gäste begleiteten die Verlegung

Die Gäste aus Bourg-la-Reine begleiteten die Verlegung ebenso wie interessierte ürger. Schüler der Peter-Ustinov-Gesamtschule sorgten für die musikalische Begleitung und erinnerten in kurzen Texten an die Schicksale der Menschen, deren Namen nun auf den von Gunter Demnig geschaffenen Steinen im Stadtbild verewigt sind.
"Begegnung schließt Erinnern ein", betonte Bürgermeister Daniel Zimmermann im Rahmen der Ende Mai erfolgten Verlegung - und blickte zurück in den letzten Herbst, als er gemeinsam mit einer Monheimer Delegation der Opfer des Ersten Weltkriegs in Bourg-la-Reine gedacht hatte - 100 Jahre nach dem Ende des ersten großen Weltenschlachtens. "Diese Einladung war für uns damals eine sehr bewegende Geste der Freundschaft und Verständigung. Es gab uns ein gutes Gefühl, dass wir zusammen der Opfer gedenken konnten", unterstrich Zimmermann. "Wir haben uns damals gemeinsam daran erinnert, dass es keine Erbfeindschaften zwischen Menschen gibt, so wie Nationalisten in beiden Ländern es uns auch damals schon über Jahrzehnte weismachen wollten. Auf der anderen Seite gibt es aber eben leider auch bis heute keine Erbfreundschaften", mahnte Monheims oberster Brückenbauer. "Man muss immer wieder dafür sorgen, neue Kontakte und Freundschaften zu Menschen in anderen Ländern auf- und damit Vorurteile abzubauen, um einander besser kennenzulernen. Die Städtepartnerschaften, so wie wir sie heute pflegen, dienen genau diesem Zweck. Diese Begegnungen schließen auch das gemeinsame Erinnern an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ein, das sehr viel Leid über Europa gebracht hat."

Erinnerung an die Tragödie

Patrick Donath hob bei der Verlege-Zeremonie hervor: "Die Stolpersteine erinnern uns mit jedem Schritt an die Tragödie, die sich vor nur gut 70 Jahren in Europa abgespielt hat." Und auch er blickte auf den 11. November 2018 zurück. Es sei das erste Mal gewesen, dass Bourg-la-Reine an diesem so wichtigen französischen Gedenktag eine Delegation aus der deutschen Partnerstadt empfangen habe. "Damals", so Donath in Richtung von Monheims Bürgermeister, "haben Sie an meiner Seite eine bemerkenswerte Rede gehalten. Diese Rede hat alle Anwesenden in unser Stadt zutieftst bewegt. Viele Einwohner haben mich im Anschluss gebeten, diese Rede in unserer Stadtzeitung zu veröffentlichen", so Donath, auch mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse rund um die Europawahl. "Sie sprachen im letzten November bei uns von Freundschaft, Verständigung, Frieden und Vertrauen. All das haben wir zum großen Teil dem neuen, gemeinsam errichteten Europa zu verdanken. Dieses Europa hat uns Frieden, Freiheit und Miteinander geschenkt. Es hat uns Vertrauen ineinander zurückgegeben. Die Früchte dieses Friedens und diese Vertrauens teilen wir heute alle", betonte Donath und schloss den Kreis vom großen Europa auf das kleine deutsch-französische Ereignis in Monheim.

Freundschaftlich verbunden

"Es gibt tausende Partnerschaften zwischen Ländern, Gemeinden und Menschen, die in den letzten Jahrzehnten geknüpft wurden. Seit 1984 sind auch Bourg-la-Reine und Monheim freundschaftlich miteinander verbunden. Und ich bin glücklich über jeden Austausch, der seitdem stattgefunden hat - auf alles, was uns inzwischen verbindet. Seit 35 Jahren wächst unsere gemeinsame Geschichte. Und die Stolpersteine, die wir heute verlegen, verlängern diesen gemeinsamen Weg. Ich bin sehr stolz, diesen Weg zusammen mit Ihnen zu bauen." Am Ende zitierte Patrick Donath den großen französischen Europapolitiker der ersten Nachkriegsjahre Robert Schuman: "Wer sich nicht wagt, das Schlechte zu bekämpfen, kann das Gute nicht verteidigen."

Neue Standorte

An schlechteste und dunkelste Zeiten erinnern nun schon 59 im Stadtgebiet verlegte Stolpersteine. Fünf weitere folgen noch in den nächsten Tagen. Zu allen 64 Steinen führt die nun in zweiter Auflage erschienene Broschüre "Erinnern statt Vergessen - Stolpersteine in Monheim am Rhein". Neu hinzugekommen sind die Verlege-Standorte Leienstraße und Schallenstraße in Baumberg, die Rheinpromenade / Ecke Krischerstraße, die Frohnstraße mit den Hausnummern 9 und 44 sowie die Industriestraße. Für die Publikation arbeitete die Stadt mit dem Historiker Dr. Karl-Heinz Hennen zusammen.
Die Broschüren liegen ab sofort im Rathaus, der Volkshochschule und der Bibliothek kostenlos zur Mitnahme aus. Zudem gibt es die Broschüre zum Download auf www.monheim.de.

Info: Zwangsarbeiter in Monheim

In den letzten Kriegsjahren von 1940 bis 1945 lebten in den damaligen Rheingemeinden Baumberg, Monheim und Hitdorf nicht einmal 8000 Menschen. Zur gleichen Zeit wurden hier auf den Bauernhöfen und in den Fabriken rund 1400 aus ihrer Heimat verschleppte Menschen zur Arbeit gezwungen. Sie waren nicht freiwillig an den Rhein gekommen. Sie wurden miserabel untergebracht und bezahlt, medizinisch schlecht versorgt und hatten meist kaum mehr zu essen als das Nötigste. Während der 1034 im Rathaus notierten Alarme durften sie nicht die Luftschutzkeller für die Zivilbevölkerung aufsuchen und waren damit den 22.582 registrierten Brand- und Sprengbombenabwürfen nahezu hilflos ausgeliefert. Viele flüchteten sich in ihrer Angst und Verzweiflung selbst in denTod. Insgesamt machte sich Deutschland so an 13 Millionen Zwangsarbeitskräften schuldig.

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