SKFM Monheim
Gesetzliche Betreuung ein „Buch mit sieben Siegeln“?

Sozialarbeiterin Beate Engels beim Beratungsgespräch
  • Sozialarbeiterin Beate Engels beim Beratungsgespräch
  • Foto: Foto SKFM
  • hochgeladen von Bernd-M. Wehner

SKFM Monheim betreut rund 160 Personen – Ehrenamtliche Helfer gesucht

„Ein Bereich, in dem viel Einfühlungsvermögen aber auch umfangreiche Fachkenntnisse in den verschiedensten Rechts- und medizinischen Gebieten gefordert wird, ist die „gesetzliche Betreuung“ von volljährigen Personen, die ihre persönlichen Angelegenheiten nicht oder nur zum Teil alleine erledigen können.“ Mit diesen Worten umschreibt Monika Stetten, Sozialpädagogin beim SKFM Monheim am Rhein e.V., die Aufgaben ihres Fachbereichs. Mit ihren Kolleginnen Beate Engels, Anna Jaenicke, Inga Hellpointner und Svenja Nweke betreut sie derzeit rund 160 Personen in Monheim. Angefangen vom 18-jährigen bis zum 100-jährigen. Und in der Tat die älteste Dame, die betreut werde, sei immerhin schon 103 Jahre alt.

Gründe für eine gesetzliche Betreuung seien vielfach psychische Erkrankungen, körperliche, geistige oder seelische Behinderungen oder Demenz. In knapp über 50 Prozent der erfassten Betreuungsfälle erfolgt die Betreuung ehrenamtlich. Beispielsweise durch die Eltern für ihr volljähriges behindertes Kind oder durch die erwachsenen Kinder für ihre pflegebedürftigen Eltern. Eine professionelle Betreuung, wie sie z.B. der SKFM anbietet, erfolgt bei Menschen mit schwierigen psychischen Problemen, ohne soziale Strukturen oder Anbindungen bzw. bei denen die Angehörigen mit der Führung der Betreuung überfordert wären.

Ziel: Eigeninitiative und Eigenverantwortung der betreuten Person erhalten

Und Beate Engels ergänzt: „Unser Ziel ist immer, die Eigeninitiative und Eigenverantwortung der betreuten Person zu erhalten. Hierzu gehört auch, dem jeweiligen Menschen seine Freiheiten zu lassen und ihm nicht den eigenen Lebensstil aufzudrängen.“ Leider gebe es aber auch immer wieder Missverständnisse bei den betroffenen Personen über die Zuständigkeit der Betreuer. Jedoch bestimme ein Gericht in jedem Einzelfall die jeweiligen Bereiche, in denen ein Betreuer tätig werden dürfe. Mit anderen Worten: Es geht immer um die jeweilige rechtliche Vertretung für den vom Gericht vorgegebenen Aufgabenbereich, nicht aber um eine ganzheitliche Betreuung im Sinne von Pflege. Der Betreuer ist also nicht „Mädchen für alles“.
So gehöre beispielsweise die Gesundheitsfürsorge, angefangen von der Organisation der Arztbesuche bis zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung oder die Vermögenssorge, wie Verwaltung der Finanzen zur Sicherung der Existenz, die Geltendmachung von finanziellen Ansprüchen oder die Schuldenregulierung, zu den Aufgabenbereichen der Betreuer. Es sei aber nicht ihre Aufgabe zum Beispiel persönlich die Wohnung aufzuräumen oder Einkäufe zu tätigen, sondern nur, wenn der Betreute das zulässt, entsprechende Dienste zu organisieren. Dies führe dann vielfach zu Anfeindungen von außen und Diffamierungen durch „soziale Netzwerke“. So drohten in einem Fall sogar Angehörige der Betreuerin, „man müsste ihr mal mit dem Baseballschläger begegnen“, weil sie in einem konkreten Fall verhindert hatte, dass einem Betreuten durch Angehörige Geld weggenommen werden sollte.

Erwartungen sind vielfach zu hochgeschraubt

Vielfach erwarteten auch betreute Personen von den gesetzlichen Betreuern, dass sie täglich bei ihnen vorbeikommen und sich persönlich um ihr Wohl kümmern. „Hier wird die gesetzliche Betreuung mit persönlicher Fürsorge verwechselt“, unterstreicht Monika Stetten. So sehr man sich auch in die Situation der vielfach alleinstehenden Menschen versetzen könne, so wenig gebe aber das gesetzlich festgelegte Zeitbudget eines Betreuers eine solche „Rund um Versorgung“ her. So betrage das Stundenkontingent für die gesetzliche Betreuung eines Menschen, der noch in seiner eigenen Wohnung lebe, lediglich 3,5 Stunden im Monat. Bei Heimbewohnern sogar nur 1,5 Stunden.

Hinzu komme, dass der Betreuer vielfach nur bedingt helfen könne, weil auch er mit Zwängen konfrontiert sei, die er nicht beeinflussen könne. „Wenn beispielsweise eine Klinik ihre Patienten zu schnell entlässt, können auch wir keine adäquate Heimunterbringung ‚herbeizaubern‘“, gibt Beate Engels zu Bedenken. „Und wir haben letztlich dieselben Probleme, die jede Privatperson in solchen Fällen auch hat.“

„Auch wenn die gesetzliche Betreuung keine einfache Aufgabe ist, so ist es doch immer wieder wohltuend, wenn man anderen Menschen helfen kann und man vielfach merkt, dass diese Hilfe auch dankbar angenommen wird“, betont Beate Engels. „Das Schöne an der gesetzlichen Betreuung ist, dass wir Betreuer oftmals die einzigen Menschen sind, die die Betreuten einen großen Teil ihres Lebens begleiten.“ Ihre längste Betreuung, so Engels, führe sie mittlerweile seit 20 Jahren durch – natürlich mit vielen „auf und abs“. „Im Übrigen sind wir als christlicher Verein hier ja besonders gefordert.“ Das Gebot der Nächstenliebe sei schließlich keine Worthülse, sondern werde auf diesem Gebiet konkret praktiziert, so die Sozialarbeiterin.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht

Wer sich also im Bereich der gesetzlichen Betreuung ehrenamtlich engagieren möchte, ist beim SKFM Monheim herzlich willkommen. Weitere Informationen erhält man bei Beate Engels oder Monika Stetten unter der Telefon-Nr. 02173 9569-10.
Im Übrigen lädt der SKFM Monheim zu einer Vortragsveranstaltung zum Thema „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“ am Donnerstag, den 12. Dezember 2019, um 14 Uhr, ins Stadtteilcafé, Ernst-Reuter-Platz 20, alle an dieser Thematik Interessierten ein.

Weitere Informationen über den SKFM Monheim am Rhein e.V. findet man unter www.skfm-monheim.de. Infos über die Monheimer SKFM-Tafel kann man aber auch direkt unter http://www.skfm-monheim.de/monheimer-skfm-tafel.html aufrufen.

Autor:

Bernd-M. Wehner aus Monheim am Rhein

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