SKFM informiert Kinder der Armin-Maiwald-Grundschule
Obdachlosigkeit in Monheim

In Absprache mit dem Obdachlosen Peter zeigen die Damen vom SKFM den Grundschülern den Inhalt seine Rucksacks. Foto: Privat
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„Seid ihr schon mal einem Obdachlosen in Monheim begegnet?“ Auf diese Frage von Birgit Tunc, Teamleiterin im Bereich der Obdachlosenhilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM), sprudelten die Antworten der Kinder der Klasse 2c der Armin-Maiwald-Grundschule in Baumberg nur so raus.

„Obdachlose leben auf der Straße oder unter Brücken. Sie haben keine Familie, keine Arbeit und kein Geld und sie gehen auf die Straße und betteln.“ Ein Junge hatte beobachtet, dass ein Obdachloser immer in einen Supermarkt ging, wenn es ihm zu kalt war. Auf die Frage, wie sie diese Begegnungen empfunden hätten, antworteten sie auch ganz offen, dass sie sich schlecht gefühlt und ihnen auch manchmal Geld gegeben hätten. Gleichzeitig hatten sie aber auch beobachtet, dass viele Menschen einfach an den Obdachlosen vorbeigingen.

Keine falsche Scham

Die Diplom-Sozialpädagogin, die sich seit 2017 beim SKFM um Obdachlose kümmert, erzählte den Grundschülern, wie es dazu kommen kann, dass Menschen zu Obdachlosen werden. Vielfach seien es Leute, die ihre Miete – aus welchen Gründen auch immer – nicht zahlen könnten. Aufgrund der Rechtslage könne in Deutschland ein Vermieter seinem Mieter die Wohnung kündigen, wenn dieser damit zwei Monate im Rückstand sei.
Sodann öffneten vielfach die Betroffenen nicht ihre Post, so dass sie gar nicht erfahren würden, dass die Kündigung ihrer Wohnung bevorstehe. Um hier helfen zu können, sei es wichtig, dass in Not geratene Menschen sich rechtzeitig an die Obdachlosenhilfe des SKFM wenden, unterstrich Birgit Tunc. „Nur wenn wir von solchen Fällen erfahren, können wir auch helfen.“ Man solle deshalb keine falsche Scham haben, sondern sich so früh wie möglich in solchen Situationen mit dem SKFM in Verbindung setzen.

Alles in einem Rucksack

Im Anschluss berichtete Birgit Tunc den Grundschülern von Peter, einem Obdachlosen, der auf der Straße lebt. Sie brachte – im Einvernehmen mit ihm – seinen Rucksack mit und breitete die hierin befindlichen Utensilien vor den Kindern aus. Angefangen von einer Decke zum Wärmen, einer Hose und einem Pulli zum Umziehen, einem Becher zum Trinken, einer Küchenrolle, Haarbürste bis hin zu einem Schlafsack hatte er hier die notwendigsten Dinge dabei.

Der Hund als bester Freund

Zudem befanden sich in dem Rucksack noch Hundefutter, Bonbons, ein Brötchen, ein Tafelausweis, um sich einmal in der Woche mit preisgünstigen Lebensmitteln versehen zu können und eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Diese benutze er, um sich auf den Fahrten ein wenig aufzuwärmen. Darüber hinaus hatte er auch ein Portemonnaie mit etwas Geld und sogar einem Foto von seiner Familie darin.
Den Kindern wurde schlagartig bewusst, dass obdachlose Menschen ihr ganzes Hab und Gut bei sich tragen und dieses sich auf ein für sie unvorstellbares Minimum reduziert. Auf die Frage von Brigit Tunc, weshalb Peter wohl auf der Straße leben wollte und nicht in einer Notunterkunft, gab sie den Grundschülern noch einen Tipp. „Überlegt mal, wenn ihr den Inhalt des Rucksacks betrachtet, weshalb Peter nicht in eine Notunterkunft gehen kann beziehungsweise will?“ „Weil Peter einen Hund hat“, sagte ein Junge. „Und woher weißt du das?“ fragte ihn die Sozialpädagogin vom SKFM. „Er hat doch Hundefutter dabei“, war seine einfache, aber zutreffende Antwort. Genau das sei der Grund, bestätigte Birgit Tunc. Im Obdach sei Haustierverbot. Weil sich aber Peter nicht von seinem Hund trennen wolle, ginge er nicht ins Obdach.
Darüber hinaus erzählte Birgit Tunc, dass viele Obdachlose jeden Donnerstag, ab 13 Uhr, im „Offenen Treff“ des SKFM im Zöllnerhaus zusammenkämen. Hier würde in lockerer Runde geplaudert, Geburtstag gefeiert und die Sorgen träten ein wenig in den Hintergrund. Beköstigt würden die Betroffenen mit dem Essen von der Tafel.

Mit dem Projekt „Austausch und Aufklärung von Schülern über obdachlose Menschen in Monheim“ hat der SKFM Neuland betreten. „Wir freuen uns jedenfalls“, so Birgit Tunc, „dass die Armin-Maiwald-Schule hierfür aufgeschlossen war und wir mit der Klasse 2c, ihrer Klassenlehrerin und weiteren Schulklassen ein aufklärendes Gespräch führen konnten.

Weitere Infos

Infos über die Obdachlosenhilfe des SKFM erhält man bei Birgit Tunc unter Telefon (02173) 51731, per E-Mail unter birgit.tunc@skfm-monheim.de oder persönlich im Büro der SKFM-Obdachlosenhilfe im Zöllnerhaus, Rhenaniastraße 1. Weitere Informationen über den SKFM Monheim am Rhein e.V. und seine Aktivitäten sind unter www.skfm-monheim.de zu finden.

Autor:

Bea Poliwoda aus Monheim am Rhein

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